Plön : Die Plöner Tafel muss ausziehen

Informationsbesuch bei der Plöner Tafel: (von Links) Vorsitzender Stefan Thomsen erklärt den CDU-Vertretern Gerald J. Wick, André Jagusch und Heike Charlotte Pracht mit Sohn Johannes die Abläufe.  Fotos: Michael Kuhr
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Informationsbesuch bei der Plöner Tafel: (von Links) Vorsitzender Stefan Thomsen erklärt den CDU-Vertretern Gerald J. Wick, André Jagusch und Heike Charlotte Pracht mit Sohn Johannes die Abläufe. Fotos: Michael Kuhr

Die Stadt Plön stellt auf Antrag der CDU-Fraktion 10 000 Euro für den bevorstehenden Umzug innerhalb Plöns zur Verfügung

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22. November 2018, 16:19 Uhr

Ihren 20. Geburtstag in zwei Jahren wird die Plöner Tafel nicht in ihrem Haus in der Ecke Lütjenburger Straße/Krabbe feiern. „Dort sollen 18 Mietwohnungen entstehen“, sagte Tafel-Vorsitzender Stefan Thomsen. Er rechnet in den nächsten Monaten mit der Kündigung durch den Eigentümer. Die Bemühungen um ein neues Domizil für die Tafel in Plön sind auf einem guten Weg.

Der Mietvertrag ist in Vorbereitung. Es stehen dort 450 Quadratmeter Grundfläche zur Verfügung. Es ist gut zu Fuß erreichbar und wiederum nicht gut einsehbar – was von Vorteil für die „Kunden“ ist, weil viele Scham haben. Thomsen will das neue Domizil erst nennen, wenn der Mietvertrag unter Dach und Fach ist und die Kosten geklärt sind. Denn: Statt bisher 450 Euro muss mit 1000 Euro mehr als doppelt so viel an Kaltmiete gezahlt werden – zuzüglich der Nebenkosten, aktuell 300 Euro nur für den Strom der Kühlung. „Es wird aber auch eine Verdoppelung der Qualität eintreten“, ist sich Stefan Thomsen sicher. Die Kosten für den bevorstehenden Umzug bezifferte er mit bis zu 20 000 Euro.

Dem ehemaligen CDU-Ratsherrn kommt eine Initiative der aktuellen CDU-Ratsfraktion um André Jagusch sehr Recht. Auf Antrag der CDU und einstimmiger Zustimmung in den städtischen Gremien stellt die Stadt Plön der Tafel als Grundlage für den Umzug 10 000 Euro zur Verfügung. Gemeinsam mit Heike Charlotte Pracht, ihrem neunjährigen Sohn Johannes und Gerald J. Wick überbrachte Jagusch die frohe Kunde über den städtischen Zuschuss, der zurzeit mit einem Sperrvermerk im noch von der Ratsversammlung zu beschließenden Haushalt versehen ist.

„Der Wegfall der Tafel für Plön wäre schlimm“, sagte André Jagusch. Deshalb will die CDU auch dafür sorgen, dass die Tafel den Plöner bewusster wird. Zum Beispiel mit Punschständen auf dem Marktplatz. Danach sollten die Einnahmen an die Tafel gegeben werden. „Das soll Beispiel auch für andere sein“, hofft der Plöner CDU-Mann Jagusch.

Über 840 Menschen aus 280 Familien aus Plön, Wankendorf, Ascheberg und Lütjenburg werden aktuell von der Tafel versorgt. Die meisten kommen aus Plön: freitags sind es etwa 80 und mittwochs rund 120 Familien, die zur Tafel kommen und sich seit April dieses Jahres wie in einem Supermarkt mit frischen Lebensmitteln versorgen. Dafür geben sie stets eine Spende von 2 Euro. „So kommen im Jahr schon mal etwa 20 000 Euro zusammen“, rechnet Thomsen vor.

Er selbst ist seit dreieinhalb Jahren als Nachfolger von Roswitha Soltau dabei und führt die Plöner Tafel wie ein kleines Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern – darunter 35 Ehrenamtler aber auch Euro-Jobber, Hartz IV-Empfänger oder Kräfte von Arbeiterwohlfahrt oder Land in Sicht. Sie sind montags bis samstags von 9 bis 15 Uhr für die Tafel im Einsatz, beschaffen täglich bis zu vier Tonnen Lebensmittel aus den Supermärkten in der Umgebung und sind dafür pro Tag bis zu 260 Kilometer unterwegs.

„An Lebensmitteln könnte es etwas mehr sein“, wünscht sich Stefan Thomsen. Da hätten es die Tafeln in den Städten etwas einfacher. „Wir müssen weite Wege für die Lebensmittel fahren.“ Deshalb muss auch bald ein neues Fahrzeug her. Kostenpunkt: rund 42 000 Euro. Der aktuelle Lieferwagen hat schon reichliche 160 000 Kilometer auf dem Tacho. Ein neues Auto könnte mehr laden und sei damit effektiver im Einsatz für die Tafel.

„Wir mussten in den vergangenen Wochen sogar die Versorgung von vier Familien mit etwa 25 Menschen ablehnen“, sagte Thomsen traurig. „Es ist nicht mehr zu schaffen und es gibt weniger Waren.“ Und dass Menschen sich von der Tafel abmelden sei eher selten. Die vier Familien seien um Geduld gebeten worden. „Damit sie nicht hungern müssen, kommen sie um 15 Uhr zur Tafel und schauen, was andere nicht benötigen und zurückgelassen haben“, erzählt Thomsen.

Viele Betroffene kommen aber auch gar nicht zur Tafel: aus Scham. Sie müssten sich vorher einen Berechtigungsschein aus dem Rathaus besorgen. Zunehmend seien auch ältere Menschen zum Gang zur Tafel gezwungen, beobachtet Thomsen. Etwa 40 Prozent der „Kunden“ seien bereits ältere Menschen – Tendenz steigend. Pro Familie wird ein Warenwert zwischen 40 und 60 Euro pro Woche von der Tafel ausgegeben.

Informationen zur Plöner Tafel gibt es bei Stefan Thomsen (Tel. 04522/ 7898958, st@stefan-thomsen.com)

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