Eutin : Digitale Technik überlegt nutzen

Die Staatssekretärin Kristina Herbst wurde von Kreispräsident Harald Werner (re.) und Wilfried Lühr, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirates, begrüßt.  Fotos: Juliane Kahlke
Die Staatssekretärin Kristina Herbst wurde von Kreispräsident Harald Werner (re.) und Wilfried Lühr, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirates, begrüßt. Fotos: Juliane Kahlke

Staatssekretärin Kristina Herbst sprach vor Ostholsteins Seniorenbeirat über kommunale Arbeit im ländlichen Raum.

Avatar_shz von
21. November 2018, 17:09 Uhr

Kristina Herbst, Staatssekretärin im Innenministerium von Schleswig-Holstein sprach gestern vor dem Seniorenbeirat Ostholsteins über kommunale Arbeit im ländlichen Raum. Die Gesellschaft stünde großen Herausforderungen gegenüber, wie der abnehmenden medizinischen Versorgung auf dem Land und dem Wandel durch die Digitalisierung, die nicht nur Möglichkeiten schaffe, sondern auch Sorgen hervorrufe.

Herbst sagte vor 32 Zuhörern im Eutiner Kreishaus: „Es ist wichtig zu lernen, dass die Kommunikation sich verändert.“ Einen Brief, eine Postkarte zu erhalten sei schön, aber andere Kommunikationsformen seien im Alltag wichtig geworden. Bei der Schnelligkeit des Internets finde auch die undurchdachte Kommunikation schnell Anhänger. Doch manche Antworten brauchten auch heute noch Zeit. „Wir müssen uns die nötige Zeit für manche Antworten zugestehen“, lud sie zum entspannten Umgang mit modernen Kommunikationsformen ein.

Die Digitalisierung biete Chancen, warb sie für den technischen Wandel. Mit ihr könne die ärztliche Versorgung auf dem Land wieder verbessert werden. Neue Errungenschaften wie Emma, den Pflegecomputer der Kieler Fachhochschule, könnten allerdings nur eine Ergänzung sein. „Wir müssen es schaffen, dass trotz Technisierung das menschliche Miteinander nicht verloren geht.“ Herbst plädierte dafür, sich Dinge mit Hilfe digitaler Möglichkeiten leichter zu machen. „Man muss einfach mal Hürden überwinden.“

Die Staatssekretärin war offen für die Fragen und Hinweise der Senioren und Kommunalpolitiker aus Timmendorfer Strand, Ratekau, Ahrensbök, Grube und anderen Orten. Die Vertreter der älteren Ostholsteiner wiesen auf die Bedeutung des Ehrenamtes hin. Elisabeth Lund forderte mehr Dank für die freiwilligen Helfer in der Gesellschaft. „Von uns wird immer mehr erwartet, unsere Kraft ist aber auch irgendwann am Ende.“ Habe man ein Amt, würden schnell 15 daraus. Kristina Herbst zeigte Verständnis, erinnerte aber daran, dass man auch als Ehrenamtler die Verantwortung trage, Nein zu sagen.

Monika Cremer stellte fest, dass es vielen Menschen schwer falle, über ihren Hilfebedarf zu reden. Sie betrachteten ihn als persönliche Not, dabei sei ihr Problem ein strukturelles aller.

Uwe Daude ist mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht zufrieden. Man komme nicht mehr richtig von Timmendorfer Strand nach Lübeck oder nach Eutin. „Und wie kann man die Bahnstrecke Neustadt – Lübeck überhaupt einstampfen wollen?“, fragte er empört. Die Bahn sei voll mit Schülern und Pendlern. Er schlug vor, auf der Strecke später zumindest eine S-Bahn fahren zu lassen. Der Kreistagsabgeordnete Wolfgang Kummerfeldt (Grüne) monierte die nur kreisweit organisierten Buslinien. Er sehe es als Aufgabe des Landes an, den Nahverkehr kreisübergreifend zu fördern. Herbst wies auf den Verbund Nah SH hin, mit dem das 2014 gelungen sei. Ansonsten sei es sehr schwer, solche Liniennetze zu schaffen.

Ein Kommunalpolitiker wünschte sich in Verwaltungen einen Koordinator für Ehrenamtler, um überlastete Kommunalpolitiker zur unterstützen. Seinem Wunsch begegnete Kreispräsident Harald Werner mit einer kurzen Bildungseinheit „Demokratie“. Die Selbstverwaltung, das seien die Volksvertreter, beauftragten die Verwaltung, nicht umgekehrt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen