Aus dem Amtsgericht : Drohung mit dem Fleischerbeil

Ein 38-Jähriger steht vor Gericht, weil er ein Geschäft schlagkräftig erzwingen wollte. Seit gestern muss sich der Pönitzer für seine Tat vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten.

Avatar_shz von
21. Februar 2013, 11:47 Uhr

Eutin | Der Angeklagte ist ein bulliger Typ, aber wenn er in einer Verhandlungspause aufsteht, um draußen eine Zigarette zu rauchen, bewegt sich der 38-Jährige trotz seines kräftigen Körperbaus ziemlich agil. Seit gestern muss sich der Pönitzer wegen Körperverletzung und Bedrohung vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten. Er soll in den Ostertagen des vergangenen Jahres einem potenziellen Geschäftspartner kräftig in die Mangel genommen haben, als der nicht so wollte, wie er sich das vorgestellt hatte.
Streitobjekt sind drei Forellenteiche in Braak, die ein heute 45-jähriger, arbeitsloser Maschinenschlosser damals gepachtet hat. Der Angeklagte will die Teiche übernehmen und trifft sich deshalb mehrmals mit dem Pächter. Unstrittig ist, dass das dritte Treffen in der Wohnung des Angeklagten völlig aus dem Ruder läuft. Darüber, was genau vorfällt, gehen die Darstellungen allerdings weit auseinander.
"Ich hatte das Gefühl, er wollte mir das Genick brechen"
Wie ein Alptraum klingen jedenfalls die Schilderungen des mutmaßlichen Geschädigten, der auch als Nebenkläger auftritt und sich wie der Angeklagte anwaltlich vertreten lässt. Der Angeklagte habe ihn unbedingt dazu bewegen wollen, etwas zu unterschreiben - was genau, sei nicht klar geworden, möglicherweise einen Schuldschein. Doch er habe sich geweigert. "Dann ist er von einer Sekunde auf die andere völlig ausgerastet", schildert der 45-Jährige.
Zunächst habe der Angeklagte eine Kaffeetasse auf dem Tisch zerschmettert und dann eine Zuckerdose nach ihm geworfen. Dann sei er aufgesprungen und auf ihn losgegangen. Mehrmals schlägt der Hausherr auf seinen Gast ein, drückt ihm sein Knie auf den Leib, tritt und würgt ihn, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. "Ich hatte das Gefühl, er wollte mir das Genick brechen", erinnert sich der Zeuge. Später stellen Ärzte mehrere Hämatome am Körper des Mannes fest, der dem Angeklagten körperlich deutlich unterlegen scheint.
Keine Fleischerbeile in der Dusche gelagert
Ein Bekannter des Zeugen, der das Geschehen miterlebt, ist vor Schreck wie gelähmt. "Ich wollte nur weg", berichtet der 62-Jährige. Von der nächsten Szene bekommt er gar nichts mit. Auf dem Weg nach draußen zieht der Angeklagte nach Angaben des Nebenklägers einen Vorhang vor einem Duschkabuff zurück und gibt den Blick auf zwei "50 bis 60 Zentimeter lange Fleischerbeile" frei. Dann droht er: "Glaub mir, da ist nicht nur DNA vom Schweineschlachten dran."
Davon will der Angeklagte nichts wissen: "Lächerlich, ich weiß nicht, wie er darauf kommt", kontert er die Behauptung. Er sei gelernter Fleischer und besitze daher auch Fleischerbeile, aber die habe er nicht in der Dusche gelagert. Für seine Forderung nach einer Unterschrift hat er eine Erklärung. Der Nebenkläger habe von ihm für die Übergabe der Pacht schwarz mehrere 1000 Euro kassieren wollen. Das habe er aber abgelehnt. "Ich war wegen anderen Sachen schon mal in Haft gewesen, und da wollte ich nicht wieder hin."
Im Anschluss einen Versöhnungsschnaps getrunken
Zwar räumt er ein, eine Kaffeetasse in Richtung, aber nicht auf den Nebenkläger geworfen zu haben. Zuvor habe dieser jedoch gepöbelt und ihn als "Hurensohn" beschimpft. Bei der Keilerei sei ihm selbst ein Zahn angeschlagen worden. Im Anschluss an die Auseinandersetzung habe er mit seinem Kontrahenten auf dessen Wunsch sogar noch einen Versöhnungsschnapps getrunken.
Doch mit seiner Darstellung scheint der Angeklagte bei Amtsrichter Otto Witt eher nicht landen zu können. Er hält den Nebenkläger und seinen Bekannten, die von den Geschehnissen immer noch beeindruckt scheinen, offenbar für glaubwürdig. Mehrmals schlägt er dem Verteidiger Hans-Jürgen Clausen vor, noch einmal mit seinem Mandanten zu reden und ihn so zu einem Geständnis zu bewegen. Doch der bleibt stur. Er hofft, dass ihn ein weiterer Zeuge entlasten kann, dessen Wohnsitz das Gericht bislang nicht ermitteln konnte. Es handelt sich um einen Freund des Angeklagten, der bei dem Gewaltausbruch ebenfalls mit am Tisch sitzt.
Die Verhandlung wird am Montag, 4. März, um 8.15 Uhr fortgesetzt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen