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Bundestagswahl : Die SPD im Rucksack der Kanzlerin

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Vorsitzenden von CDU, SPD und FDP in Ostholstein deuten das Wahlergebnis. Und sie geben ihren Parteien Ratschläge zur Regierungsbildung in Berlin.

Eutin | 58 372 Bürger, rund 9000 mehr als vor vier Jahren, haben sich am Sonntag für Ingo Gädechens als ihren Repräsentanten im deutschen Parlament entschieden. Mit 45,8 Prozent der Erststimmen (2009: 38,6 Prozent) gewann der ostholsteinische CDU-Kreisvorsitzende nicht nur klar das Direktmandat, sondern erzielte auch das zweitbeste Ergebnis seiner Partei in den elf Wahlkreisen im Norden.

„Darauf bin ich schon stolz, zumal ich auch in meiner Heimat auf Fehmarn diesmal die Nase vorn hatte“, sagte er gestern. „Sehr gute Ergebnisse“ habe er ebenso von Bad Schwartau bis Oldenburg in den Kommunen eingefahren, in denen die feste Fehmarnbelt-Querung das Streitthema ist. Vor dem Hintergrund, dass seine Widersacherin Bettina Hagedorn (SPD) plakativ überall ihre Ablehnung des Verkehrsprojektes äußerte, steht für Gädechens fest: „Die Menschen lassen sich keinen Sand mehr in die Augen streuen und finden es besser, wenn ihr Abgeordneter konstruktiv für die Region mit dem Thema umgeht.“

Mit Blick auf die Regierungsbildung in Berlin sieht der CDU-Politiker das „Pokerspiel“ um eine große Koalition bereits eröffnet. Allerdings werde es für die SPD schwierig, sich mit der Rolle eines deutlich kleineren Partners abzufinden. Auf der anderen Seite habe die CDU mit den Grünen wenig Gemeinsamkeiten, „aber möglich ist alles“, verwies Gädechens auf das Zusammengehen beider Parteien im Kreistag. Sein Credo: „Viel hängt jetzt von Personen ab.“ Für sich plant er, seine Tätigkeit im Verteidigungsausschuss fortzusetzen. Und natürlich für Ostholstein zu wirken.

Wie Gädechens hatte auch der SPD-Kreisvorsitzende Lars Winter gestern Abend Beratungen im Landesvorstand seiner Partei im Terminplan. Seine Stimmungslage davor war eher missmutig, denn: „Das Wahlergebnis in Ostholstein ist für mich unerklärlich. Unsere Kandidatin Bettina Hagedorn – sie erhielt 47401 Stimmen, umgerechnet 37,2 Prozent, d. Red. – hätte aufgrund ihrer jahrelangen Aktivitäten im Wahlkreis den Sieg verdient gehabt, doch die Wähler haben das mit der Erststimme nicht anerkannt.“

Ein klares Nein sagt Winter zu einer großen Koalition in Berlin. Seine Begründung: „Juniorpartner der CDU wäre bei diesem Wahlergebnis noch geschmeichelt. Wir wären nur der Kleine im Rucksack und würden von der Kanzlerin getragen.“ Winters Empfehlung an Angela Merkel: „Sie soll doch einmal, wie die CDU in Ostholstein, ihr Glück mit den Grünen versuchen.“ Und in seiner Partei sieht Winter die Zeit reif für einen Generationswechsel in der Führungsriege der Bundestagsfraktion. Parteiched Sigmar Gabriel solle aber bleiben: „Der ist okay.“

Auf einen personellen Neuanfang der Liberalen im Bund setzt der FDP-Kreisvorsitzende Jörg Hansen. Und nannte gleich Namen: „Mit unserem fantastischen Kandidaten Dr. Bernd Buchholz und Wolfgang Kubicki sehen wir zwei wichtige strategische Persönlichkeiten aus unserem Bundesland, die in der jetzigen Phase Verantwortung übernehmen sollten.“

Hansen kritisierte das Wahlfiasko der Liberalen als hausgemacht; „Dieses Votum hat sich seit längerem abgezeichnet, spätestens nach der aggressiven Zweitstimmenkampagne der eigenen Partei auf Bundesebene. Gerade damit wurde die FDP auf eine reine Mehrheitsbeschaffungspartei ohne Inhalt reduziert.“ Ein Trost für ihn sei nur, dass die FDP mit 6,1 Prozent der Zweitstimmen in Ostholstein erneut über dem Landestrend liege.

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erstellt am 24.Sep.2013 | 04:00 Uhr

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