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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 00:07 Uhr

Malkwitz : Dorfteich: Einleitung wahrscheinlich

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Diplom-Biologe und Fischereiberater des Landessportfischerverbandes Martin Purps untersuchte den Malkwitzer Dorfteich

von
erstellt am 30.Aug.2015 | 04:30 Uhr

Blaualgen haben sich im Wasser des Malkwitzer Dorfteiches massenhaft breit gemacht. Das bestätigte Martin Purps. Der 54-jährige Diplom-Biologe ist Fischereiberater des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein. Er nahm gestern den Malkwitzer Dorfteich etwas genauer unter die Lupe. Gehören solche Gewässer zwar nicht zu den von ihm sonst betrachteten „Wasserkörpern“, so ist der Dorfteich dadurch interessant, dass er gelegentlich mit einem „Wasserkörper“ in Kontakt kommt.

Blaualgen sind ein Indiz für einen zu hohen Nährstoffgehalt im Wasser. Nährstoffeinträge könnten von den umliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen, dem aus Malkwitz eingeleiteten Oberflächenabfluss der Grundstücke und Straßen oder bisher unentdeckten „Abwasserquellen“ in den Dorfteich gelangen, beschreibt Purps. „Die Photosynthese der Algen kann am Tag bei Sonneneinstrahlung sogar für eine Übersättigung mit Sauerstoff im Dorfteich führen“, erklärte der Biologe. Dieser Sauerstoff werde jedoch nachts im Gewässer ohne Photosynthese, durch den Stoffwechsel der Algen und Bakterien, wieder fast vollständig verbraucht.

Sterben die Algen später ab, sinken sie auf den Grund und ihre Zersetzung durch Bakterien sorgt tagelang für fatalen Sauerstoffmangel. Die Fische kamen vor zwei Wochen – wie ein Anwohner des Voßbergs gestern vor Ort berichtete – zum Luftschnappen an die Wasseroberfläche. Tage später allerdings seien viele Fische tot auf der Wasseroberfläche des Dorfteiches gesichtet worden.

Martin Purps ging es bei seinen gestrigen Untersuchungen deshalb zunächst um Sauerstoff, Leitfähigkeit und den pH-Wert des Wassers. „Die gerade im Uferbereich tagsüber gemessenen Werte sind keine Katastrophe und werden von den standorttypischen Teichfischen problemlos toleriert“, so Purps. Mit Stirnrunzeln allerdings betrachtete er ein grünes Abflussrohr, das am Voßberg unterhalb des Schweizer Hauses an einer Bank in den See mündete – kommen von dort Nährstoffeinträge in den See?

Bei genauerer Betrachtung stellte der Diplom-Biologe augenscheinlich Bakterien und Algen direkt am Rohr und in seinem Umfeld fest: „Das sieht aus wie Abwasserpilze.“ Die blauen Ablagerungen an Steinen und am Ufer durch den sinkenden Wasserspiegel habe er in der Menge und intensiven Färbung allerdings noch nicht gesehen. Der Rückschluss auf die blauen Algen liegt nahe, aber es könnten auch Rückstände aus Abwässern sein.

Um den Nährstoffgehalt zu überprüfen, werden üblicherweise im Wasser gelöstes Phosphat und verschiedene Stickstoffverbindungen bestimmt. Beim Gesamtphosphor wurde mit fast 0,5 mg/l ein für stehende Gewässer sehr hoher Wert gemessen. Noch deutlicher auf eine Einleitung zeigte allerdings der Chemische Sauerstoffbedarf (CSB) der mit 125 mg/l deutlich über den Werten liegt, die Kläranlagen in ein Gewässer abgeben dürfen.

Die Praxis, das Wasser des Dorfteiches ab einem gewissen Wasserstand unbehandelt in die Malkwitzer Au zu pumpen, hält der Fischereibiologe Martin Purps deshalb für keine gute Idee: „Das hat negative Auswirkungen auf die dortige Gewässergüte und würde den ökologischen Zustand verschlechtern, so eine Verschlechterung ist heutzutage durch EU-Richtlinien verboten.“ Die Malenter Au und die Malkwitzer Au werden als ein ebenso hochwertiges wie sensibles Gewässersystem für Forellen im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie entwickelt. Martin Purps: „Vorhandene Kiesbetten als Lebensraum für Wirbellose Tiere und Laichhabitat für Fische werden durch die eingeleiteten Substanzen aus dem Teich verstopft, bedeckt und vergiftet“. Es können sich durch die Einleitungen aus dem Malkwitzer Dorfteich im Auen-System auch Algen und höhere Wasserpflanzen entwickeln, die dort so nicht hingehören. Sie würden den bisherigen Bemühungen der Angler und Fischer um eine gesunde Fischfauna entgegenwirken und schlimmstenfalls durch sauerstoffarmes und verschmutztes Wasser die anspruchsvollen Forellen gefährden.

Martin Purps hat augenzwinkernd eine Idee für den Malkwitzer See, die aus dem fernen Asien stammt: man könnte eine Kombination aus Silber-, Marmor- oder Graskarpfen in den von natürlichen Zu- und Abflüssen freien Dorfteich einsetzen. Die sogenannten Grasfische ernähren sich von den übermäßig gedüngten Algen und Pflanzen und würden zumindest im Sommer damit gut wachsen. Dass das keine gute Idee in unseren heimischen Gewässern ist, sagt schon
das Bundesnaturschutzgesetz mit seinem Verbot, alle drei Fremdfischarten in der Natur auszusetzen. Darüber hinaus verstärken Graskarpfen auch den Effekt einer Überdüngung, da sie einen großen Teil des zerkleinerten Pflanzenmaterials unverdaut wieder ausscheiden und die daraus freigesetzten Nährstoffe für die Algen wieder zur Verfügung stellen, zum Schaden der höheren Wasserpflanzen, des Dorfteichs und letztlich auch der Angler. Mit den bei uns in Dorfteichen üblichen Karpfen, Schleien und Karauschen kann sich die Dorfjugend viel besser für den Dorfteich ausgiebig dem Angeln widmen.  

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