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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 11:00 Uhr

Drei Buchen sorgen für Unruhe

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gerberhof: Erst zweites Gutachten und eine Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt sollen Klarheit bringen

von
erstellt am 17.Feb.2016 | 21:09 Uhr

Die Planungen für den Gerberhof in Plön kommen einfach nicht voran. Jetzt stehen drei etwa 130 Jahre alte Buchen einem von Investor Carsten Nemitz schon so lange ersehnten Auslegungsbeschluss für das Gebiet im Weg. Ein Gutachter bescheinigte seinem Auftraggeber Nemitz jetzt, dass die drei Bäume vom Riesenporling, einem gefährlichen Wurzelpilz, befallen sind und gefällt werden müssen, weil die Verkehrssicherungspflicht nicht erfüllt wird.

Gut, die drei Bäume waren vermutlich ohnehin nicht die Lieblingsstücke des Investors. Aber: Nemitz und die städtischen Planer hatten bisher stets mit den Bäumen geplant. Doch: Die Abfallwirtschaft, der Rettungsdienst und auch der Brandschutz befanden die geplanten Zuwegungen zum Gebiet Gerberhof für zu eng. „So hätte es keine Baugenehmigungen gegeben“, sagte Bauamtsmitarbeiter Wolfgang Hoyer.

Mit einem von von der Unteren Naturschutzbehörde geforderten und Carsten Nemitz finanzierten öffentlich bestellten, vereidigten Sachverständigen sollten nun zwei neue Möglichkeiten der Zufahrt zum Gerberhof erörtert werden. Bei beiden ging es um die Umfahrung der Buchen. Einer von ihnen hätte einen minimalen Eingriff an einer der drei Buchen erfordert.

Doch zu der Diskussion ist es vor Ort gar nicht erst gekommen. Der Gutachter hatte den breitflächig wachsenden Riesenporling entdeckt, der an allen drei Bäumen von unten die Wurzeln wegfrisst. „Die Bäume haben schweren Schaden genommen und verlieren ihren Halt“, erläuterte die Teamleiterin im Bauamt, Jutta Kricheldorff, den Ausschussmitgliedern. Und ihr Kollege Wolfgang Homeyer ergänzte: „Ich bin froh über einen versierten Gutachter. Hier ist Gefahr im Verzug.“ Selbst wenn nur ein befallener Baum weggenommen werde, verlören die anderen den Halt durch die wegfallende Stützung der zusammengewachsenen Baumkronen. Zudem sei viel Totholz festgestellt worden. „Das ist alles sehr tragisch“, sagte Kricheldorff. Aber die Bäume seien für die Stadt städtebaulich nicht mehr haltbar. Deshalb seien sie in den neuen Plänen, die der zerknirschte Ausschuss erst am Tag seiner Sitzung bekam, auch gar nicht mehr enthalten.

Der Eigentümer des Gerberhofes, Investor Carsten Nemitz, steht allerdings in der Pflicht der Verkehrssicherung. Deshalb hat er nach Bekanntwerden des Gutachtens und laut Baumschutzsatzung sofort am vergangenen Montag (15. Februar) einen Antrag auf Fällung der Bäume an die Stadt gestellt. Der liegt jetzt bei der Stadt. Und so lange die Stadt diesen Antrag nicht bescheidet ist sie in der Verkehrssicherungspflicht. Und das kann teuer werden.

Für Verzögerung sorgte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Er forderte am Mittwochabend einstimmig ein zweites Gutachten. „Das vorliegende Gutachten ist vom Investor selbst in Auftrag gegeben worden“, gab Dr. Detlef Erdtmann (FWG-Plön) zu Protokoll. Nemitz habe Interesse an der Gestaltung der Fläche. Ein zweites Gutachten sei auch bei Gericht völlig normal, sagte der Plöner Rechtsanwalt. Achim Kuhnt, Umweltbeauftragter der Stadt Plön, zweifelte das vorliegende Gutachten nicht an, wollte aber auch gern eine zweite Meinung einholen.

Bernd Möller (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, sieht „für die Bäume keine Chance“. Er glaube dem Gutachten und zweifele es nicht an. „Wir stehen aber in der Öffentlichkeit besser da, wenn wir ein zweites Bild haben.“ Es könnte nämlich schnell Vorurteile geben.

Leichte Irritationen gab es in der Diskussion um die Beteiligung des Ausschusses und des Umweltbeauftragten an der Begutachtung der drei Buchen. Achim Kuhnt bezeichnete das Vorgehen der Stadtverwaltung als „ungeheuerlich“. Das Bauamt sei für die Fällung von Bäumen nicht zuständig. Mit ihm sei auch nicht darüber gesprochen worden: „Das ärgert mich maßlos.“

Jutta Kricheldorff beschwichtigte: „Das ist nicht gut gelaufen.“ So eine Situation vor Ort habe sie in 20 Jahren Tätigkeit noch nicht erfahren. Es sollte um eine Lösung mit dem Baumbestand gehen und der Gutachter empfahl eine Fällung der Bäume „so schnell, wie nur möglich“.

Jetzt trifft sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am 2. März zu einer Sondersitzung. Dort soll bei Vorlage des zweiten Gutachtens endgültig über die Zukunft der drei Buchen gesprochen werden.

 

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