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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 03:03 Uhr

Die Zahl der Angriffe auf Polizisten wächst

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ordnungshüter begegnen immer mehr Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft

von
erstellt am 25.Apr.2017 | 18:31 Uhr

Ob Kriminalität oder Unfallgeschehen: Beides war im Kreis Ostholstein im Jahr 2016 unspektakulär und unauffällig. Es gibt aber Trends, die Sorge bereiten, dazu gehört vorm allem eine wachsende Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamte. Norbert Trabs, Chef der Polizeidirektion Lübeck, sowie Kriminaldirektor Michael Sörnsen und Polizeiverkehrsexperte Rainer Dürkop schilderten gestern im Hauptausschuss des Kreistages die Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik.

Polizeibeamte erlebten immer mehr Beleidigungen, Widerstand und Körperverletzungen, sagte Trabs. 355 Anzeigen hätten 2016 Ordnungshüter wegen solcher Vorfälle erstattet, 65 Beamte seien teilweise schwer verletzt worden. Es gebe ein starkes Stadt-Land-Gefälle, ergänzte Trabs, 60 Beamte seien bei Einsätzen in der Stadt Lübeck verletzt worden, fünf im Kreis Ostholstein. Unabhängig davon sei ein breiter gesellschaftlicher Trend auch in ländlichen Gebieten erkennbar.

Als Beispiel schilderte Trabs einen Streit von zwei Jugendlichen in Lübeck, den Polizeibeamte geschlichtet hätten. Einen 16-Jährigen, den sie anschließend nach Hause bringen wollten, sei ausgerastet: Er habe die Beamten bespuckt, mit einem Tretroller nach ihnen geschlagen und erheblichen Widerstand geleistet.

Bei ganz vielen solcher
Taten spiele Alkohol eine sehr, sehr große Rolle. Wachsende Respektlosigkeit erlebten auch Mitarbeiter von Behörden. „Das scheint mit ein gesamtgesellschaftliches Problem zu sein.“ Die Polizei reagiere mit intensivem Einsatzraining, besserer Ausrüstung und Taktik: kein Beamter allein auf Streife.

Landrat Reinhard Sager ermunterte die Vertreter der Polizei, den Gewalttaten mit Null Toleranz zu begegnen. Und seiner Frage, ob Polizeibeamte über unzureichende juristische Konsequenzen für Straftäter frustriert seien, begegneten Trabs und Sörnsen mit dem Hinweis auf eine enge Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, die in dieser Hinsicht einiges geändert habe.

Gut bis sehr gut sei auch die Zusammenarbeit von Polizei und Kreisverwaltung, betonet Trabs. Er sprach dabei Maßnahmen der Terrorismusabwehr bei Großveranstaltungen und die verstärkte Abschiebung von kriminellen Ausländern an.

Auf die Frage nach Straftaten von Rechtsextremen sagte Sörnsen, es habe in Ostholstein drei Fälle gegeben. Im Raum Eutin gebe es eine etwa zehn Personen starke Szene, die beobachtet würden. Es mache Sinn, Vorfälle – zum Beispiel Drohungen gegen andere Menschen – bei der Polizei anzuzeigen, betonte Sörnsen, auch wenn es nicht immer zur Strafverfolgung komme.

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