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Flüchtlinge in Lütjenburg : Ehemalige Schill-Kaserne wird Erstaufnahme

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im ehemaligen Lütjenburger Bundeswehr-Standort wird eine vorübergehende Erstaufnahmestelle eingerichtet.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 19:46 Uhr

Lütjenburg | Die ehemalige Schill-Kaserne in Lütjenburg (Kreis Plön) wird eine vorübergehende Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Spätestens Ende November/Anfang Dezember soll feststehen, wie das Land die noch freien Mannschaftsblocks der ehemaligen Schill-Kaserne in Lütjenburg als Erstaufnahmestelle belegen wird. Das bestätigt die Arbeitsgruppe von Land und Polizei BAO zur Flüchtlingsfrage. Am 12. November sollen die Bürger Lütjenburgs auf einer Einwohnerversammlung über die Flüchtlingsfrage informiert werden. Bis dahin hofft man im Lütjenburger Rathaus auf letzte Klarheit.

Am Vortag war das Aus für die vom Land geplante Erstaufnahmerichtung in Rondeshagen (Kreis Herzogtum Lauenburg) gekommen. Das Amt Berkenthin hatte das vorgesehene Grundstück aufgekauft, um dort selbst Flüchtlinge unterzubringen.

Im Gespräch ist derzeit, bis zu 1000 Flüchtlinge in den acht Blocks unterzubringen. Im ersten Kontingent sollen es 600 sein, die in vier bis fünf Gebäuden Platz finden sollen. Dementsprechend wurde auch Lütjenburg schon informiert. Im ersten Halbjahr 2016 sollen dann die restlichen Gebäude hergerichtet werden, um das Kontingent auf 1000 aufzustocken.

Bereits im September hatte die Stadt dem Land das Angebot gemacht, die acht leeren Mannschaftsunterkünfte zu kaufen und sie dann dem Land zur Verfügung zu stellen. Ein entsprechendes Angebot von Bürgermeister Dirk Sohn wurde allerdings bislang abgelehnt, so das Ministerium von Innenminister Stefan Studt. Doch eine Entscheidung ist in Anbetracht der zunehmenden Flüchtlingszahlen unumgänglich. Schon früh kamen deshalb Pläne auf, in der leeren Kaserne eine Flüchtlingsunterkunft zu errichten. Selbst als die Stadt große Teile der Kaserne für die Konversion öffnete, hieß es noch von Seiten der Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler im Mai, dass man Lütjenburg vorerst aus der Planung genommen habe. Doch seitdem ist die Welle der Anreisenden immer größer geworden.

Bislang sind in Schleswig-Holstein rund 12.000 Flüchtlinge in zwölf Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht.

Völlig überraschend für Lütjenburg kam dann das Angebot eines privaten Investors, die leeren Gebäude für 1,5 Millionen zu kaufen, sie umzubauen und an das Land zu vermieten. Damit hätte der Investor innerhalb von fünf Jahren bis zu 45 Millionen Euro gemacht, rechnete Bürgermeister Dirk Sohn in einer internen Sitzung des Finanzausschusses vor. Da wäre es angebrachter, wenn die Stadt selbst die Gebäude kaufen und das Land sie herrichten würde. Und weil Lütjenburg damit auch die Hoheit über die weitere Planung im Kasernengelände verloren hätte, sollte die Stadt lieber selbst aktiv werden. Deshalb wurde Lütjenburg selbst beim Land vorstellig, letzte Entscheidung (noch) offen.

Als nun sicher gilt aber, dass das Land die Kasernenblocks reaktivieren wird. Ein Verkauf der Gebäude seitens der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Bima ist nach deren Angaben jedenfalls vorerst vom Tisch. Das größte Problem ist, dass die Gebäude vom Versorgungsnetz getrennt wurden, als die Kaserne 2012 aufgegeben wurde. Das heißt, die Gebäude müssen vor einer Nutzung wieder an das Wärme, Strom und Abwassernetz angeschlossen werden. Das wäre wohl innerhalb von einem bis zwei Monaten zu bewerkstelligen, so rechnen Planer des Landes. Ein Sicherheitszaun um das Areal mit einem entsprechend bewachten Eingang wäre das kleinste Problem.

Wenn die Bürger am 12. November über den Sachstand informiert werden und auch selbst Fragen stellen können, wird es vor allem um die Zahl der Flüchtlinge gehen. Rund 1000 Flüchtlinge würden in Lütjenburg 5500 Einwohnern gegenüber stehen. Auch wenn diese Flüchtlinge nicht dauerhaft in Lütjenburg bleiben sollen, bleibt die Frage wer sie betreut. Bürgermeister Sohn selbst wird zitiert, er erwarte vom Land „zügig“ Gelder zu bekommen. Auch das Personal im Rathaus müsste aufgestockt werden. Ziel müsse es sein, die Menschen aufzufangen, wenn sie nach Lütjenburg kommen – auch wenn sie dann wieder verteilt würden.

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