Digitalisierung beginnt im Kopf

Wollen die Zukunft gemeinsam gestalten: (v. l.) Unternehmer Thilo Gollan, Karsten Kahlcke, Werner Süß und Hannes Wendroth vom Unternehmensverband Ostholstein-Plön.
Wollen die Zukunft gemeinsam gestalten: (v. l.) Unternehmer Thilo Gollan, Karsten Kahlcke, Werner Süß und Hannes Wendroth vom Unternehmensverband Ostholstein-Plön.

Der Unternehmensverband Ostholstein-Plön fordert schnellen Breitbandausbau und Prämien für Ausbilder von Migranten

shz.de von
17. Mai 2018, 08:43 Uhr

Der Unternehmensverband Ostholstein-Plön hält die erfolgreiche Migration und die zügige Digitalisierung für zukunftsrelevant. Außerdem müssten Abläufe bei Planungs- und Veränderungsprozessen deutlich schlanker werden, forderten der Vorstandsvorsitzende Werner Süß, die Vorstände Karsten Kahlcke, Thilo Gollan und Geschäftsführer Hannes Wendroth gestern in Eutin.

Für die Integration der Flüchtlinge in die Arbeitswelt seien Sprachkenntnisse enorm wichtig. Doch die reichten auch nach absolvierten Kursen oft nicht aus, um eine Ausbildung abzuschließen, sagte Süß. Ihm zufolge sind 2017 rund 280 Flüchtlinge in Ostholstein in Arbeit und Ausbildung gebracht worden.

Die Abbrecherquote liege bei etwas über 50 Prozent im Bereich der Handwerkskammer Lübeck und gelte für Auszubildende aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Irak, Iran und Eritrea. Das berichtet Arne Hansen, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ostholstein-Plön. Die Abbrecherquote sei damit doppelt so hoch, wie die Quote der Abbrecher aller Auszubildenden (25 Prozent).

Eine weitere Schwierigkeit sieht Süß darin, den Migranten den Wert einer Ausbildung zu vermitteln. Wer mit weniger Aufwand früher Geld verdienen könne, der greife lieber zu schlecht bezahlten Hilfsarbeiten als sich durch die Ausbildung zu kämpfen. Süß warnt: „Wen wir jetzt nicht integrieren, der wird in zehn Jahren dem Sozialstaat zur Last fallen.“ Er schlägt vor, Unternehmer für den Mehraufwand bei der Ausbildung zugewanderter Menschen finanziell zu fördern und ihnen die Prämie bei erfolgreichem Ausbildungsabschluss zu zahlen.

An freien Ausbildungsplätzen mangelt es hingegen nicht. Thilo Gollan berichtet, dass allein in seinem Unternehmen sechs der 16 Lehrstellen noch nicht vergeben seien. Der UV bedauert, dass Ausbildungen heute nicht mehr der Stellenwert zukomme, den sie vor einigen Jahrzehnten noch gehabt hätten. Als Maler und Lackierer verdiene man nicht nur gut, man könne sich im Handwerk ebenso fortbilden, wie als Geisteswissenschaftler. Diejenigen, die mit ihrer Hände Arbeit verdienten, seien ebenso zu achten, wie Professoren, sagte Hannes Wendroth.

Karsten Kahlcke sprach die Digitalisierung an. Die müsse viel zügiger und umfassender vorangetrieben werden, forderte er. Der Glasfaseranteil liege in Deutschland noch unter dem von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) ermittelten von 3,7 Prozent. „Deutschland darf nicht den Anschluss an die digitale Revolution verpassen“, warnte Kahlcke. Die Betriebe hätten die Entwicklung zu zögerlich aufgegriffen. Die Digitalisierung beginne im Kopf und beeinflusse letztlich die gesamte gesellschaftliche Kultur.

Umso wichtiger sei es, dass die Politik den Menschen einen Orientierungsrahmen biete und digitale Investitionen fördere. Bereits in den Schulen müsste die Kompetenz vermittelt werden. Es sollte üblich sein, dass Verwaltungen die elektronische Identitätsprüfung anböten.

Eine bei der Digitalisierung wegweisende Rolle nähmen Existenzgründer ein. Erstaunlicherweise gehe die Zahl sogenannter Start-ups zurück, sagte Kahlcke. Das bestätigte Peter Behrens, Prokurist der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein. In Schleswig-Holstein sei das so, in der Beratung der Egoh mache sich das allerdings nicht bemerkbar. Sie begleiteten nach wie vor etwa sieben angehende Gründer monatlich.

Unternehmer Gollan will die Entwicklung nicht verpassen. Er informiert sich derzeit über die Einsatzmöglichkeiten von Robotern. Mit ihm macht sich der UV darüber Gedanken, was denn sein wird, wenn immer mehr Arbeitsabläufe vollautomatisch erfolgen und die Unternehmer keinen Nachwuchs finden. Antworten hat der UV noch keine. Seine Vertreter sind dennoch zuversichtlich und wollen die Zukunft gemeinsam gestalten: „Die Unternehmen fühlen sich der Region verbunden“, sagte Gollan.

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