Fall Andrea L. : Ehefrau getötet und vergraben: Lebenslang für Mord in Wulfsdorf

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Der Angeklagte wird von Justizbeamten in den Verhandlungssaal des Landgerichts geführt. Ihm wird vorgeworfen, Weihnachten 2017 seine Ehefrau getötet zu haben.

Der Angeklagte wird von Justizbeamten in den Verhandlungssaal des Landgerichts geführt.

Die Frau wurde im Schlaf erstickt und ihre Leiche im Garten vergraben. Der Ehemann wurde verurteilt.

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26. November 2018, 06:41 Uhr

Wulfsdorf | Wegen Mordes an seiner Ehefrau hat das Landgericht Lübeck einen 40 Jahre alten Mann aus Wulfsdorf im Kreis Ostholstein zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Frau kurz nach Weihnachten 2017 im Schlaf getötet und ihre Leiche im Garten vergraben hat. Er habe frei sein wollen für seine Geliebte und deshalb seine Frau und Mutter des gemeinsamen Sohnes skrupellos entsorgt, sagte der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer am Montag.

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Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Es verzichtete jedoch darauf, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung wegen Totschlags beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Was zuvor geschah:

Die 41 Jahre alte Andrea L. wurde am 29. Dezember 2017 vermisst, weil sie nicht zur Arbeit im Hotel „Seehuus“ in Niendorf erschienen war. Arbeitskollegen kam das komisch vor und sie alamierten daraufhin die Polizei.

Schon Anfang Januar, direkt nach dem Verschwinden von Andrea L., geriet der Ehemann unter dringenden Tatverdacht und saß daraufhin in Untersuchungshaft. Doch er bestritt die Tat. Der Mann hatte eine Geliebte, die aber nichts von dem Mord gewusst haben soll.

Diese habe ihn unter Druck gesetzt, sich von seiner Ehefrau zu trennen, um mit ihm zusammenleben zu können. Seiner Geliebten, die nach dem Verschwinden von Andrea L. in das Haus einzog, habe er nach dem Mord gesagt, seine Frau sei zum Arbeiten in die Schweiz gefahren.

Die Beamten blieben misstrauisch.

Die Suche nach der Vermissten Andrea L.

Die Kripo hatte das Grundstück des Ehepaares nach Verschwinden der Frau untersucht, war aber nicht fündig geworden. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, habe diese keine Spuren von frischen Erdbewegungen entdeckt. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst, sagte dazu: „Möglich ist, dass der starke Regen sie verwischt hat.“ Auch der Leichenspürhund hatte nicht angeschlagen.

Am Dienstag, 16. Januar, hatten 35 Polizeibeamte nach dringendem Tatverdacht das Grundstück nochmal untersucht und gruben im Garten des Ehepaares. Dort fanden sie knapp drei Wochen nach der Tat die Leiche der Frau in einem Beet am Rand des Gartens. Diese war mit Folie verpackt und mit Klebeband luftdicht verschnürt worden. Das erklärt, dass auch der Leichenspürhund im Vorwege nichts gefunden hatte.

<p>Eine Polizeistreife vor dem Haus des Paares in Wulfsdorf. Der Wagen der vermissten Andrea L. steht in der Einfahrt.</p>
Eckard Gehm

Eine Polizeistreife vor dem Haus des Paares in Wulfsdorf. Der Wagen der vermissten Andrea L. steht in der Einfahrt.

 

Der Prozess

Für die Hauptverhandlung hatte die Schwurgerichtskammer elf Termine anberaumt. Der Prozess gegen den 40-Jährigen begann am 7. September 2018. Ihm wird vorgeworfen, seine Ehefrau in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember im Schlaf erstickt zu haben. Für den Mordfall wurden 32 Zeugen und zwei Sachverständige befragt.

Wie der Staatsanwalt Nils-Broder Greve im Prozess darlegte, habe der Mann nicht nur aus niederen Beweggründen gehandelt, sondern die Tat auch sorgfältig geplant. Das zeigt seine Vorgehensweise – er habe einen Tag nach der Tat bereits die Kleidung und die Hygieneartikel der Frau entsorgt.

Deshalb beantragte die Staatsanwaltschaft am Freitag, 16. November, das Festellen einer besonderen Schwere der Schuld. Diese würde eine Entlassung nach 15 Jahren erschweren. Außerdem plädierte Staatsanwalt Greve für eine lebenslange Haft wegen Mordes für den 40 Jahre alten Angeklagten. Auch der Nebenklagevertreter schloss sich diesem Antrag an. Die Verteidigung forderte dagegen eine Verurteilung wegen Totschlags, einen konkreten Antrag zur Haftdauer hatte sie aber nicht gestellt.

Nun wird am Montag ein endgültiges Urteil erwartet.

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