„Die Zukunftsperspektive fehlt“

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08. März 2018, 00:58 Uhr

Was sagen eigentlich die betroffenen Geschäftstreibenden des Rosengartens: Ist für alle ein Parkplatz vor der eigenen Tür essentiell oder wünschen sich manche auch eine Veränderung? Der Ostholsteiner Anzeiger hat nachgefragt: Von acht angetroffenen Kaufleuten braucht die Hälfte „nicht zwingend“ bis „gar keine“ Parkplätze vor der eigenen Tür. Sie gehen sogar noch weiter: „Neben Anwohnern und Mietern nehmen die eigenen Mitarbeiter bestimmter Geschäfte den Kundenparkplatz vor der Tür weg, da ist es egal, wie viele es gibt, wenn es nicht für die Kunden bleibt.“

Jörg Kröger vom Sportgeschäft im Rosengarten kritisiert den Mangel an zukunftsweisenden Ideen: „Parkplatzprobleme hat doch jede Kleinstadt. Da muss man ein Parkdeck bauen, Eutins Wege sind kurz, und schon brauche ich über Parkplätze vorm Laden gar nicht zu reden und kann die Straßen entwickeln.“ Auch Plön habe alles rückwärtig angeschlossen und es funktioniere. Lösungen für Lieferverkehre oder Schwerbehinderte würden gefunden, das zeige die Peterstraße. „Es fehlt in Eutin einfach die Zukunftsperspektive, hier wird Dorfpolitik betrieben. Ein bisschen Bewegung nach links, ein bisschen nach rechts, aber nicht nach vorn“, sagt der Geschäftsmann. Nur die Lampe oder das neue Pflaster locken keine Besucher in die Stadt, es braucht Erlebnisse für Familien und Kinder, so Kröger.

Die beiden Optiker in der Straße wollen nicht auf die Parkplätze verzichten. „Die Menschen wollen es heute bequem, nicht nur Ältere“, heißt der Tenor. Gegen eine fußgängerfreundliche und verkehrsberuhigende Gestaltung habe keiner was, aber die Durchfahrtmöglichkeit ist insbesondere dem Optiker Am Rosengarten wichtig – „sonst hätten wir uns in einer Fußgängerzone etwas gesucht“.

Jan Hoffmann von der gleichnamigen Buchhandlung kennt beides – Fußgängerzone und Durchfahrtsstraße: „Es rauscht eine Menge Verkehr durch die Straße und ich glaube, nicht jeder muss hier auch lang.“ Wegen des ebenerdigen Eingangs komme nun auch andere Kundschaft mit Kinderwagen und Rollator. „Wenn man die Aufenthaltsqualität in der Straße erhöhen möchte, braucht man weniger Verkehr und mehr Platz für die Fußgänger“, so Hoffmann.

Osman Telli vom Dönerladen mag dagegen auf keinen Parkplatz vor seiner Tür verzichten: „Gerade abends fahren die Kunden kurz vor und finden eigentlich immer einen Platz. Drei Parkplätze wären schlecht.“

Friseurin Aali Khan läuft nicht nur selbst zur Arbeit, sondern weiß, dass auch viele ihrer Kunden zu Fuß kommen oder an den nahegelegenen Parkplätzen stehen: „Vor unserer Tür brauchen wir keinen Parkplatz. Außerdem ist es doch da meistens voll.“

Auch Bernd Herkelmann vom Fahrradgeschäft braucht für seine Kunden, obwohl diese häufig aus Hamburg oder Lübeck kommen, keine Parkplätze vor seiner Tür: „Die Straße sollte mindestens verkehrsberuhigend gestaltet werden und attraktiver für Fußgänger und Radfahrer.“ Viel interessanter fände er es sogar, wenn die gesamte Innenstadt „Einheitsfußgängerzone“ würde.

Karin Struck vom gleichnamigen Modegeschäft erinnert sich an die Sanierung des Stadtgrabens: „Die Straßensperrung hat über ein Jahr gedauert und es war rückblickend eine so schöne Zeit. Die Kunden flanierten zum See, hatten endlich mal Zeit in die Schaufenster zu schauen. Das Überleben der Geschäfte in der Stadt ist nicht abhängig von der Parkplatzzahl, sondern von dem Flair und davon ist beim Durchgangsverkehr nicht viel übrig.“ Bäckermeister Jan Thaysen schilderte hingegen schon im Ausschuss düstere Aussichten für die Zukunft seiner Bäckerei, wenn Parkplätze wegfallen. „Sitzplätze sind für uns so wichtig wie Parkplätze“, sagte Mitarbeiterin Diana Schwahn gestern. Eine Stimmung, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte.

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