Wie kann die Stadt attraktiver werden, damit die Kaufkraft auch in die Innenstadt gelockt wird? Antwort auf diese Fragen erhoffen sich die Gewerbetreibenden.
Wie kann die Stadt attraktiver werden, damit die Kaufkraft auch in die Innenstadt gelockt wird? Antwort auf diese Fragen erhoffen sich die Gewerbetreibenden.

Eutin : Diskussion um Einzelhandelskonzept

Nur vier Kaufleute besuchten den Ausschuss Für Stadtentwicklung. Lübecker Beratungsunternehmen Cima bekommt Auftrag zur Fortschreibung und Analyse.

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26. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Das Thema Einzelhandelskonzept sorgt unter Eutiner Gewerbetreibenden weiterhin für Diskussionen auf der Straße – und in den Ausschüssen. Doch an letzteren beteiligen sich nicht mal eine Hand voll, wie im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss zu sehen war. Politik und Verwaltung diskutierten am Donnerstagabend über die Fortschreibung des 2013 einmal begonnenen Einzelhandelskonzepts und welche Aufgabenbeschreibung in der neuen Vergabe geregelt sein sollen.

„Was hat sich wie in den vergangenen fünf Jahren getan, das müssen wir unbedingt auch wissen“, sagte Monika Obieray (Grüne). Finn Pitzner, Eutiner Unternehmer seit Jahrzehnten, hatte sich zuvor mehrfach aus dem Publikum zu Wort gemeldet und vermisste eine Beurteilung der vergangenen fünf Jahre: „Man muss doch wissen, was es einem gebracht hat, bevor man weiß, ob man das weiterhin will.“ Im Laufe der Diskussion appellierte Pitzner an die Stadtvertreter, eine Möglichkeit zu finden, die Stadt wieder attraktiv zu machen und nicht „par ordre de mufti eine Sortimentsliste festzuschreiben, damit erreichen wir gar nichts.“ Karlheinz Jepp (SPD) stellte darauf die Gegenfrage: „Was wäre denn passiert, wenn wir es nicht gehabt hätten?“ Die Antwort: „weiß ich nicht.“

Bauamtsleiter Henning Schröter merkte mehrfach an, dass es einer Erhebung der Daten bedürfe, da sonst gar nichts gemacht oder herausgefunden werden könne. Die Frage nach dem Ob stellte sich beim Tagesordnungspunkt der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes nicht für die Ausschussmitglieder, sondern die Frage nach dem Wie. Um größtmögliche Transparenz zu haben, schickte die Verwaltung die Ausschreibungsunterlagen mit Bitte um Anmerkungen an die Gewerbetreibenden der Stadt. Birgit Boock vom gleichnamigen Landhandel hatte vor etwa einem Jahr die mangelnde Möglichkeit der Teilnahme, des Mitarbeitens am Konzept stellvertretend für die Kaufleute aus dem Gewerbegebiet in Ausschusssitzungen kritisiert. Dass sie nun die Einzige war, die Anmerkungen an die Stadtverwaltung zurückgeschickt hatte, überraschte sie als Nachricht vom Bauamtsleiter in der Sitzung sichtlich. Gerade einmal vier Kaufleute waren Donnerstagabend überhaupt gekommen, davon kein einziger aus der Innenstadt. Die Eutiner Kaufmannschaft ist in diesem Thema gespalten – die Kritik der Kaufleute aus der Peripherie lautet, das Einzelhandelskonzept diene nur der Stärkung der Innenstadt, die Kaufleute aus dem Zentrum sehen das immer größer werdende Gewerbegebiet mit Discountern und Geschäften dagegen als Bedrohung von der grünen Wiese.

Der Stadtentwicklungsausschuss beschloss in nicht-öffentlicher Sitzung eine Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes – mit Analyse der Vorjahre sowie einer direkten Beteiligung der Kaufmannschaft. Den Auftrag erhielt das Unternehmen Cima. Die Lübecker Berater haben für das Einzelhandelsforum in der Wirtschaftsregion Lübeck, zu der Eutin seit diesem Jahr gehört, bereits die Einzelhandelsanalyse einschließlich einer Bestandserhebung erarbeitet.

Cima: „Eutin steht noch gut da“

Die Stadt Eutin ist seit Anfang des Jahres dem Einzelhandelsforum für die Wirtschaftsregion Lübeck beigetreten (wir berichteten). Julia Lemke, die gemeinsam mit einem Kollegen der Cima, die erste Analyse der Einzelhandelssituation im April in Eutin gemacht hatte, stellte die Ergebnisse im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss vor.

Die Experten der Cima kommen auf der etwa fünfseitigen Analyse für die Stadt  zu dem Schluss, dass „die Einzelhandelssituation in der Stadt Eutin als überdurchschnittlich gut zu bewerten“ ist. Bei der Verkaufsfläche pro Einwohner liege Eutin mit 2,9 Quadratmetern je Einwohner über dem Bundesdurchschnitt (1,5 Quadratmeter). Der Anteil der Verkaufsfläche in der Eutiner Innenstadt  ist laut Lemke mit rund 33 Prozent „noch als gut“ zu bezeichnen. Aber: „Die Stadt muss sich fragen, welche Weichen für die Zukunft kann man stellen, damit die Innenstadt weiter Anziehungspunkt für die Bevölkerung und auch das Umland bleibt“, machte Julia Lemke von der Cima deutlich. Auch die Frage, wie das touristische Potenzial weiter gehoben werden könne, müsse betrachtet werden. Darauf stieg die Politik ein: „Was heißt mit 33 Prozent noch gut?“, wollten Monika Obieray (Grüne) und Matthias Rachfahl (CDU) wissen, der gleichzeitig auf die anstehenden, jüngst bekannt gewordenen  Veränderungen beim Kaufhaus LMK betonte, das in der Cima-Analyse noch als Leuchtturm der Region herausgestellt wurde.

„Wir empfehlen eigentlich immer, dass die Innenstadt mindestens eine Verkaufsfläche von 35 Prozent aufweisen sollte, um für Menschen attraktiv zu sein“, sagte Lemke und wies im gleichen Atemzug darauf hin, dass auch die Standorte außerhalb des Zentrums ihre Funktion haben und nicht vernachlässigt werden sollten. In Bezug auf LMK riet sie: „Dann muss die Stadt schauen, wie sie solche Veränderungen auffangen kann, das ist ja auch wichtig für das Einzelhandelskonzept, das sie beauftragen wollen.“

Der Ausschussvorsitzende Malte Tech (FWE) wollte wissen, welchen Einfluss Parkplätze auf die Attraktivität der Innenstadt haben. „Einen großen“, sagte Lemke, „aber da haben sie doch eine ganz komfortable Situation, das ist meine Beobachtung als Besucher.“

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