Die Mehrheit möchte ein Hotel

Noch ist die Gastronomie temporär, das könnte sich mit dem Bau eines Inklusionshotels ändern / Meinungen der Parteien zum Thema

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28. April 2018, 00:28 Uhr

Wer am Wochenende bei der Eröffnung der Stadtbucht-Lounge war, konnte vielleicht erahnen, wie gut Eutin eine dauerhafte Lösung an dieser 1a-Lage stünde. Das Inklusionshotel mit Alleinstellungsmerkmal in der ganzen Region ist von allen Fraktionen außer den Freien Wählern gewollt. Reinhard Sohns, Geschäftsführer von „Die Ostholsteiner“, würde das Thema am liebsten aus dem Wahlkampf raushalten: „Es ist ein so wunderbares Projekt, das nicht mit der negativen Energie und den unsachlichen Argumenten aus dem Bürgerentscheid aufgeladen werden soll.“ Doch als er von falschen Hotel-Visualisierungen des FWE-Kandidaten Ivo Stock auf Facebook erfuhr, wollte er noch einmal in Erinnerung rufen: „Ich warte bis die planungsrechtlichen Voraussetzungen seitens der Stadt geschaffen wurden, um dann den angekündigten Architekturwettbewerb ausloben zu können. Mit den Ergebnissen rechne ich im Herbst“, sagte Sohns. Die Ergebnisse sollen den Eutiner vorgestellt werden, eine breitbesetzte Jury den Sieger küren. Das, was da geschehe, sei unsachlicher Wahlkampf.

Der Ostholsteiner Anzeiger hat vor der Kommunalwahl nachgefragt, wie die Parteien das Vorhaben der „Ostholsteiner“ konkret unterstützen wollen. „Die CDU steht hinter dem vorgestellten Konzept des Inklusionshotels durch die Ostholsteiner. Aus unserer Sicht kann das Konzept nur unterstützt werden, in dem wir die baurechtliche Voraussetzung für die Umsetzungschaffen. Der bestehende Anhandgabevertrag gibt dem Vorhabenträger die Grundlage dafür“, sagte Fraktionsvorsitzender Matthias Rachfahl.

Auch die SPD unterstützt das Projekt. FRaktionsvorsitzender Hans-Georg Westphal dazu: „Die Stadt ist Grundstückseigentümer und zuständig für die Bauleitplanung. In einem städtischen Tourismuskonzept hätte das Inklusionshotel einen zentralen Stellenwert und Alleinstellungsmerkmal in der Region.“

„Wir wollen das Inklusionshotel“, sagen auch die Grünen. „Es wird groß genug für Busgruppen, aber klein genug für die Umgebung. Es wird immer Hotel bleiben und ein Café haben. Der Investor will die Gestaltung offen legen und auf Wünsche eingehen. Besseres kann Eutin nicht passieren, deshalb beschleunigen wir, wo wir Einfluss haben“, sagen Christiane Balzer und Monika Obieray (Grüne).

Wie die vorhergehenden Fraktionen, so unterstützen auch die Freien Demokraten das Vorhaben: „Die FDP wird die Realisierung eines Hotelneubaus an der Stadtbucht durch das gemeinnützige Unternehmen mit Nachdruck unterstützen und fördern. Als Integrationshotel leistet es zudem einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Stadt Eutin hat dem zukünftigen Investor einen vernünftigen Planungsstart ermöglicht“, antwortet Fraktionsvorsitzender Jens-Uwe Dankert. Allerdings kündigte er an „mit Augenmaß“ die Baupläne zu bewerten, „ es soll für uns alle, Einwohner und Touristen, ein gelungenes und nutzbringendes Bauwerk an der schönsten Stelle der Stadt werden“.

Die Freien Wähler unterstützten als einzige Fraktion den zweiten Bürgerentscheid, dessen Ergebnis vergangenen August mit dem Abriss des Haus es Gastes umgesetzt wurde. Sie waren und sind weiterhin gegen ein Hotel an diesem Ort, schlagen im Wahlkampf stattdessen ein Hotel in der Nähe des Schwimmbades vor. „Wegen Platzmangels ist nur ein Hotelklotz möglich. Das Panorama würde negativ verändert. Unser Vorschlag: An der Stadtbucht ein Kultur-Cafe`mit öffentlichenm WC errichten“, so Malte Tech. Außerdem zweifeln die Freien Wähler die Wirtschaftlichkeit des Hotels an, da die Schließung des Kleinen Hotels zum Jahresende bevorsteht (wir berichteten). Doch Sohns hatte bereits vergangenen Sommer gesagt, dass einem Projekt wie dem Inklusionshotel ganz andere Fördertöpfe zur Verfügung stehen. So soll die Wirtschaftlichkeit des vergleichsweise kleinen Hotels (maximal 45 Zimmer) durch Mittel aus dem Topf der Schwerbehindertenabgabe erreicht werden, wie wir damals berichteten.

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