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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 13:09 Uhr

Dr. Peter Neve †

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Am 25. Januar ist in Malente Dr.- Ing. Dr. hc. Peter Neve im Alter von 84 Jahren verstorben. Als Archäologe und langjähriger Ausgrabungsleiter der Hethiter-Hauptstadt Hattusa in der heutigen Türkei hat er sich in der Fachwelt hohe Anerkennung erworben.

Peter Neve wurde am 3. April 1929 als jüngstes Kind des Kaufmanns Hugo Neve und seiner Frau Elsbeth in Malente geboren. Nach Abitur und Zimmermannslehre studierte er von 1951 bis 1957 an der Technischen Hochschule Hannover Architektur. Schon als 25-jähriger Student beteiligte er sich an den Ausgrabungen der alten Hethiter-Hauptstadt im zentralanatolischen Hochland, einer der größten antiken Stadtanlagen der Welt. Die zu Tage geförderten Zeugnisse dieser einstigen Kultur begeisterten den jungen Neve so sehr, dass Hattusa zu seiner Lebensaufgabe werden sollte. Nach seinem Studium wurde er Mitarbeiter des damaligen Grabungsleiters Kurt Bittel. Als dieser zum Präsidenten des Deutschen Archäologischen Instituts berufen wurde, übernahm Neve 1963 die örtliche Leitung der Ausgrabungsstätte. 1969 promovierte er an der Technischen Universität Berlin mit einer Arbeit über seine Forschung. Seit 1978 – bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1993 – oblag ihm als Nachfolger Bittels die Gesamtleitung des Grabungsprojektes Hattusa. Von 1974 bis 1993 leitete Neve auch die Außenstelle Ankara der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts.

Neve gelangte zu für die Hethiterforschung zum Teil sensationellen Forschungsergebnissen. So wurde das ausgedehnte Stadtgebiet des alten Hattusa mit dem benachbarten Ort Bogazkale zu seiner zweiten Heimat. Dank guter Sprachkenntnisse und seines fröhlichen, dünkellosen Auftretens wuchsen schnell Kontakte zu der Bevölkerung. Die Bewohner Bogazkales, von denen zahlreiche als Grabungsarbeiter für Neve tätig waren, wuchsen ihm ans Herz. Schnell erkannte und förderte er die persönlichen Fähigkeiten seiner Arbeiter und bildete viele zu Fachkräften aus.

Um der Nachwelt einen Eindruck vom früheren Aussehen der heute baumarmen durch Weidenutzung geprägten Landschaft zu vermitteln, ließ Neve in den 80er Jahren auf eigene Kosten ein Gebiet einzäunen, um es vor Verbiss durch Schafe und Ziegen zu schützen. Heute ist dort ein stattlicher Wald herangewachsen, in der örtlichen Bevölkerung „Nifi Ormani“ – „Neve-Wald“ – genannt.

Indem er die freigelegten Bauteile unermüdlich und konsequent konservieren und restaurieren ließ, verwandelte Neve die Ausgrabungsstätte Hattusa in ein archäologisches Freilichtmuseum. Dass diese antike Stadtanlage 1986 in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen wurde, ist den Leistungen Peter Neves zu verdanken. Für seine Verdienste um die archäologische Erforschung Anatoliens verlieh ihm die Bosphorus University in Istanbul 1989 die Ehrendoktorwürde. Der Bundespräsident zeichnete ihn anlässlich seiner Pensionierung mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus.

Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen zeugen von seinen Forschungsergebnissen. In seinem auch für die breite Öffentlichkeit gedachten und mit beeindruckendem Bildmaterial ausgestatteten Buch „Hattusa – Stadt der Götter und Tempel. Neue Ausgrabungen in der Hauptstadt der Hethiter“ erzählt Neve von der Kultur der alten Hethiter. Noch kurz vor seinem Tod hat er ein weiteres Buch fertiggestellt und zum Druck eingereicht. msw

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erstellt am 13.Feb.2014 | 10:50 Uhr

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