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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 09:09 Uhr

DRK geizt nicht mit Kündigungen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Jetzt hat es den 61-jährigen DRK-Fahrer Volker Evers aus Eutin „erwischt“. Er beklagt konstruierte Vorwürfe gegen sich und seine Arbeit

Nach dem OHA-Bericht am vergangenen Sonnabend über den Umgang des Ostholsteiner Behindertenfahrdienstes gGmbH des DRK-Kreisverbandes mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Lutz Schernikau aus Neustadt meldete sich in dieser Woche der 61-jährige Rolf Evers aus Eutin in der OHA-Redaktion. Ihn ereilte offenbar ein ähnliches Schicksal. Und am Ende stand auch in seinem Fall eine von DRK-Geschäftsführer Martin Broziat unterzeichnete Kündigung.

Volker Evers hatte es nicht immer leicht in seinem Berufsleben. Der gelernte Tischler ging einmal mit einer Lübecker Tischlerei in die Insolvenz, schulte um und wurde Berufskraftfahrer. Er fuhr mit Reisegruppen durch Deutschland und später tonnenschwere Trucks – bis sein Rücken nicht mehr mitspielte. „Ich wollte aber irgend etwas machen“, beschrieb Evers seine Situation. So sei er auf den Ostholsteiner Behindertenfahrdienst gestoßen.

Zwei Jahre und drei Monate fuhr er Behinderte aus Neustadt, Schashagen und Sierksdorf morgens in die Eutiner Werkstätten in der Siemensstraße und nachmittags wieder zurück. 335 Euro bekam er dafür – wie auch DRK-Fahrer Lutz Schernikau. Und ebenso wie der Neustädter errechnete Volker Evers einen Stundenlohn von teilweise unter 5 Euro, weil die Arbeitszeit offenbar erst ab erster Aufnahme von Fahrgästen beginnt. „Ich musste sogar Wagenpflegemittel und Bürsten für den DRK-Bus selbst kaufen“, sagte Evers. Das sei so erwartet worden.

Der Ärger begann, als Volker Evers im Mai mit einem Kollegen verbal aneinander geriet. Es ging dabei um eine Kritik von Evers an der Einweisung eines neuen Kollegen und eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe. „Der Einweiser drohte mir danach, für meinen Rauswurf zu sorgen“, erinnert sich Volker Evers an einen beginnenden Schriftverkehr. Darin sei auch sein Verhalten gegenüber Fahrgästen gerügt worden. Der Vorwurf vom Leiter des Fahrdienstes, Christian Kraft: „Es soll in jüngerer Vergangenheit einen Vorfall gegeben haben, wo Sie einem weiblichen Fahrgast gegenüber ausfällig geworden sind und die betroffene Person zum Weinen gebracht haben.“

Die Beschwerde eines Fahrgastes lag offensichtlich nicht vor, denn Kraft schreibt weiter: „Sollte es zu einer Beschwerde durch den Gast oder aber Angehörige kommen, wird der Vorfall disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen.“ Evers jedenfalls erinnert sich an keinen Vorfall dieser Art. Er verstehe sich mit allen Fahrgästen gut und zeige Reue, sollte er sich gegenüber einem Fahrgast respektlos verhalten haben.

Das Fass zum Überlaufen brachte beim Ostholsteiner Behindertenfahrdienst offensichtlich ein Vorfall mit einem Mitarbeiter des DRK-Therapiezentrums in Middelburg. Evers und er waren im Straßenverkehr aneinander geraten. Es folgte eine theatralisch aufgesetzte, schriftliche Beschwerde des hauptamtlichen DRK-Mitarbeiters. Die darin erhobenen Vorwürfe – unter anderem wegen zu dichten Auffahrens – sieht Volker Evers ganz anders: „Aber was soll ich machen, wir waren beide allein“, vermutet er einen Komplott und konstruierte Vorwürfe gegen sich.

Das jedenfalls reichte den Verantwortlichen des Ostholsteiner Behindertenfahrdienstes zur Freistellung von der Tätigkeit – ohne Anhörung des Beschuldigten. Evers musste Fahrzeug, Schlüssel und Papier Hals über Kopf abgeben und war von heute auf morgen „freigesetzt“. Es folgte die von DRK-Geschäftsführer Martin Brosiat unterzeichnete Kündigung zum 31. August. Ein von Volker Evers eingeschalteter Anwalt winkte ab: „Im Minijob hat man keine Rechte.“

Evers belässt es dabei, weil er auf die 335 Euro nicht angewiesen ist. Doch er will gelernt haben: „Menschen sind beim DRK offenbar nichts wert.“ Volker Evers berichtet, dass viele Fahrer des Ostholsteiner Behindertenfahrdienstes des DRK-Kreisverbandes Ostholstein mit ihrer Situation mehr als unzufrieden seien. So wie Lutz Schernikau aus Neustadt, der sich nach vielfältiger Resonanz zu seiner Situation nach der OHA-Veröffentlichung von einer Gewerkschaft beraten und einem Anwalt gegen den DRK-Kreisverband Ostholstein vertreten lässt.

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erstellt am 31.Aug.2013 | 00:34 Uhr

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