Ostholstein : Dunkle Wolken, düstere Aussichten

Für Wildschweine (Foto) und domestizierte Schweine ist eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest ein Todesurteil, für Menschen ist der Virus harmlos.
Foto:
1 von 2
Für Wildschweine (Foto) und domestizierte Schweine ist eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest ein Todesurteil, für Menschen ist der Virus harmlos.

Eine befürchtete Ankunft der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland dürfte weitreichende Folgen für die Landwirtschaft haben.

von
23. Dezember 2017, 14:22 Uhr

Dunkle Wochen hängen seit Wochen über dem Land – ganz real und auch sprichwörtlich. Düstere Aussichten plagen Jäger und Landwirte, mittelbar werden alle Bürger betroffen sein: „Fachleute sagen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann sie kommt“, sagt Holger Schädlich, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck. Und der neue Kreisvorsitzende, Lutz Schlünzen, ergänzt: „Die meisten Kollegen ahnen noch nicht, was auf uns zukommen könnte.“

Die düsteren Aussichten haben einen Namen: Afrikanische Schweinepest, kurz ASP. Seit knapp einem Jahr häufen sich die Warnungen vor der Ankunft der Tierseuche in Deutschland. Vor einem Jahr war die ASP über Georgien, Russland und Weißrussland bis ins Baltikum und nach Polen gelangt, im Juni nach Tschechien und im September nach Rumänien.

Der ursprünglich von Warzenschweinen stammende Erreger ist extrem überlebensfähig, für Menschen aber harmlos. Der Virus befällt Wildschweine und Hausschweine. Für fast alle Tiere endet eine Infektion binnen zehn Tagen tödlich. Kranke Tiere zeigten aber keine sichtbaren Symptome, weiß Lutz Schlünzen: „Die verkriechen sich nicht, sondern fallen plötzlich um und verenden. Das kann mitten auf der Straße sein.“

Die Übertragung ist nur durch Blut möglich, aber Schweine sind Kannibalen: Sie stecken sich durch den Verzehr infizierten Fleisches an. Eine Verbreitung durch Werkzeuge oder infizierte Transportfahrzeuge wird als möglich erachtet. Es gibt bislang noch keinen Impfstoff und kein Mittel gegen den Virus.

Menschen sind für die rasante Ausbreitung verantwortlich: Ins Baltikum kamen die Erreger durch Armeetransporte, Fernfahrer oder Touristen – auch Jagdtouristen – könnten die APS weiter nach Westen schleppen. Sobald ASP-infiziertes Fleisch – beispielsweise als Abfall einer Grillparty – hinter einen Knick geworfen werde, drohe eine Verbreitung dieser Tierseuche.

Nach einem Ausbruch in Deutschland und spätestens nach einem Übergreifen auf Hausschweine – wie in Polen und im Baltikum geschehen – würden nachhaltigen Handelsrestriktionen eintreten. „Ein Ausbruch würde die Landwirtschaft und die Wildschweinpopulation extrem hart treffen,“ warnt auch der Landwirtschaftsminister in Kiel, Robert Habeck (Grüne).

Vom Virus befallene Bestände müssten getötet werden. Habeck: „Das wirft auch ethisch enorm schwierige Fragen auf: Was ist, wenn der Markt zusammenbricht und es dann keinen Platz mehr für gesunde Tiere gibt, weil sie niemand mehr haben will. Was macht man mit denen?“

Die Preise für Fleisch von Wildschweinen sind bereits auf Talfahrt – und genau zu einem Zeitpunkt, in dem die Populationen der Schwarzkittel als flankierende Abwehrmaßnahme spürbar reduziert werden sollen. Meldungen über ASP machen sich so schon bemerkbar.

„Wir sind auf den Export von Schweinefleisch angewiesen“, betont Holger Schädlich. Sobald ASP in Deutschland auftrete, werde der wichtige Markt China wegbrechen. Vom Preisverfall bis zum Zusammenbruch der deutschen Schweinezucht reichen die bösen Visionen. „Eine Schweinemäster kann seinen Stall ein paar Monate leer stehen lassen und mit gekauften Ferkeln wieder anfangen. Das kann ein Sauenhalter nicht.“

„Ein Verfall der Futtermitelpreise droht ebenfalls“, sagt Lutz Schlünzen. Das sei vielen Kollegen im Ackerbau vermutlich noch nicht bewusst.

Die sind durch ein Jahr mit einer Rekordnässe ohnehin schon gebeutelt. Fehmarn sei noch relativ gut weggekommen, auch die Küstenregion nicht ganz so schlimm. Aber die Betriebe in der Holsteinischen Schweiz habe der Dauerregen stark getroffen, sagt Holger Schädlich. Nach einem sehr trockenen Frühjahr habe es angefangen zu regnen und eigentlich nicht mehr aufgehört, erinnert sich Schlünzen. Schädlich berichtet: „Ein Kollege aus der Nähe von Eutin hat in diesem Jahr 1100 Millimeter Niederschlag gemessen, normal sind 700 bis 750. Und nach seinen Aufzeichnungen war es nie länger als vier Tage trocken.“

Die Konsequenz: Hohe Ausfälle bei Ernten dieses Jahr, hohe Trocknungskosten beim Getreide, und bereits absehbare Ausfälle im nächsten Jahr, weil die nassen Äcker nicht bestellt werden konnten. Schlünzen: „Bei vielen Landwirten liegt das Saatgut für das Wintergetreide noch in der Scheune, und es sieht nicht so aus, als ob es noch ausgebracht werden kann.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen