Vogelkunde : Die Welt der Vögel zeigt: Gute Sänger sind auch schlauer

Die Dohle gehört zu den Vogelarten, die Geräusche der menschlichen Zivilisation sehr gut imitieren können.
Die Dohle gehört zu den Vogelarten, die Geräusche der menschlichen Zivilisation sehr gut imitieren können.

Schon die Minnesänger des Mittelalters wussten, dass der Weg zum Herzen einer Frau über ein hingebungsvoll gesungenes Liebeslied führen kann.

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15. April 2011, 11:55 Uhr

eutin | Auch im Reich der Tiere versuchen nicht wenige männliche Werber, ihre Weibchen durch melodische Gesangsdarbietungen zu erobern.

Vor allem sind Vögel dafür bekannt, Vertreter des weiblichen Geschlechtes durch musikalische Darbietungen anzulocken und damit zur Paarung überreden zu wollen. Dabei machen Männchen mit einem großen Gesangsrepertoire auf die Vogeldamen offensichtlich den besten Eindruck, denn die Weibchen "schnappen" sich tatsächlich den besten Sänger, wie US-amerikanische Neurobiologen jüngst herausgefunden haben; denn je kunstvoller das Liedgut der gefiederten Troubadoure sei, desto größer sei auch die Gehirnregion, die für das Erlernen von bestimmten Tätigkeiten verantwortlich ist, sagten die Wissenschaftler. Stark vereinfacht gesagt bedeutet das: Gute Sänger sind auch schlauer.

Die Vogelweibchen dagegen halten sich normalerweise mit ihren Sangeskünsten zurück und sind nur selten zu hören. Ihre meist leise schwätzenden Gesänge nennt man Subsong, der aber auch zwischen dem Jugend- und dem anschließenden Vollgesang vorgebracht werden kann. Auch Amselmännchen können im Herbst noch einmal im dichten Busch leise vor sich hin schwätzen.

Schon seit geraumer Zeit bauen manche Vogelarten auch vom Menschen verursachte Geräusche in ihren Balzgesang ein, um damit der gefiederten Damenwelt zu imponieren. Gern genommen werden Töne wie Hupen oder das Quietschen von Bremsen und seit neuestem - auch Vögel gehen mit der Zeit - Klingeltöne von Handys. Besonders gute Imitatoren sind Vogelarten wie die Dohle, der Star und der Eichelhäher.

In Südamerika lebt eine eine Vogelart namens "Keulenpipra", die keine männlichen Werbegesänge vollbringt, sondern statt dessen ihre Weibchen durch pompöses Rascheln ihrer Federn beeindrucken. Dieser "geraschelte" Balzruf ist genauso weit zu hören wie ein Vogelgezwitscher. Da sich die Männchen der nur rund zehn Zentimeter großen Vögel mit mehreren Weibchen zu paaren pflegen, haben gute Raschler auch die besten Chancen auf Nachwuchs. Diese Nachricht stammt von amerikanischen Biologen, die mit einer Hochgeschwindigkeitskamera die Balz des kleinen Vogels erforscht und untersucht haben.

Ein äußerst interessanter Vertreter der Vogelwelt ist der Auerhahn, der größte Hühnervogel Europas, der von Schottland über Nordeuropa bis nach Zentralsibirien vorkommt, in der Regel dann in der Taiga oder in Nadelwäldern über eintausend

Meter Höhe. Der Balzgesang des männlichen Vogels ertönt meist in den Morgenstunden von erhöhten Ansitzen aus und setzt sich aus "Knappen, Trillern und schließlich Wetzen" zusammen. Der Hahn ist dann sehr aggressiv, weil sein Testosteronspiegel um das einhundertfache gegenüber dem Normalwert angestiegen ist, so dass es vorkommen kann, dass er wie berauscht ab und zu einmal ahnungslose Wanderer oder Pilzsammler, die sich in sein Revier gewagt haben, mit Schnabelhieben angreifen kann.

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