Die tägliche Bedrohung

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Vortrag des Friedenskreises Eutin in der Kreisbibliothek / Experte sprach über „Atomwaffen ächten – Abrüstung in Zeiten der Krise“

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25. November 2018, 20:29 Uhr

Wir halten Frieden in unserem Land für selbstverständlich. Wir denken über die Bedrohung durch Atomwaffen und die verheerenden humanitären Folgen nicht nach, auch weil das Thema nicht täglich in den Medien präsent ist. Um das wieder ins Bewusstsein zu holen, hatte am vergangenen Freitag der Friedenskreis Eutin zu einem Vortrag mit dem Titel „Atomwaffen ächten – Abrüstung in Zeiten der Krise“ in die Kreisbibliothek eingeladen. Der Referent war Dr. Lars Pohlmeier (Foto), Mitinitiator von International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (Ican), der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, die im vergangenen Jahr für ihren bahnbrechenden Einsatz zur Abschaffung von Atomwaffen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Anti-Atomwaffen-Kampagne hatte maßgeblich am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt, der im Juli unterzeichnet wurde und von mehr als 120 Staaten unterstützt wird.

Pohlmeier berichtete über den Atomwaffensperrvetrag von 1970, geschlossen zwischen den Atommächten USA, der damaligen Sowjetunion, China, Großbritannien und Frankreich, der den Nichtatomwaffen-Staaten den Zugriff auf Atomwaffen verbietet, die Atomwaffenstaaten zu Verhandlungen zur Abschaffung von Atomwaffen verpflichtet, aber die Entwicklung der „zivilen“ Atomenergienutzung fördert und wiederholt gebrochen wurde, ohne dass es Folgen für die Vertragsbrüchigen gäbe. Er erläuterte, dass die Bomben von Hiroshima und Nagasaki im Vergleich zu heutigen Atomwaffen wie Steinzeitwaffen anmuteten und verwies auf die Opfer immer wieder stattfindender Atomversuche, zum Beispiel in Kasachstan, was aber die westliche Wertegemeinschaft nicht rühre.

Auch führte er aus, dass Atomwaffen in ständiger Alarmbereitschaft stünden, wofür es keine Notwendigkeit gäbe, was aber eine riesige Gefahr bedeute. So erzählte er von einer Begebenheit, als 1993 Norwegen eine Satellitenrakete ins All schoss und das Fax, das üblicherweise sechs Wochen vor derlei Aktivitäten an andere Länder gesandt wurde, irgendwo hängengeblieben war. Wenn eine Regierung sich in solch einer Situation bedroht fühlte und nicht besonnen reagierte, wäre schnell eine Katastrophe heraufbeschworen. Und nicht alle Regierungen zeichnen sich derzeit als besonnen aus.

Auch wenn Pohlmeier seinen Vortrag sehr sachlich gestaltete, verbarg er nicht, wie sehr ihn das Thema berührt und was ihn zu solchem Engagement antreibt. Vorbild war ihm der malaysische Arzt Ronald McCoy, der die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“ initiierte und – ganz wichtig – anstelle der „Wut“-Politik konstruktive Lösungen wollte.

Zudem ist es sein christliches Gewissen, das ihn antreibt. Seinen Optimismus, dass es eine Welt geben werde ohne Atomwaffen, speist er aus einem Erlebnis im August 1989, als er, 19-jährig, mit einem Freund am Checkpoint Charlie stand und mit ihm wettete, dass sie beide den Fall der Mauer nicht erleben würden. Nur drei Monate später war diese Geschichte.

Der immer wieder um die Welt reisende Internist, der Verhandlungen beiwohnt, Kontakte knüpft und unermüdlich für die Abschaffung von Nuklearwaffen kämpft, appellierte eindringlich an die Bundesregierung, den Vertrag zur Abschaffung zu unterschreiben, betonte, dass Bremen den BAN-Treaty im Dezember 2017 unterzeichnet habe und forderte das Publikum, bei dem leider jüngere Menschen gar nicht anwesend waren, auf, ihrerseits tätig zu werden und sich zu engagieren.

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