Eutin-Sibbersdorf : Eierdiebe zu Besuch auf Möweninsel

Das Öffnen der Eischale sowie der Schlüpfvorgang ist wie bei jeder Geburt ein Kräfte zehrender Vorgang.
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Das Öffnen der Eischale sowie der Schlüpfvorgang ist wie bei jeder Geburt ein Kräfte zehrender Vorgang.

Ein Unbekannter hat alle Gänsegelege geplündert, obwohl die Insel ein Naturschutzgebiet ist. Die Vogelschutzgruppe Eutin hat Strafanzeige erstattet.

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28. Mai 2015, 11:30 Uhr

In den 21 Jahren, in denen die Vogelschutzgruppe Eutin-Malente (VSG) die Möweninsel im Sibbersdorfer See betreut, hat es so etwas noch nicht gegeben: Kein einziges Gänsepaar hat auf der kleinen, zum Vogelschutzgebiet erklärten Insel erfolgreich gebrütet, weil eine unbekannte Person sämtliche Gänseeier gestohlen hat.

Die Entfernung von Gänsegelegen ist, wie VSG-Vorsitzender Holger Jürgensen sagt, nach dem neuen Jagdrecht wegen des großen Graugansvorkommens im Lande erlaubt. Allerdings sei dazu eine Genehmigung der Jagdbehörde notwendig. Und die werde keinesfalls in einem „geschützten Landschaftsbestandteil“ mit dem Schutzzweck „Vogelschutz“ wie der Möweninsel erteilt. Die VSG habe Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Jagdrecht erstattet. Jürgensen vermuetet, dass der Flussregenpfeifer und der Flussuferläufer wegen der Störung durch das Ausheben der Gänsegelege die Insel wieder verlassen hätten.

Neben einer Mähaktion jedes Jahr im Frühjahr, bei der Mitglieder und Freunde der VSG die Vegetation der Insel beseitigen, gehört eine sorgfältige Beobachtungen des Brutzyklus’ zur Betreuung des Eilands. Und Tradition hat auch der jährliche Bericht über den Brutbestand, zu dem dieses Jahr die Meldung über den Eierdiebstahl gehört.

Danach brüten auf der Insel etwa 45 Lachmöwen- und 55 Sturmmöwenpaare. Die besonders auffallende, ausdrucksstarke Schwarzkopfmöwe – ursprünglich aus dem Raum Schwarzes Meer und Mittelmeer stammend – sei wie in den Vorjahren auch in 2015 mit einem oder zwei Brutpaaren zu Gast.

Jedes Jahr versuchten Flussseeschwalben Nachwuchs groß zu bekommen. Wegen der schlechten Wasserqualität des Sibbersdorfer Sees (Algenblüte) und der dadurch verursachten geringen Chance, kleine Fische für die Jungenaufzucht stoßtauchend zu erreichen, wandertern die Altvögel ab oder versuchten, auf dem Kellersee Beute zu machen.

Als „Störenfirde“ seien auf der Insel immer Silbermöwen und in diesem Jahr auch Mantelmöwen vertreten: sie neigten dazu, Gelege und Jungen anderer Vogelarten zu fressen. Jürgensen: „Auch ein Schutzgebiet ist keine heile Welt“.

Ob sich Enten verschiedener Arten auf der Insel vermerhen, könnte nur durch sehr intensive und störungsbedingte Kontrollen festgestellt werden. Das lehne die VSG ab. In der Regel könne man ihre reproduktive Häufigkeit durch eine Zählung der nicht brütenden Entenmännchen (Erpel) festmachen. So schätzt die VSG bei der Stock-, Schnatter-, Tafel- und Reiherente insgesamt 20 Erpel.

Der Höckerschwan habe im vergangenen Jahr schlechte Erfahrungen mit dem Brüten auf der Möweninsel gemacht: Mindestens einen seiner Jungvögel habe er durch einen Seeadler verloren. Dieses Jahr sei das Schwanenpaar nicht wiedergekommen.

Der besondere Naturschutzwert der Möweninsel liege auch im Bruterfolg einiger binnenländischer geflügelter Watvogelarten. Dazu gehörten in diesem Jahr wieder zwei Brutpaare des Kiebitz’ sowie ein Brutpaar des Austernfischers.

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