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Arbeitskreis 27. Januar : Die Leiden der Sinti und Roma

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Arbeitskreis 27. Januar widmet sich dem Schicksal der Minderheit im Nationalsozialismus und nach dem Ende des NS-Regimes

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Mit der Freizügigkeit für Bulgarien und Rumänien sind sie in den Fokus einer mit Ressentiments und Ängsten befeuerten Debatte gerückt: Sinti und Roma. Dazu passend widmet sich der Arbeitskreis 27. Januar anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus dieser Minderheit, deren Vertreter immerhin seit 600 Jahren in Deutschland leben.

Die Leiden der Sinti und Roma seien mit dem Ende des NS-Regimes nicht beendet gewesen, erklärte Prof. Klaus Wächtler, als er das Programm gestern mit Pastor i.R. Lutz Tamchina, Käthe Birkenfeldt und Erika Hofmann der Presse vorstellte. Die Diskriminierung habe mindestens bis in die 70er Jahre angedauert, zitierte Wächtler den Leiter des Zentrums für Antisemitismus-Forschung an der Technischen Universität Berlin, Wolfgang Benz. So seien Anträge auf Entschädigung mit den gleichen rassistischen Vorurteilen begründet worden, die vom NS-Staat zur Verfolgung der Minderheit benutzt worden seien. „Zigeuner“ seien aus Veranlagung als kriminell diffamiert worden, ihre Internierung im Dritten Reich habe nur polizeilich präventive Gründe gehabt. Erst spät hätten Gerichte Klagen von Sinti und Roma auf Entschädigung recht gegeben. Und noch viel später seien sie in die Gedenkkultur der Nachgeborenen aufgenommen worden.

Kernstück ist eine Ausstellung aus dem Haus der Kulturen in Lübeck mit dem Titel „Sie sind kriminell und arbeitsscheu – zur Geschichte der Sinti und Roma in Lübeck im 20. Jahrhundert“ in der Eutiner Kreisbibliothek. Zur Eröffnung am Dienstag, 28. Januar, um 19.30 Uhr wird der Vorsitzende des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, Mathäus Weiß, erwartet. Für die Dauer der Ausstellung bis zum 22. Februar sollen auch Führungen mit Schulklassen möglich sein. Sie werden von Mitgliedern des Arbeitskreises übernommen und können mit der Kreisbiliothek abgesprochen werden.

Einen Vortrag mit dem Titel „Vergessene Opfer? Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma“ hält Dr. Yvonne Robel am Freitag, 31. Januar, ab 19.30 Uhr in der Kreisbibliothek. Die Kulturwissenschaftlerin an der Universität Bremen ist Mitherausgeberin des Sammelbands „Antiziganistische Zustände. Zur Kritik eines allgegenwärtigen Ressentiments“ (Unrast 2009). Der Vortrag soll die zunehmende Radikalisierung der Verfolgung zwischen 1933 und 1945 nachzeichnen, um anschließend zu fragen, warum es in der Bundesrepublik erst in den 1980er Jahren zögernd gelang, das langjährige „Verschweigen“ des Völkermords zu durchbrechen. Renate Schack, Beauftragte des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten in Angelegenheiten nationaler Minderheiten und Volksgruppen, wird an dem Abend ein Grußwort sprechen.

Mehrere Filme im Kommunalen Kino Binchen (Albert-Mahlstedt-Straße 2) werden sich ebenfalls dem Thema widmen. Am Sonnabend, 1. Februar, läuft ab 20 Uhr ein Dokumentarfilm von Christian Bock. Titel: „Chronik eines vergessenen Volkes: Aus dem Leben der Zigeuner in Osteuropa“. Veranstalter sind der Arbeitskreis zusammen mit der Kreisbibliothek, Amnesty International und das Forum Justizgeschichte. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Weitere Filme sind in Planung.

Vom 28. Januar bis zum 12. Februar ist außerdem ein Büchertisch im Lesesaal der Kreisbibliothek mit Materialien zum Gedenktag an die Sinti- und Romaopfer des Nationalsozialismus geplant. Darunter werden sich Dokumente zur Gedenkstunde am 27. Januar 2011 im Deutschen Bundestag befinden, in der Zoni Weisz an die Ermordung der Sinti und Roma erinnerte. Außerdem sind Beiträge zur Einweihung des den Sinti und Roma gewidmeten Mahnmals in Berlin vom 24. Oktober 2012 und zur Deportationsgeschichte in Hamburg und Lübeck zu finden.

Am eigentlichen Gedenktag, dem 27. Januar, besucht der Arbeitskreis um 11.30 Uhr den Ehrenfriedhof Cap Arcona in Scharbeutz-Haffkrug. Hier wurden 1128 der mehr als 8000 Toten bestattet, die bei der irrtümlichen Bombardierung mehrerer Häftlingsschiffe in der Lübecker Bucht durch die englische Luftwaffe am 3. Mai 1945 ums Leben gekommen waren. Um 13 Uhr ist dann ein Besuch der Ausstellung zu diesen Ereignissen im Kremper-Tor-Museum in Neustadt geplant. Dabei wird Wilhelm Lange durch die Ausstellung führen.

 

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