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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 12:41 Uhr

Eutin : „Die Tragödie in Worte gefasst“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Lesung soll in Eutin an das Schicksal von Flüchtlingen erinnern

Genaue Zahlen gibt es nicht, nur Schätzungen. Etwa 30 000 Menschen sollen laut Amnesty International seit dem Jahr 2000 auf der Flucht nach Europa umgekommen sein. Eines der wenigen, zahlenmäßig belegten Unglücke fand im vergangenen Jahr am 3. Oktober statt, als ein mit 545 Menschen vollkommenen überladener Kutter vor der italienischen Insel Lampedusa sank. 390 Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien ertranken im Mittelmeer.

Der italienische Autor Antonio Umberto Riccò hat über das Drama ein Buch geschrieben – „Lampedusa, 3. Oktober 2013“ thematisiert die Flüchtlingskatastrophe vor einem Jahr. Daraus entstanden ist eine szenische Lesung, die seit ihrer Premiere in Hannover im März diesen Jahres bereits in vielen Städten zu erleben war. Die 25. Station der Lesung ist am Donnerstag, 30. Oktober, Eutin.

Der Friedenskreis, Amnesty International und der Arbeitskreis „27. Januar in Eutin“ haben das Stück nach Eutin geholt – allen voran Lutz Tamchina, Sabine König-Frauz und Miranda Krützfeldt. Im Internet seien sie auf das Projekt aufmerksam geworden, sagten die drei gestern bei der Vorstellung des Programms.

„Antonio Umberto Riccò hat die Tragödie in Worte gefasst“, sagt Sabine König-Frauz. Das Flüchtlingsdrama beleuchtet der Autor aus verschiedenen Perspektiven – aus der der Flüchtlinge, der Einwohner Lampedusas, der Behörden, aber auch der Touristen. Jeder Blickwinkel werde beleuchtet. Flüchtlingen und Co. geben bei der Lesung im Kommunalen Kino „Binchen“ (siehe Infokasten) engagierte Ostholsteiner und Plöner ihre Stimme, erklärt König-Frauz. Neben der Plönerin sind Antje Slawski, Peter Bethke, Kurt Langner und Lutz Tamchina dabei. Begleitet wird das Ganze musikalisch von Francesco Impastato. Der Sänger und Pianist ist auch der einzige aus der Original-Besetzung der in Hannover entstandenen Lesung. Dort hatte sich kurz nach der Tragödie vom 3. Oktober eine Arbeitsgruppe gebildet – „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ will seitdem „jenseits tagesaktueller Berichterstattung auf die dramatischen Umstände der heutigen Migrationswelle aus Afrika aufmerksam machen“, sagen die niedersächsischen Initiatoren.

Die Lesung wird etwa eine Stunde dauern; gefühlt seien es jedoch drei Stunden, sagt Lutz Tamchina augenzwinkernd, um anschließend wieder ernst zu werden. Der Inhalt der Lesung sei sehr umfangreich. Texte, Bilder, Musik. „Es wird auch genügend Zeit geben, ins Gespräch zu kommen“, sagt Tamchina. Es werde sehr einfach, aber sehr intensiv nach Flüchtlingspolitik gefragt, so Tamchina. Und Sabine König-Frauz ergänzt: „Diese Thematik wird uns nicht so schnell in Ruhe lassen.“

„Ich würde mir auch in unserer Region eine andere Willkommenskultur wünschen“, sagt Krützfeldt und stellt den Vergleich mit Kiel an, wo der Bürgermeister vor kurzem Flüchtlinge persönlich begrüßte. Tamchina stimmte dem grundsätzlich zu, entgegnete jedoch, „dass man nicht unterschätzen darf, was bereits an Willkommenskultur läuft“. Als Beispiel nannte der Pastor im Ruhestand den ostholsteinischen Kinderschutzbund, der sich um afghanische Flüchtlingskinder kümmere.

Sabine König-Fraut hat die Hoffnung, dass die Lesung am 30. Oktober erreicht, „dass sich die Menschen mehr mit dem Thema auseinandersetzen“. Denn das Stück soll durch die Schicksale persönliche Betroffenheit auslösen – und die Frage: „Was können wir im Kleinen tun, diese Menschen zu unterstützen?“

I
nfos zum Projekt „Unser Herz schlägt auf Lampedusa“ unter www.lampedusa-hannover.de.

 

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erstellt am 16.Okt.2014 | 13:37 Uhr

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