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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 15:30 Uhr

Dieter Wien ✝

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Gnade der späten Geburt war ihm verwehrt worden. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Dieter Wien (Foto) 17 Jahre alt. 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Erst fünf Jahre nach Kriegsende, 1950, wurde er als 28-Jähriger aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Krieg und die entbehrungsreiche Gefangenschaft auf dem Balkan haben Dieter Wiens späteres Leben und vor allem künstlerisches Wirken geprägt. In der Gefangenschaft begann er, seine Lebensumstände malerisch zu dokumentieren. Nach der Entlassung studierte der gebürtige Berliner von 1950 bis 1954 an der Hochschule für Angewandte Kunst in Stockholm, wurde anschließend freischaffender Künstler.

Nach einigen Jahren in Hamburg und Berlin zog er in die Gemeinde Süsel. Dort lebte er bis vergangenes Jahr, bevor er das Atelier aufgab und mit seiner Frau noch einmal nach Malente zog.

In Dieter Wiens Gemälden sind häufig Motive zu finden, die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben vermitteln, nach allem, was Leben besonders schön machen kann: Gutes Essen und Erotik.

Dem Dünkel eines reinen Atelierkünstlers und einer falschen Furcht vor profaner Kunst ist er nie verfallen. Und sein reiches Schaffen ging weit über die Staffel-Malerei hinaus. Unter dem Stichwort angewandte Kunst nahm er sehr unterschiedliche Dekorationsaufträge an: Von Kirchenbildern (darunter Gleschendorf) über Ausmalungen von zwei Schiffen einer Hamburger Reederei bis zu einem monumentalen Wandgemälde für das Gästehaus der Hamburger Universität, aber auch Wandgemälde in Hotel, Schwimmbädern oder – als ein Beispiel in der Region – die Außengestaltung des Turms am ehemaligen Eutiner Restaurant „L’Etoile“ gehörten zu seinem Schaffen. Ein typisches Produkt Wiens sind auch sogenannte „Stumme Diener“, deren Bemalung auf Bestellung erfolgte und die „Wien-Figuren“ heißen.

Seine stete Suche nach Anregungen, bewegenden Erlebnissen und auch menschlichen Befindlichkeiten, die häufig auch in versteckter Form in seinen Bildern zu finden sind, begleiteten auch längere Aufenthalte in Italien und USA. Und neben dem fleißigen künstlerischen Schaffen war Dieter Wien gemeinsam mit seiner zweiten Frau Monika auch als Restaurant-Bewerter in Hamburg unterwegs – und von manchem Gastronom gefürchtet.

Wien, Vater einer Tochter und von zwei Söhnen, blieb bis ins hohe Alter produktiv. Seinen Erfahrungen als junger Mann zum Trotz war Dieter Wien nicht verbittert und von grundsätzlich freundlichem Wesen. Seine bewahrte Verbundenheit mit dem Militär erklärte er einmal so: „Krieg ist furchtbar. Aber die Kameradschaft unter Soldaten ist einmalig.“

Am vergangenen Sonnabend wäre Dieter Wien 92 Jahre alt geworden. Zwei Tage zuvor ist er friedlich eingeschlafen. Ein öffentlicher Trauergottesdienst findet am Freitag, 28. November, um 12 Uhr in der Kirche zu Gleschendorf statt; seine Tochter Antonia Wien wird die Trauerrede halten. Die Beisetzung erfolgt im engen Familienkreis, zu dem sieben Enkel und acht Urenkel gehören.

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erstellt am 17.Nov.2014 | 16:36 Uhr

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