Erzberg-Rodeo : Die Reise zum Motocross-Mekka

Mitgenommen, aber glücklich: So sah Dirk Pohl nach dem Prolog aus. Fotos: Dirk Pohl
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Mitgenommen, aber glücklich: So sah Dirk Pohl nach dem Prolog aus. Fotos: Dirk Pohl

Der Nücheler Dirk Pohl nahm mit seiner 500er Honda am Eisenberg-Rodeo in Österreich teil.

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16. Juli 2012, 11:11 Uhr

Nüchel | Dirk Pohl muss nicht lange überlegen. "Weil wir alle einen Knall haben. Da gehört schon ein Stück Komplettschaden dazu", sagt der 37-Jährige auf die Frage, weshalb er überhaupt am Erzberg-Rodeo teilgenommen hat. Dieses Rennen, das am 10. Juni bereits zum 18. Mal in Eisenerz in der Steiermark stattfand, gilt als eines der härtesten Motocross-Rennen der Welt.

Für Pohl aber war es ein großer Traum, einmal bei diesem Rennen dabei zu sein. "Der Erzberg war wie ein Mekka für mich", schildert der Technische Zeichner aus Nüchel. Eine Art Belohnung, fügt er hinzu. Denn Pohl hat bereits schwere Zeiten durchlitten: Krebserkrankung, Chemotherapie und als die überstanden waren eine schwere Erkrankung seines inzwischen drei Jahre alten Sohnes Till.
Schottersteine flogen wie Geschosse durch die Luft

Wobei man sich auch angenehmere Belohnungen vorstellen kann. Immerhin beinhaltet das Rennen am Erzberg nicht nur eine Strecke über 35 Kilometer, meist nur über Schotter und Geröllfelder. Sondern teilweise Steigungen von 60 Prozent und verschiedene Schikanen.

1800 Fahrer dürfen zum Prolog starten. Nur 500 von ihnen qualifizieren sich für das eigentliche Rennen. Dirk Pohl mit seiner Honda CR 500 AF war einer von ihnen. Alleine die Anmeldung war schon eine Herausforderung. "Bei der Internet-Anmeldung kam ich gleich beim ersten Versuch rein. Danach aber brach der Server für einige Stunden zusammen", erinnert sich Pohl. Bei der ersten Probebesichtigung der Strecke hatte er "so richtig die Hosen voll". Diese Angst kam nicht von ungefähr. Neben einem Helm musste Pohl bei der Fahrt auch einen Brustpanzer tragen - wegen der Schottersteine der zuvor gestarteten Fahrer, die wie Geschosse durch die Luft flogen. "Rund um den Panzer war ich hinterher grün und blau", erinnert sich Pohl. Doch diese blauen Flecken waren schnell vergessen: "Ich konnte sogar einige Werksfahrer hinter mir halten", ist der Nücheler noch immer sehr stolz.
Nur vier Fahrer kamen ins Ziel

Beim Hauptrennen am nächsten Tag, dem so genannte "Hasen-Gerangel" (Hare Scrumble), starteten dann die verbliebenen 500 Fahrer in drei Wellen. 16 Etappen galt es zu bewältigen. Die erste, die "Wasserleitung" mit 60 Prozent Steigung, schaffte Pohl noch. Doch bei "Carls Diner", einer rund 2,5 Kilometer langen Geröllhalde, ging die Kupplung von seiner Maschine Kaputt. "Die trennte schon beim Prolog nicht mehr richtig", sagt Pohl. Und auch, wenn er das Rennen nicht beenden konnte, so sei er nicht enttäuscht. "Ich hatte für mich persönlich gewonnen", beschreibt Pohl. Sein Ziel sei es gewesen, überhaupt dabei zu sein und beim Prolog gut abzuschneiden. Das habe er geschafft. Außerden befindet Pohl sich mit seiner Aufgabe in guter Gesellschaft: Von den 500 qualifizierten Startern kamen nur vier ins Ziel.

Vor dem Erzberg-Rodeo hatte Dirk Pohl gesagt: "Es ist das erste Mal, und das wird es mit Sicherheit auch bleiben." Ganz so rigoros ist er inzwischen nicht mehr. Obwohl er seine reparierte Honda bereits verkauft hat. "Dann müsste ich eben mit meiner 250er Suzuki starten. Oder mir ein ganz neues Motorrad besorgen", sagt er versonnen. Und das Blitzen seiner Augen lässt eine weitere Reise in sein Mekka sehr wahrscheinlich wirken.

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