Nach Badeunfall am Sehlendorfer Strand : DLRG-Lebensretter hatten Wachdienst abgesagt

Der Strand war zum Zeitpunkt des Unglücks unbewacht.
Der Strand war zum Zeitpunkt des Unglücks unbewacht.

Die DLRG bedauert den tragischen Unfall in der Hohwachter Bucht. Am Freitag ist ein Trauergottesdienst für die Toten geplant.

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11. Juli 2014, 12:31 Uhr

Blekendorf | Am Sehlendorfer Strand in der Hohwachter Bucht wehen die Fahnen auf Halbmast. Nach dem Badeunfall in der Ostsee mit zwei Toten ist die Trauer groß – und viele Fragen sind noch offen.

Warum war bei dem starken Wind und Wellengang die rote Fahne für das Badeverbot nicht gehisst? Warum war der Turm der DLRG-Retter nicht besetzt?

Gestern reiste der Präsident der Deutschen-Lebensrettungsgesellschaft an den Sehlendorfer Strand. Hans-Hubert Hartje sagte: „Es hat eine Verkettung von sehr unglücklichen Umständen gegeben, wir sind tief betroffen.“ Eigentlich hätte der DLRG-Turm mit dem Ferienbeginn von Nordrhein-Westfalen in dieser Woche bereits besetzt sein sollen. „Aus beruflichen Gründen mussten die Rettungsschwimmer jedoch absagen.“ Zudem habe der Wetterbericht den starken Nordostwind nicht vorhergesagt. „Sonst hätten wir reagiert und Kräfte aus einer anderen Gemeinde abgezogen.“

Überall an der Ostseeküste hatten die DLRG-Ehrenamtler am Unglückstag erst die gelbe Fahne (Baden gefährlich), später die rote Flagge (Badeverbot) gehisst. Doch weil die Station am Sehlendorfer Strand nicht besetzt war, zog vor dem Unglück auch niemand eine Flagge auf. „Wir werden es künftig so handhaben, dass Nachbarwachen das veranlassen“, erklärte der DLRG-Präsident.

Für den Sehlendorfer Strand sind seit gestern vorerst Rettungsschwimmer aus dem nahen Hohwacht eingeteilt. Heute soll es in der Gemeindekirche einen Gedenkgottesdienst für die Toten geben. Ums Leben kam ein 60 Jahre alter Mann aus Lütjenburg, der sich entkräftet an eine Boje geklammert und die Hilfsaktion ausgelöst hatte. Der verstorbene Retter ist Polizist Stefan P. (49) aus Dannau (Kreis Plön). Der ehemalige SEK-Beamte war zuletzt bei der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung in Eutin tätig. Auch dort herrscht tiefe Trauer und Bestürzung: Stefan P. war alleinerziehender Vater und hinterlässt zwei Kinder.

Die Polizei hat gestern die Befragung von Zeugen fortgesetzt, um zu klären, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Staatsanwaltschaft Kiel leitete Verfahren ein, um die genauen Todesursachen zu ermitteln.

Nach Angaben einer Urlauberin, die das Unglück miterlebte, war am Strand zunächst nur ein Rettungsring am DLRG-Turm zugänglich. Auch die Feuerwehr konnte nicht helfen. Der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Blekendorf, Andreas Köpke (CDU), bestätigt, dass die Wehr nicht über ein eigenes Boot verfügt. Derzeit berate man mit Rettungskräften der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und der Freiwilligen Feuerwehr, wie man den Schutz der Badegäste verbessern könne. „Was wir tun können, tun wir“, sagte er.

Die Gemeinde hat einen Vertrag mit der DLRG vom 15. Mai bis zum 7. September. „Oft aber fehlen Freiwillige“, so Köpke. „Die Lebensretter sind ja Ehrenamtler, die bei der Wahl ihres Einsatzortes Strandbäder wie etwa Grömitz vorziehen, weil da abends noch was los ist.“

Einen Rettermangel gebe es nicht, betont der DLRG-Präsident. Aber die dicht gedrängten Ferienzeiten machten es schwer, immer alle Wachen vom Anfang bis zum Ende der Saison zu besetzen. „Schüler oder Angestellte von Firmen, die ihre Betriebsferien in die Sommerferien legen, stehen uns als Lebensretter ja nur in dieser Zeit zur Verfügung.“

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