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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 11:30 Uhr

Eutiner Festspiele : Die Meister im Hintergrund

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreativität ist beim Bühnenbau für die Festspiele gefragt. 2016 liegt die besondere Herausforderung im Zeitplan: Bereits Ende April – püntklich zur LGS-Eröffnung – muss alles fertig sein.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2015 | 18:08 Uhr

Die Vorbereitungen für die LGS sind rund um den Grünen Hügel in vollem Gange. Lediglich an den Festtagen pausieren die kreativen Köpfe in und die Handwerker vor der Opernscheune. Aber was geschieht hinter den Kulissen? Ein Besuch in Langenhagen.

Arend Knoop, Technischer Direktor, ist froh, die einst für das Autohaus genutzte Halle nun für die Festspiele zu haben. „Seit ersten Dezember sind wir hier schon wieder fleißig dabei“, sagt er. Die Tür geht auf. Die großen Pharaonen lehnen an einer Hallenwand. Das einstige Aida-Bühnenbild soll für die nächste Festspielzeit übermalt und umgebaut werden. Auf Paletten sind Holzplatten gestapelt, auf Böcken stehend wird gerade ein Torbogen geleimt für „Carmen“.

Immer mindestens zwei bis drei „Allround“-Handwerker, wie Knoop sie nennt, sind sechs Tage die Woche im Einsatz für die Festspiele. „Diese Spielzeit hält einige Herausforderungen bereit: Der schnelle Wechsel der Bühnenbilder quasi über Nacht, der frühe Zeitpunkt des Aufbaus und das alles direkt im LGS-Gelände“, sagt Knoop.

Ursprünglich war geplant, viel mehr von den vorhandenen Bühnenbildern zu verwenden. Doch nach genauer Sichtung des Modells der Bühnenbildnerin Ursula Wandaress wurde klar – „wir müssen bestimmt drei Viertel neu bauen allein für ‚Carmen‘ und den ‚Freischütz‘“. Das Bühnenbild des „Vogelhändlers“ kann bis auf Kleinigkeiten wieder verwendet werden.

Wichtigster Mann neben Knoop ist Tischler und Zimmermeister Heinrich Bollow, der seit 1988 die Bühnenbilder für die Festspiele konstruiert und baut. Angefangen hat Bollow damit einst als überbetrieblicher Ausbildungsleiter in der Eutiner Sievertstraße. Schon damals habe das Erbauen der Bühnenbilder rund 1600 Arbeitsstunden gebraucht. „Da liegen wir heute deutlich drüber“, sagt Knoop. Vieles wurde professioneller. Auch das Gesamtbudget von rund 100  000 Euro für Material und Arbeitsstunden sowie 20  000 Euro für die Elektrik reiche nicht aus. „Aber das ist halt so. Das mache ich, das machen wir gern für die Festspiele.“ Und über Heinrich Bollow meint er: „Das ist mittlerweile sein Lebenswerk geworden.“ Von Mai bis September lebe er praktisch mit seinem Wohnmobil auf dem Grünen Hügel. In diesem Jahr wird es noch eher: „Wir wollen Mitte, spätestens Ende Februar fertig sein und dann mit dem Aufbau in Eutin beginnen“, sagt Knoop.

Die eigentliche Herausforderung komme laut Bollow erst vor Ort. „Denn im Gegensatz zu jedem Theater haben wir ja keine Geraden, auf denen wir die Bilder bauen können, sondern Unebenheiten und Schrägen. Das muss alles angepasst werden“, sagt Bollow. Erfindungsreichtum ist gefragt. Denn wesentliche Elemente wie die Treppe und die verschiedenen Bühnenzugänge für die Künstler bleiben, müssen von Stück zu Stück aber verschieden aussehen. „Alles, was wir machen, ist Handarbeit. Jedes Stück wird zusätzlich geleimt, damit es den Wetterbedingungen vor Ort standhält“, sagt Bollow. Jedes Teil wird per Hand auf der Bühne verbaut und getragen – in diesem Jahr ist das eine noch größere Herausforderung. „Denn wir haben ja zwischen ‚Carmen‘ und dem ‚Freischütz‘ praktisch nur eine Nacht ohne Besucher“, sagt Knoop. Neben Bau und Planung schaut er sich in Theaterhäusern an, wie der „Freischütz“ inszeniert wird. „Es ist Wahnsinn, was man alles mit Licht machen kann“, erzählt er fasziniert. Heinrich Bollow relativiert: „Im Theater ist vieles machbar und auch einfacher umsetzbar, da hängt ja alles an Zügen.“ Auf dem Festspiel-Hügel sei alles noch echte Handarbeit, die jedes Jahr aufs neue sehenswert sei, selten aber Beachtung finde, wie die Künstler im Rampenlicht.

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