Diese Modelle können Blinde lesen

Das vor zehn Jahren vom Rotary-Club Lübeck-Holstentor Blinden-Stadtmodell der Hansestadt findet Nachahmung in Eutin.
Das vor zehn Jahren vom Rotary-Club Lübeck-Holstentor Blinden-Stadtmodell der Hansestadt findet Nachahmung in Eutin.

In Eutin sollen drei Reliefs mit Brailleschrift eine Orientierung für Sehbehinderte liefern / Ein Vorbild steht auf dem Lübecker Rathausmarkt

shz.de von
12. Januar 2016, 11:20 Uhr

Seit zehn Jahren ist es ein beliebtes „Spielzeug“ und Hingucker auf dem Lübecker Marktplatz: ein Modell der Altstadt. Was viele Besucher der Hansestadt nicht wissen: Für Menschen, die nicht sehen können, hat dieses 1,2 mal 1,8 Meter große Relief ebenfalls einen großen Wert. Kleine Punkte in Blindenschrift geben Erläuterungen zu Häusern der Altstadt, zu Kirchen, Straßen und Plätzen.

In Eutin sollen bis zur Landesgartenschau drei ähnliche Reliefs aufgestellt werden, auf denen das Stadtgebiet zu sehen, zu fühlen und mit der sogenannten Braille-Schrift auch zu lesen ist. Der Hauptausschuss stimmte gestern Abend einstimmig der Anschaffung und Aufstellung von drei Relief-Geländeplänen im Stadtgebiet zu. Voraussetzung ist allerdings eine finanzielle Beteiligung der Aktiv-Region Schwentine-Holsteinische Schweiz. Die Stadt will einen Zuschuss in Höhe von 7200 Euro beantragen, als städtischer Anteil blieben dann laut Rechnung der Verwaltung exakt 7080 Euro.

Als erste Standorte der 90 mal 100 Zentimeter messenden Reliefs sind der Bahnhof sowie die beiden Eingänge des Landesgartenschaugeländes (Südufer und Schloss) vorgesehen. Die Anschaffung steht in Verbindung mit der Kooperation zwischen der Stadt Eutin und der Lebenshilfe Ostholstein mit dem Ziel, Inklusion und Barrierefreiheit in der Stadt unter besonderer Berücksichtigung der Landesgartenschau 2016 zu fördern. Die Reliefpläne seien ein Beitrag, Einheimische und Gäste für die Belange sehbehinderter Menschen zu sensibilisieren. Die Idee dazu war während eines Inklusions-Workshops im Juli vergangenen Jahres formuliert worden.

Die Modelle sollen wetterfest sein. Sie könnten als Orientierungstreffpunkte positioniert werden, da viele blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund ihrer eingeschränkten Mobilität vermehrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen würden. Die Reliefpläne blieben der Stadt selbstverständlich nach der Landesgartenschau als „dauerhafter Bestandteil der barrierefreien und inklusiven Maßnahmen der Stadt Eutin“ erhalten.

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