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Drogen-Rausch: Aus der Fahrertür gelehnt über die A 1

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 16:14 Uhr

Eine Nachtstreife der besonderen Art erlebten zwei Scharbeutzer Polizisten im vergangenen Sommer auf der A  1. Kurz vor der Abfahrt Ratekau überholte den Streifenwagen ein Citroën, während dessen Fahrer mit dem Oberkörper aus dem geöffneten Fenster hing und wild mit den Armen fuchtelte. Dieser musste sich nun vor Gericht verantworten.

Am Tat-Tag hatte Peter U. laut eigener Aussage seine Hamburger Wohnung verlassen, um mit dem Auto eines Bekannten zu fliehen. Der Angeklagte, beim dem 2011 eine paranoide Schizophrenie festgestellt worden ist, gab auf Nachfrage des Richters Otto Witt zu, an jenem Tag neben seinen Medikamenten Kokain konsumiert zu haben. „Ich hatte das Gefühl, aus Hamburg flüchten zu müssen“, berichtete Peter U. So habe er auch kein Ziel gehabt, sondern „wollte einfach weg“. Während der Fahrt habe er Geister gesehen, die ihn bedrohten, sagte der arbeitslose Tischler. Auf der Autobahn, erinnerte sich Peter U., habe er einen Streifenwagen gesehen. Diesem habe er sich bemerkbar machen wollen, indem er das Warnblinklicht und die Lichthupe betätigte. „Ich habe die Situation für gefährlich gehalten, ich wollte mich stellen“, so die Erklärung von Peter U. „Ich bin vielleicht ein bisschen ungewöhnlich gefahren.“ Peter U. hatte vor zwei Jahren seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer abgegeben.

Die Polizeibeamtin bestätigte im Zeugenstand: „Wir haben im Baustellenbereich im Rückspiegel gesehen, dass sich ein Fahrzeug mit Lichthupe und hoher Geschwindigkeit näherte“, so die Polizistin. „Er überholte uns rechts, dabei lehnte sich der Fahrer aus dem geöffneten Fenster und winkte mit den freien Armen.“ Nach mehrmaligen Aufforderungen durch die Beamten mit Kelle und Leuchtschrift habe der Beschuldigte den Citroën schließlich zwischen Stand- und rechtem Fahrstreifen zum Stehen gebracht. „Mein Kollege hat den Fahrer angewiesen, zurückzusetzen, um ganz auf dem Standstreifen zu halten“, so die Polizistin. „Dann fuhr er rückwärts dem Verkehr entgegen mittig auf die Fahrbahn.“ Ein Unfall sei nur verhindert worden, weil der entgegen kommende Verkehr stark gebremst habe oder in letzter Sekunde ausgewichen sei. Peter U. sei zwischen beiden Fahrstreifen zum Stehen gekommen und mit erhobenen Händen auf die Beamten zugegangen. „Ich hatte den Eindruck, psychisch stimmt da was nicht. Er wirkte aufgebracht, war verschwitzt und ihm lief Blut aus der Nase“, so die Zeugin. Außerdem habe Peter U. Suizidgedanken geäußert, „aber er sagte auch, er wollte niemanden gefährden“.

Otto Witt stellte das Verfahren vorerst ein. Ein psychologisches Gutachten soll nun die Schuldfähigkeit von Peter U. bewerten. Witt betonte, er sehe sich so zu einem Urteil nicht in der Lage: „Ich könnte nicht einmal sagen, ob er die Drogen im vollen Bewusstsein genommen hat.“

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