Dr. Henning Höppner geht von Bord

Jetzt sollen Jüngere ran: Dr. Henning Höppner tritt bei den Kommunalwahlen nicht mehr für ein Mandat in der Plöner Ratsversammlung an.
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Jetzt sollen Jüngere ran: Dr. Henning Höppner tritt bei den Kommunalwahlen nicht mehr für ein Mandat in der Plöner Ratsversammlung an.

SPD-Ratsherr und ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter will vor allem jüngeren Menschen in der Kommunalpolitik Platz machen

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12. März 2018, 12:10 Uhr

Als 1965 in Westerland auf Sylt alte Häuser abgerissen wurden, um Apartment-Hochhäuser zu bauen, trat Dr. Henning Höppner den Jungsozialisten (Jusos) bei. „In die SPD konnte man erst mit 18 Jahren“, sagt der Plöner rückblickend auf seine lange politische Karriere, die er in diesem Jahr beenden will. Zu den Kommunalwahlen im Mai tritt der Ratsherr nicht mehr an. „Wir haben jetzt junge Leute gefunden und machen Plätze frei“, begründet der 68-Jährige seine Entscheidung.

„Wer erneuern will, muss zur Parteitradition stehen und die Alten mitnehmen“, ist er überzeugt. Im Ortsverein seien zwölf Jusos und 80 Ältere, erklärt Höppner, der ab 2008 in der Plöner Ratsversammlung im Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten und im Hauptausschuss wirkte und seit 2013 als stellvertretender Bürgermeister und im Stadtentwicklungsausschuss.

Politisch beschäftigen ihn heute Themen wie die „viel zu großen Unterschiede in der Lohnentwicklung“. Es dürfe so nicht weitergehen mit der Rentenentwicklung: „Das Thema Rente wird uns irgendwann einholen. Es steht der Mietpreisentwicklung entgegen.“ Die SPD müsse sich dafür einsetzen, dass Kosten dort, wo Kinder aufwachsen, im Wesentlichen vom Staat getragen werden.

Geboren in Süderlügum, wuchs Höppner in Westerland auf, wohin sein Vater als Berufsschullehrer von Niebüll versetzt worden war. 1967 kam er zur SPD, leistete ab 1968 Wehrdienst in Eutin und Flensburg, studierte ab 1970 Informationsdesign an der Muthesius-Kunsthochschule Kiel, danach Kunstgeschichte, Pädagogik und Volkskunde bis 1982 an der CAU, promovierte über die Baugeschichte der Lübecker Jakobikirche. Schon in seiner Eutiner Zeit als Soldat habe er Plön kennengelernt, um privat in Eutin nicht auf Vorgesetzte zu treffen, erinnert sich der zweifache Vater mit einem Schmunzeln an den „Club Bella Vista“ (heute Schloss-Apotheke).

„Der Plöner Markt war asphaltiert, es gab zwei Imbissbuden und ein U-Bahnstation genanntes, unterirdisches Klo, und man fuhr noch durch die Lange Straße.“ Da die Umgehung so früh entstanden sei habe man damals die Chance verpasst, außen herum über die Wiesen zu fahren. Niemand habe mit der Verkehrsdichte gerechnet.

In Plön begann Höppner 1983 als Leiter der Kreisvolkshochschule (KVHS) Plön, war ab 1988 Kreisdenkmalpfleger, ab 1990 Amtsleiter Schule und Kultur des Kreises Plön und ab 1998 Fachbereichsleiter. Und ebenso bunt liest sich seine politische Vita: Am 22. November 1998 unterlag er bei den Plöner Bürgermeisterwahlen mit 42,8 Prozent der Stimmen Ulf Demmin (57,2), gehörte ab 1999 dem SPD-Kreisvorstand an, warf 2005 bei Landratswahlen seinen Hut in den Ring und scheiterte in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Dr. Volkram Gebel. Ab 2000 hatte Höppner da schon sein Landtagsmandat, das er bis 2012 behielt, war schulpolitischer Sprecher der Fraktion.

2017 gab er nach sechs Jahren den Vorsitz des SPD-Ortsvereins Plön-Bösdorf in jüngere Hände ab. „1998 wurde ich gefragt, ob ich Bürgermeister werden möchte, Ulf Demmin und ich liefen zusammen durch die Stadt und warben, wir waren mit die ersten landesweit in einer Direktwahl. 1999 hieß es: Das hast Du ja ganz gut gemacht, wir suchen noch jemanden für den Landtag“, blickt Höppner zurück.

Neben der Politik bestimm(t)en Hobbys, allen voran die Erforschung der Geschichte von Stadt, Region und Land, und Ehrenämter seinen Weg. Schon 1979 gab er Seminare in Kunstgeschichte im Alten Pastorat Plön, arbeitete zwei Jahre im Kieler-Woche-Büro mit, hatte von 1985 bis 1994 einen Lehrauftrag am Kunsthistorischen Institut Kiel.

Nach Vorträgen an der Plöner VHS folgte der erste öffentliche Vortrag in der Johanniskirche zum Thema „300 Jahre Plöner Neustadt“. Höppner war im Vorstand der AG Heimatkunde und ist noch im Beirat, war 22 Jahre Ausschussvorsitzender für Kultur, Landschaften und Denkmalpflege des SHHB, schrieb 1986 mit dem Lehrerehepaar Irmtraut und Herbert Engling das Buch „1000 Jahre Plön – 750 Jahre Stadt“. Er war bis 2015 Vorsitzender des Kulturforums Schwimmhalle Schloss Plön, ist Mitglied im Landesdenkmalrat, Vorsitzender des Vereins Jörg-Steinbach-Preis, Schatzmeister im Förderverein Kreismusikschule und im Kuratorium zur Zukunft von Schloss Bredeneek, schrieb Aufsätze, zeichnete 64 genehmigte Wappen landesweit, ist Kirchenbauhistoriker und Spezialist für 3-D-Darstellungen in der Architektur, baute schon als Jugendlicher Bühnenbilder für die Theater-AG seiner Schule auf Sylt, restauriert privat gern Möbel.

Als Nächstes würde Höppner gern ein kirchenbauliches Thema bearbeiten oder die Verbindung der Städte Göteborg und Plön untersuchen. Vielleicht fällt ihm aber noch etwas anderes ein.

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