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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 10:14 Uhr

Neustadt : DRK: „Wir können Katastrophe“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

DRK-Jahresversammlung in Neustadt: Verantwortliche legten Berichte über Einsatzgeschehen zur Versorgung der Flüchtlinge ab

von
erstellt am 09.Nov.2015 | 04:30 Uhr

Die mehrwöchige Sozialbetreuung von knapp 1000 Flüchtlingen in Kiebitzhörn und Putlos hat die ehrenamtlichen Helfer des DRK-Kreisverbandes Ostholstein an die Grenze der Belastung geführt. So ist die Erleichterung des 27-jährigen Studenten und Einsatzleiters in Putlos, Sebastian Petyrek, von der Bereitschaft Göhl auf der Jahresversammlung des DRK-Kreisverbandes am Sonnabend in Neustadt zu spüren. Gemeinsam mit Mohammad Sood, einem unermüdlichen Helfer mit syrischen Wurzeln, berichtete er über die Arbeit.

Das Ehrenamt ist bereits seit 1. Oktober entlastet. Aber das DRK Ostholstein ist trotzdem weiterhin aktiv: mit 32 eingestellten hauptamtlichen Kräften, die sich unter der Leitung von Susanne Neitemeier und Wilderich von Dalwigk, Assistent des Vorstandes, jetzt in Putlos um die Flüchtlinge kümmern.

84 ehrenamtliche Einsatzkräfte hätten in allein in Putlos innerhalb von knapp sechs Wochen 2559 ehrenamtliche Stunden geleistet. Dabei seien 3964 Kilometer zurückgelegt worden. Dankbar zeigte sich Sebastian Petyrek, dass zwölf Arbeitgeber ehrenamtliche DRK-Kräfte für diese Zeit freigestellt hätten. Sie hätten auch fast die Hälfte aller Arbeitsstunden und Einsätze erledigt. Petyrek stolz: „Andere Helfer haben sich Urlaub genommen.“ Parallel habe die Sana-Klinik 850 Menschen geröntgt und eine Isolierstation aufgebaut.

Der Einsatz habe Sebastian Petyrek eines gezeigt: „Wir können deutlich mehr als uns die Theorie zutraut.“ In nur 24 Stunden seien 800 Flüchtlinge aufgenommen worden – ein Spitzenwert im Land. Petyrek und Saud ernteten stehende Ovationen für ihren ehrenamtlichen Einsatz.

DRK-Vorsitzende Henriette Gräfin Platen stellte stolz und dankbar fest: „Das Rote Kreuz kann Hilfe.“ Und sie ergänzte: „Wir können Katastrophe.“ Der Geist sei ansteckend, denn es hätten sich allein aus Ostholstein 150 Freiwillige für das „SH-Team“ gemeldet. Gräfin Platen: „Und wir werden sie noch lange brauchen.“ Eine Herausforderung sei künftig auch die Integration der Flüchtlinge. DRK-Ortsverbände in Stockelsdorf, Pansdorf und Schönwalde seien bereits sehr bemüht. Über die Arbeit mit Flüchtlingen gehe die Arbeit in den 46 Ortsvereinen, dem Jugendrotkreuz und der Ausbildung stets weiter.

DRK-Vorstand Martin Broziat berichtete, das DRK Ostholstein sei jetzt auch im Kreis Plön in der ambulanten Pflege aktiv. Allerdings gebe es Probleme, Pflegefachkräfte zu gewinnen. Broziat sieht darin auch eine Folge des demografischen Wandels. Seine Empfehlung: Das DRK sollte die Gunst der Stunde nutzen und aus den Flüchtlingen den notwendigen Nachwuchs gewinnen.

Noch nie habe eine Lage wie der Flüchtlingsstrom das DRK nach dem Zweiten Weltkrieg so belastet. Broziat verglich die Flüchtlingsströme mit den Völkerwanderungen: „Das sind für uns historische Zeiten.“ Das DRK müsse diese Epoche gestalten und sollte die Flüchtlinge aktiv integrieren: „Über allem steht die Menschlichkeit.“

Der Präsident des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein, Henning Kramer, warf vor etwa 100 Delegierten in der Ameos-Klinik die Frage auf: „Was passiert eigentlich, wenn Schweden die weitere Aufnahme von Flüchtlingen nicht ermöglichen kann?“ Er fürchtete so einen erheblichen Rückstau von Flüchtlingen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit einer neuen Herausforderung für die DRK-Einsatzkräfte: „Das könnte alles übertreffen, was wir bisher erlebt haben.“

Geehrt wurde DRK-Justiziar Hans-Jürgen Clausen von Henning Kramer und Gräfin Platen mit der Verdienstmedaille des DRK-Landesverbandes. Er sei ein unersetzlicher Berater in allen rechtlichen Fragen des Kreisverbandes, lobte Gräfin Platen.

 

Das Geschäftsvolumen des DRK-Kreisverbandes Ostholstein betrug 2015 14,6 Millionen Euro. Es wurde ein Überschuss von 117  000 erwirtschaftet.

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