... dort, wo es rauscht und klappert?

Der Braaker Mühlenteich ist stark verlandet
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Der Braaker Mühlenteich ist stark verlandet

Weder vom Dorf Braak noch von einer Mühle ist auf den ersten Metern des Braaker Mühlenwegs etwas zu sehen – doch dann gibt er Zugang zu einer besonderen Geschichte.

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27. Juli 2015, 12:24 Uhr

Der Braaker Mühlenweg kann, wenn man seinen Namen ernst nimmt, zu einiger Verwirrung führen. Er zweigt am Ende der südlich aus Eutin herausführenden Wilhelm-Wisser-Straße nach links ab, führt durch ein Wohngebiet mit Ein- bis Zweifamilienhäusern und endet nach ungefähr 650 Metern am Meinsdorfer Weg. Weder von dem Dorf Braak noch von einer Mühle ist zwischendurch etwas zu sehen.

Wenn man aber – ungefähr auf halber Stecke – in die Straße „Am Papenmoor“ einbiegt und den Weg zur Brücke über die Bundesstraße 76 findet, dann steht man schon auf dem „Alten Braaker Mühlenweg“.

Zu Fuß, oder mit ein wenig Mut auch mit dem Fahrrad, erreicht man auf schmalem, von Feldern umsäumtem Weg den Ort Braak, der zur Gemeinde Bosau gehört. Kurz vor dem Ort befindet sich die Braaker Mühle, die sich in Privatbesitz befindet. Dort bot sich 1527 der perfekte Platz für den Bau einer Wassermühle. Der Zusammenfluss des Neudorfer Grabens mit der Schwartau brachte die Wasserkraft zum Betrieb des Mühlrades.

Wenn man sich heute die sanft plätschernden Bächlein anschaut, mag man nicht glauben, dass es funktioniert hat. Herr Koerth, der heutige Besitzer, versichert: „Zu manchen Zeiten führen diese Bäche reichlich Wasser.“ Und er weiß, dass der Mühlenteich einmal sehr viel größer war. Der Boden ist dementsprechend feucht und sumpfig. Heutzutage präsentiert sich der arg zusammengeschrumpfte Mühlenteich als besonders idyllischer Ort. Ein Teil der Mühlengebäude steht noch neben dem ehemaligen Abfluss des Mühlenteiches, das Mahlwerk allerdings gibt es nicht mehr. Aus dem Rauschen wurde ein Plätschern und mit dem Klappern ist es auch vorbei. Man braucht ein wenig Fantasie, um sich vorzustellen wie die Menschen hier vor Jahrhunderten lebten und arbeiteten.

Ganz in der Nähe der Braaker Mühle gibt es die Reste einer alten Turmhügelburg und auch die Fundstätte der „Braaker Götterfiguren“ ist nicht weit entfernt. Sie sind etwa 2500 Jahre alt und wurden aus Astgabeln von Eichen gemacht. Die Figuren sind im Bestand des Landesmuseums Schloss Gottorf. Frau Tausch-Koehrt, die schon die Wächterfigur der Hutzfelder Schule schuf, würde sie gern nachbilden und ihrem über das Mühlengelände verteilten Skulpturenpark hinzufügen.

1833 bekam Braak auch eine Windmühle, ganz in der Nähe der Wassermühle. Sie wurde 70 Jahre später wieder abgerissen. Windmühlen gibt es in Schleswig-Holstein seit dem 13. Jahrhundert. Anfangs waren es Bockwindmühlen, bei denen das gesamte Mühlengehäuse auf dem Bock gedreht wurde, um die Flügel zum Wind zu richten. Später wurden die Kappen- oder Holländerwindmühlen eingeführt. Bei ihnen musste nur die Kappe gedreht werden, in der sich die Aufhängung der Flügel befand. Die Braaker Windmühle war ein Holländer.

Zur alten Braaker Mühle mussten die Bewohner ihr Getreide bringen, wenn sie in den umliegenden Dörfern, wie zum Beispiel Braak, Neudorf oder Bockholt lebten, denn es galt bis 1852 der sogenannte „Mühlenzwang“. Man konnte sich seinen Müller also nicht einfach aussuchen.

Wegen des Mühlenzwangs hatte der Müller ein recht geregeltes Einkommen. Er bekam von jedem Mahlvorgang seinen Teil, meistens ein Sechzehntel, ab. Allerdings musste er für den Betrieb der Mühle eine Pacht, das sogenannte „Windgeld“, zahlen. Das Recht, eine Mühle zu betreiben, lag nämlich bei den jeweiligen Landesherren. Ihnen gehörte neben dem Wasser der Seen und Flüsse auch der Wind, der über ihr Land wehte. Oft war der Müller nebenbei auch Bierbrauer oder Landwirt und besaß im Dorf einen gewissen Rang.

Mühlen, egal ob durch Wasser oder Wind angetrieben, waren eine sehr wichtige und wertvolle technische Errungenschaft. Wenn sie nicht mehr benötigt wurden, verkaufte man sie, trug sie ab und baute sie andernorts wieder auf. Durch die Industrialisierung mit neuer Energieerzeugung durch Dampfmaschinen, Diesel- und Elektromotoren verloren die Mühlen aber ab dem 20. Jahrhundert sehr schnell ihre ursprüngliche Bedeutung. Es begann das „Mühlensterben“.

Ein alter Müllerspruch zeigt, dass eine Welt ohne Mühlen lange Zeit kaum vorstellbar war: „Solange Welten stehen, solange Menschen sind, werden Mühlenräder gehen, durch Wasser, Dampf und Wind. Glück zu!“



Quellen: Jahrbücher für Heimatkunde (Eutin), Wikipedia, Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten, W. Heesch, Gespräch Koerth/Tausch-Koerth

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