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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 13:04 Uhr

Diese Kinderarmut ist ein Skandal

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

In einem der reichsten Länder – hier in Deutschland – wächst fast jedes zehnte Kind in Armut auf / Bildung ist die beste Vorbeugung

von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Es ist ein Skandal. Oder welches Wort passt besser zu der Tatsche, dass Deutschland zu den reichsten Ländern der Erde gehört, aber fast jedes zehnte Kind von Armut betroffen ist?

Diese Armut ist nicht auf Regionen oder Stadtteile beschränkt. Nein, sie ist in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden. Fast überall.

In Ostholstein gibt es 1 900 Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren, deren Familien Hartz-IV-Empfänger sind. Doch das ist nur ein Teil der Betroffenen: Doppelt so viele Kinder und Jugendliche, nämlich 3 800, leben in einem so einkommensschwachen Umfeld, dass sie Leistungen des „Bildungspaketes“ nutzen können, die vom Kreis Ostholstein oder vom Jobcenter Ostholstein gewährt werden.

Vor zwei Monaten, am 24. Oktober, hatte Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, erschreckende Zahlen über Kinderarmut in Deutschland veröffentlicht. Eine Längsschnittanalyse zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 ergab, dass zwischen den Jahren 2000 und 2010 rund 8,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen langjährige Armutserfahrungen gemacht haben. Die meisten lebten zwischen sieben und elf Jahre lang in einem Haushalt, der mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens überleben musste.

1,7 Prozent aller Heranwachsenden wuchsen sogar 12 bis 17 Jahre lang unter diesen schwierigen Bedingungen auf. Insgesamt rund 1,1 Millionen Heranwachsende von Heute waren danach einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend relativer Armut ausgesetzt.

Verbände wie der Kinderschutzbund können das alles nur bestätigen. „Seit Jahren steigt die Zahl der Rückmeldungen aus unseren Betreuungseinrichtungen, in denen über Abmeldungen von Kindern und Jugendlichen aus finanziellen Gründen berichtet wird. Eltern fehlt es zunehmend und trotz der Möglichkeit, Unterstützung im Rahmen der Sozialstaffel des Kreises Ostholstein zu erhalten, an Geld. Ein alarmierendes Zeichen“, heißt es beim in Neustadt sitzenden Kinderschutzbund, Kreisverband Ostholstein.

Der 2005 gegründete
Elternunterstützungsfonds will diesem Trend entgegenwirken. Aus diesem Topf wird Kindern geholfen, die aufgrund der finanziellen Situation ihrer Eltern keine Einrichtung wie die Offene Ganztagsschule (OGS) besuchen können – oder die eine OGS besuchen, deren Eltern aber das Mittagessen nicht finanzieren können.

Es sind fast immer Kinder aus Familien, die in einer besonderen materiellen Notlage stecken, häufig mit mehreren Problemen kämpfen (Alleinerziehende, Perspektivlosigkeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf) und für deren Kinder eine pädagogische Betreuung in OGS besonders wichtig wäre. Denn Offene Ganztagsschule bedeutet nicht nur Betreuung, sondern immer auch pädagogische Betreuung und soziales Lernen. Und Bildung ist die beste Vorbeugung gegen Armut.

In seiner Aktion „Adventslicht“ hat der Ostholsteiner Anzeiger dieses Jahr seine Leserinnen und Leser gebeten, den Elternunterstützungsfonds mit Spenden zu fördern. Eine Bitte, die vielfach erfüllt worden ist und vielen Kindern unmittelbar helfen wird. Aber genug Geld ist für diese Aufgabe noch lange nicht vorhanden. Und besonders schön wäre, wenn der Fonds nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über mit Spenden bedacht würde. Jede noch so kleine Spende ist willkommen und wertvoll. Denn sie kann dazu beitragen, einen Skandal abzumildern.

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