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Ostholsteiner Anzeiger

14. Dezember 2017 | 18:48 Uhr

Die Trave wird Flusslandschaft des Jahres

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

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erstellt am 10.Mär.2016 | 17:19 Uhr

Frachtschiffe und große Fährschiffe fahren in Travemünde auf der Trave auf die Ostsee hinaus. Kaum vorstellbar, dass die Trave in nur etwa 20 Kilometer Entfernung als Rinnsal in Gießelrade entspringt, auf dem höchsten kleine Papierschiffchen fahren könen. Auf dem Weg nach Travemünde schlängelt sich die Trave rund 113,6 Kilometer durch die Landschaft. Der Fluss wird vom gemeinsamen Beirat für Gewässerökologie des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV) und der Naturfreunde Deutschlands (NFD) 2016 und 2017 zur „Flusslandschaft des Jahres“ erhoben. Das Fachgremium will damit die Besonderheiten und den Schutzbedarf der Trave hervorheben. Die offizielle Proklamation findet am 19. März statt.

Aus Gießelrade fließt die Trave als kleiner Bach durch die Felder und später durch die alten Schmelzwasserbetten aus der letzten Eiszeit bis in den Wardersee, den ersten großen Speicher, auf dem Weg nach Bad Segeberg. Auf diesem Weg nimmt die Trave viel Oberflächenwasser der Felder auf. Sie fließt weiter in Richtung Süden bis nach Bad Oldesloe.

Zwischen Krems II und Groß Rönnau ist der Fluss zum Teil tief ins Gelände mit prächtigen Hängen eingeschnitten. Hier sind gute Nistmöglichkeiten für Eisvögel entstanden. Auch andere Singvögel fühlen sich an der Trave wohl: Rohrammern, Buchfinken, Zaunkönige, Bachstelzen, Gebirgsstelzen, Dorngrasmücken, Singdrosseln und Feldlerchen. Mäusebusssarde und Rotmilane sind hier ebenfalls zu beobachten.

Ab Bad Oldesloe verändert die Trave als Fluss vollständig ihren Charakter. Später nimmt sie ihren Verlauf nach Osten und fließt südlich an Reinfeld und an Hamberge vorbei bis nach Moisling und nach Lübeck. Dabei gibt es verschiedene Staustufen in Herrenmühle bei Schwissel, bei der Kupfermühle, Zettler bei Dreggers sowie eine Fischtreppe unterhalb Zettler und zwei Staustufen in Bad Oldesloe.

Im Bereich der Lübecker Altstadt war die Trave Bestandteil des Systems der mittelalterlichen und neuzeitlichen Lübecker Stadtbefestigung. Im Unterlauf ist sie Landesgrenze zu Mecklenburg und war zeitweise auch Innerdeutsche Grenze.

Die Ufer der Trave gelten als durchweg natürlich. Der Fluss schlängelt sich wechselnd an Wiesen (70 Prozent), Sumpfwald und Gehölzufern (12 Prozent) vorbei. Acht Prozent sind Wasserflächen. Die Trave entwässert in ihrem Verlauf bis zur Ostsee rund 90 Seen. Ab Bad Oldesloe gibt es eine befestigte Uferböschung – teilweise aus Steinen oder Pfählen. Ab Wesenberg bestehen die Trave-Ufer aus massivem Holzverbau.

Von der Einmündung des Elbe-Lübeck-Kanals bis zu ihrer Mündung in die Ostsee bei Travemünde ist die Trave sogar eine Bundeswasserstraße, eine Binnenwasserstraße der Klassen IV und VIb. Deshalb gilt dort die Seeschifffahrts-straßen-Ordnung und für die Seeschiffe auf der Trave Lotsenpflicht. Durch fünf verschiedene Korrekturen in den vergangenen 115 Jahren wurde in Lübeck eine Wassertiefe der Trave von fast zehn Meter erreicht.

Krems II, Groß Rönnau, Bad Segeberg, Högersdorf, Schwissel, Klein Gladebrügge, Dreggers, Travenbrück, Bad Oldesloe, Reinfeld, Klein Wesenberg sowie Hamberge und die Hansestadt Lübeck sind Orte, die direkt mit der Trave in Berührung kommen. Die Trave ist von Warderbrück bis zum Zusammenfluss mit dem Elbe-Lübeck-Kanal über 61 Kilometer paddelbar, danach noch gut 22 Kilometer bis zur Mündung der Untertrave in die Ostsee.


Die Angler


Die Trave ist fischereirechtlich vom Kreisverband der Lübecker Sportfischer angepachtet. Aufgrund seines großen Einzugsgebietes und seines vielfältigen Fischreichtums ist die Trave ein schönes Gewässer für Angler, die als Zielfische unter anderem Barsch, Aal, Meerforelle, Wels, Zander und Hecht haben. Aber auch Gründling, Rotauge, Brassen, Aland, Bachforelle, Zwergstichling, Döbel, Elritze, Schleie, Quappe, Kaulbarsch, Regenbogenforelle, Äsche, Rapfen, Karausche, Hasel und Karpfen sind anzutreffen. Im Bereich Lübeck werden aufgrund des Salzgehaltes des Flusses auch noch Flunder, Hering und Hornhecht gefischt.

Sohlabstürze und Mühlwehre, fünf von ihnen gibt es in der Trave zwischen Herrenmühle und Bad Oldesloe, erschweren oder verhindern eine Wanderschaft der Wasserlebewesen des Flusses. Die organisierten Lübecker Angler erhalten ihre Erlaubnisscheine zum Fischfang vom Kreisverband. Die Bedingungen zum Angeln sind in Lübeck nicht ganz einfach, weil hier immer noch das über 800 Jahre alte Fischereirecht Bestand hat. „Die Erhebung der Trave als Flusslandschaft des Jahres wollen die Angler nutzen, um ihre Partnerschaft mit den vielen Wasserwanderern noch mehr herauszustellen und gegenseitiges Verständnis füreinander zu entwickeln“, sagte Dr. Dieter Bohn, Geschäftsführer des Landessportfischerverbandes in Kiel. Vor allen Dingen sollen die knapp 20 Altarme der Tave in einen ordentlichen Zustand versetzt werden.


Die Naturfreunde


Federführende Akteure für die Flusslandschaft des Jahres vor Ort sind neben den Anglerm die NaturFreunde Schleswig-Holstein. „Wir werden den Fluss durch verschiedene Aktionen gemeinsam in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rücken“, sagte NFD-Landesvorsitzender Dieter Neumann. Denkbar sei, das durch Bezuschussung ein Mitarbeiter eingestellt werde, von dem auch die Angler partizipieren könnten.

Die im Zweijahresrhythmus ausgezeichnete „Flusslandschaft des Jahres“ gehe auf eine Vereinbarung zwischen NaturFreunden und Anglern zurück. Weil die Gewässer auf der einen Seite die Quelle allen Lebens seien, auf der anderen Seite aber einer immer stärkeren Nutzung und Belastung unterliegen, rufen beide Verbände die für den Schutz und die Pflege der Gewässer Verantwortlichen sowie die unterschiedlichen Nutzergruppen auf, in Zukunft ihre Aktivitäten zu koordinieren und sich gemeinsam für die Erhaltung einer gesunden aquatischen Umwelt einzusetzen.


Die Auszeichnung


Die Trave wird nun als Flusslandschaft des Jahres durch das Bundesumweltministerium in die „Liste der offiziellen Jahresverkündigungen umweltpolitisch relevanter Aktionen“ aufgenommen. Als Flusslandschaften des Jahres wurden in den letzten beiden Perioden die Helme (zwischen Südharz und Kyffhäuser) und die Argen im Allgäu proklamiert.

Das Land Schleswig-Holstein hat den gesamten Travelauf bis zur Mündung einschließlich der anliegenden Naturschutzgebiete der Europäischen Union im Rahmen des Programms Natura 2000 als FFH-Gebiet gemeldet. Naturschutzgebiete am unteren Travelauf im Bereich des Flussmündungsgebiets (Ästuar) sind der Schellbruch, das Dummersdorfer Ufer, der Dassower See und Teile des Priwall.

Vor der menschlichen Besiedlung ihres Einzugsgebietes war die Trave ein mäandrierender (in sich immer wieder verlagernden Windungen verlaufender) Fluss, der einer vielfältigen Tierwelt eine Heimat bot. Seitdem sind viele Arten aus der Trave verschwunden, der natürliche Zustand der Trave kann wohl nie wieder erreicht werden. Die weitgehend landwirtschaftliche Nutzung des Einzugsgebietes hat einen hohen Dünge- und Pflanzenschutzmitteleintrag in die Trave zur Folge. Auch die noch nicht nitratfreien Abwässer der Hansestadt Lübeck tragen einen großen Anteil zur Belastung bei.

Die Trave ist nur mäßig mit organischen, biologisch abbaubaren Stoffen belastet. Viel größere Probleme bereiten morphologische Defizite, also zum Beispiel durch Ausbaumaßnahmen wie die Kanalisierung bei Lübeck, Querverbauungen durch Sohlabstürze und Wehre oder Veränderungen durch die angrenzende Nutzung. Besonders bei Lübeck ist der Fluss sehr stark bis vollständig verändert.

Dank der Naturschutzbemühungen und Renaturierungsmaßnahmen hat sich die Wasserqualität der Trave in den letzten Jahren verbessert, einige Arten kehren langsam zurück. Ein Mühlwehr bei Bad Oldesloe wurde bereits in eine Sohlgleite umgewandelt, die Wasserbewohner können hier wieder flussaufwärts wandern. Die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie können allerdings nach Einschätzung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein wahrscheinlich größtenteils nicht erfüllt werden.


Der Naturschutz


Früher wurde die Trave hauptsächlich unter Aspekten der Ertragssteigerung und - sicherung der Landwirtschaft umgestaltet. Die Natürlichkeit des Flusses und der angrenzenden Landschaft nahm somit immer weiter ab. In den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch Naturschutzbemühungen in der Denkweise der Verantwortlichen durchgesetzt, so dass Landschaftspflege, Naturschutz und Gewässerschutz heute einen großen Stellenwert einnehmen.

Sohlgleiten oder auch der systematische Bau von Kläranlagen sorgen für eine bessere Wasserqualität. Schließlich dient das Travewasser der Trinkwasserversorgung. Verunreinigungen durch Abwässer aus den Städten und Gülleeinleitungen von den landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen im Einzugsgebiet hatten zu dieser schlechten Wasserqualität geführt.

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