Eutiner Wochenmarkt : Die Markthändler trotzen der Kälte

Ihm kann es nicht kalt genug werden: Helmut Passow macht bei kalten Temperaturen mit seinen Wollprodukten ein gutes Geschäft.  Fotos: Norden
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Ihm kann es nicht kalt genug werden: Helmut Passow macht bei kalten Temperaturen mit seinen Wollprodukten ein gutes Geschäft. Fotos: Norden

Die Wasserleitungen sind zugefroren. Und auch Blumen, Kartoffeln, Eier und Fisch müssen von den Verkäufern auf dem Eutiner Markt vor der Kälte geschützt werden.

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02. Februar 2012, 11:58 Uhr

Eutin | Es ist Mittagszeit, die Sonne scheint, aber es weht ein kalter Wind zwischen den Ständen auf dem Wochenmarkt. Die Händler sind dick angezogen. Die meisten sind schon seit sechs Uhr hier, aber gemeckert wird nicht. Im Gegenteil: Die erfahrenen Verkäufer wissen, wie man sich vor der Kälte schützt.

Ein Heizstrahler gehört bei Minusgraden zur Grundausstattung. Auch bei Axel Münster vom gleichnamigen Obsthof steht ein Exemplar hinter dem Verkaufstisch. Seinen Stand hat er hinten und an den Seiten mit Planen gegen den eisigen Wind geschützt. Tochter Iris Pries empfiehlt das "Zwiebel-Prinzip". Sie zieht ein oder zwei Schichten mehr als sonst an. Positiver Nebeneffekt: "Man wird im Sommer gefragt, ob man abgenommen hat", schmunzelt sie.
Ein Drittel weniger Umsatz an kalten Tagen

Antje Susann-Marquardt ist schon um halb zwei in der Nacht aufgestanden. "Ich musste auf dem Großmarkt in Hamburg neue Ware besorgen. Da war es kalt!" An ihrem Blumenstand in Eutin gibt es nur zwei Guckfenster, durch die sie die Kunden bedient. Der Rest des Wagens ist mit Styropor isoliert. Blumen sind besonders kälteempfindlich. Das wissen auch die Kunden. Marquardt merkt, dass viele gar nicht erst auf den Markt kommen. Mit einem Drittel weniger Umsatz müsse sie an kalten Tagen rechnen. "Wenn das Thermometer auf minus acht Grad sinkt, fahren wir schon gar nicht mehr auf den Markt", erklärt die Offendorferin. Dann helfe selbst der beste Kälteschutz nicht, und spätestens auf dem Heimweg der Kunden gingen die Blumen kaputt.

Mit Schwund hat auch Wolf-Heinrich Schumacher zu kämpfen. Der Landwirt verkauft Kartoffeln und Eier - und auch diese Produkte müssen vor Kälte geschützt werden. Die Kartoffeln hält er in seinem Transporter warm und holt sie nur in 2,5-Kilo-Portionen zum Verkauf heraus. Bei zu viel Kälte werden sie sonst süß. Gestern Morgen ist ihm sogar schon eins der Eier geplatzt. Das passiere eigentlich erst bei minus zehn Grad, so der Hassendorfer.

Frischem Fisch dürfte Kälte eigentlich nichts ausmachen, denken viele Kunden. Fischverkäuferin Michaela Römer widerspricht: "Bei uns liegt der Fisch in der Auslage zwar auch auf Eis, aber irgendwann ist es auch für ihn zu kalt." Auch Lachs, Karpfen, Scholle und Co werden in Styropor-Kisten geschützt.
Brunnen musste mit Feuer enteist werden

Noch mehr Probleme bereitet allerdings die Wasserversorgung auf dem Markt. "Die Leitungen sind zugefroren", erklärt Römer. Sie mussten den Brunnen mit einem kleinen Feuer enteisen. Und abdrehen könne man danach auch nicht mehr. Das Wasser müsse die ganze Zeit laufen, sonst friere die Leitung innerhalb von wenigen Minuten wieder zu.

Derlei Probleme kennt Helmut Passow nicht. Der Lübecker verkauft Socken, Westen und Felle aus Schafwolle - genau das Richtige bei dem Wetter. Kalt ist ihm jedenfalls nicht, denn er trägt seine dicken Wollsocken.

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