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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 06:52 Uhr

„Die Realität hat uns überholt“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Flüchtlingssituation jetzt deutlich entspannt / Innenminister besucht Erstaufnahmestellen im Kreis Plön

von
erstellt am 22.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Die Flüchtlingssituation hat sich in den letzten Wochen auch in Salzau deutlich entspannt. Dennoch sieht Innenminister Stefan Studt (SPD) dies als eine besondere Herausforderung für das kommende Jahr. Das machte der Minister gestern bei einem Besuch in Flüchtlings-Erstaufnahmezentren in Kiel, Salzau, Lütjenburg, Putlos, Lübeck und Wentorf deutlich. Heute und Morgen wird er weitere Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes besuchen, um sich ein Bild vor der Situation vor Ort zu machen.

Nirgends wird die Situation deutlicher als in der Erstaufnahme in Salzau. Ein leuchtender Tannenbaum steht in der großen Eingangshalle. Hier wimmelte es kurz nach der Eröffnung nur von Menschen. Jetzt ist der Raum verwaist wie die meisten Zimmer. Von den einst 329 Flüchtlingen leben derzeit nur noch 66 in Salzau, sagt Gerhard Kiekebusch, der Objektleiter. Darunter sind nur noch fünf Babys und sechs Kleinkinder. „Die Situation hier ist schon fast familiär, eher wie in einer Jugendherberge“, beschreibt es der Hausleiter. Der Busverkehr in die Nachbarorte ist bereits mangels Nachfrage eingestellt worden. Weitere Verteilungen von Flüchtlingen wird es wegen der Weihnachtstage vorerst nicht geben (s. Seite 15).

Ganz anders die Situation in der ehemaligen Schill-Kaserne in Lütjenburg, die erst vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Dort sind gegenwärtig 404 Flüchtlinge untergebracht. Und es werden weitere erwartet. Obergrenze ist derzeit 600, im nächsten Jahr sollen es aber bis zu 1000 werden. Die Voraussetzungen dafür stimmen. „Jede Bundeswehreinrichtung ist besser als ein Containerdorf“, fasst der Minister seinen Besuch dort zusammen.

Im Deutschunterricht drängen sich heute nur gut zwei Dutzend Schüler aller Altersgruppen bis hin zu Erwachsenen. Mehrzad Saadatmandi kommt aus dem Iran, lebt heute in Heikendorf. Weil er perfekt Deutsch spricht ist er als Lehrer engagiert worden. „Wir haben Tage, da stehen die Schüler noch, so voll ist es“. Sie wollen lernen, wollen die Sprachen verstehen. Eine junge Mutter spricht den Minister an. Sie möchte ihre drei Kinder gerne möglichst bald zur Schule schicken. Der Minister verweist auf den bereits angekündigten Besuch des Schulrates des Kreises Plön am Nachmittag. Er soll dann Vorschläge für das Ministerium machen. „Der Unterricht kommt“, verspricht der Minister.

In der nahen Kleiderkammer stapeln sich die Säcke mit Kleidung und Kisten mit Spielzeug. Montagmorgen hat sie das erste Mal aufgemacht. Und schon in den ersten drei Stunden kamen die Bürger, brachten säckeweise Kleidung vorbei. Im Saal selbst werden diese von freiwilligen Helfern des Roten Kreuzes aus Lütjenburg sortiert. Weiter geht es in den Speisesaal der Kaserne. Auch hier ist die Situation mehr als entspannt. Auch Bürgermeister Dirk Sohn bestätigt dem Minister das positive Echo seitens der Bevölkerung in Lütjenburg.

Einen Erfassungsstau für Flüchtlinge gebe es derzeit nicht mehr, so der Minister. Anfang des Jahres sollen auch die Standorte für eine Erstaufnahme neu bewertet werden. Absicht sei, sich auf wenige Standorte wie Kiel, Eggebek, Rendsburg, Leck, Husum und Lütjenburg zu konzentrieren – wenn die Situation es zulasse. Der Vertrag für die Kaserne sei auf fünf Jahre geschlossen mit einer Option für weitere fünf Jahre. „Lütjenburg steht derzeit nicht auf der Prüfliste“, so Studt. Die Kaserne Putlos dagegen sehr wohl. Sobald die Zahlen es zuließen, soll die Einrichtung an die Bundeswehr zurückgegeben werden.  

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