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Kasseedorf : Die Zukunft liegt in der Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kasseedorf befragt seine Bürger zu Wünschen in der kommenden Zeit / Lob und Kritik liegen jedoch eng beieinander

von
erstellt am 09.Jun.2015 | 16:00 Uhr

„Zurück zu guten alten Tugenden“ könnte die knappe Zusammenfassung der Zukunftskonferenz lauten, zu der Kasseedorfs Gemeindevertreter am Sonnabend die Bürger eingeladen hatten. Über vier Stunden näherten sich die 28 Teilnehmer – moderiert von Dr. Stefan Doose – den Wünschen für die Zukunft. Am Stärksten brennt den Einwohnern die Erreichbarkeit der Dörfer mit dem Bus unter den Nägeln. Dann aber folgen schon zwei Themen die man eher früheren Zeiten zuschrieben würde: Ordnung und Sauberkeit sowie ein Generationen übergreifender Kontakt und nachbarschaftliche Hilfe.

Zunächst hatte Doose, im Kreis Ostholstein mit der Koordinierung des Aktionsplans Inklusion betraut und somit auch erfahren mit der Zukunftsplanung, die Anwesenden nach ihren positiven Eindrücken gefragt. Alle waren überrascht, wie viele Stichworte mit Unterstützung von Susanne Stoll auf Papier gebannt wurden.

Unterm Strich wird die idyllische Lage in Mitten der Natur und das hohe bürgerliche Engagement positiv wahrgenommen. Wie genau die Bürger hinschauen, wurde beim Sammeln von Kritikpunkten deutlich. An den Busverbindungen, gerade außerhalb der Schulzeit, ließen die Teilnehmer kein gutes Haar. Es gab auch Kritik an der geringen Kapazität der eingesetzten Busse und sehr konkrete Hinweise auf gefährliche Umsteigesituationen wie beispielsweise am Sandfeldkrug im Zuge der Landestraße 57 Richtung Eutin. Dort habe sich ein „Umschlagpunkt“ für Schüler entwickelt. Mit der Alternative „Anruf-Bus“ werden sich die Kommunalpolitiker wohl ernsthaft beschäftigen müssen.

Direkt einen Lösungsansatz präsentierten die Konferenzteilnehmer für das von ihnen wahrgenommene schlechte Erscheinungsbild der Dörfer. Bürgerliches Engagement in Form eines Verschönerungsvereins könnte dort bei der Pflege und Erhaltung von öffentlichen Grünflächen, wie etwa an Denkmälern oder auf Spielplätze, helfen. Die Ordnung und Sauberkeit nehme von Jahr zu Jahr ab, und das nicht nur dort, wo die leeren Kassen der Gemeinde als Ursache ausgemacht wurden. Auch die Einwohner legten längst nicht mehr so viel Wert auf ein adrettes Anwesen wie noch in Zeiten, in denen auf den Höfen in den Dörfern mehrere Generationen zusammen lebten. In vielen Bereichen half diese Lebensform die Nachteile des dörflichen Lebens auszugleichen.

In der Zukunft wünschen sich viele der Teilnehmer der Konferenz eine Kompensation der verlorengegangenen Vorteile. Sie wünschen sich Orte für den generationenübergreifenden Kontakt, wie er in Sagau in Form eines Mehrgenerationen-Spielplatzes bereits überlegt wird. Stichworte wie „Einkaufs-Bus“, „Mitfahrer-Haltestelle“, „Wohnen im Alter“ oder „Zukunft im Ehrenamt“ bringen den Bedarf nach einer organisierten nachbarschaftlichen Hilfe zum Ausdruck. Die Möglichkeit, auch ohne Auto spontan Termine außerhalb wahrnehmen zu können, oder einen Babysitter zu organisieren, ist für viele ein Dreh und Angelpunkt, um sich auch zukünftig ein Leben auf dem Lande, und somit in der Gemeinde Kasseedorf, vorstellen zu können. Probleme die man zwei Generationen zurück noch nicht kannte.

Eine Lösung des digitalen Zeitalters könnte das „Lokal-Portal“ sein. Dabei handelt es sich um lokales Online-Netzwerk in dem sich Behörden, Vereine, Gewerbe und Bürger präsentieren und austauschen können. Über die Teilnahme an diesem Startup-Projekt an der Universität Kiel berät der Amtsausschuss des Amtes Ostholstein-Mitte, zu dem auch Kasseedorf gehört, morgen.


Die Zukunftskonferenz geht am 11. Juli vom 10 bis 16 Uhr in der Mehrzweckhalle in Griebel in die nächste Runde. Dann sollen die drängendsten Wünsche konkretisiert werden.

 

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