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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 11:53 Uhr

Plön : Die Lehre der Muslime für den Frieden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Diskussions- und Vortragsabend der Jugendorganisation Ahmdiyya Muslim Jamaat. Schirmherr Paustian wirbt für den offenen Dialog

von
erstellt am 15.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Es hatte in der Vergangenheit sicher schon leichtere Termine für ihn gegeben. Und eine gewisse Anspannung ist Jens Paustian dann auch anzumerken, als er an diesem Dienstagabend in der Aula am Schiffsthal an das Rednerpult schreitet, um ein Grußwort an die rund 60 interessierten Besucher der Veranstaltung „Stoppt den Terror! Was lehrt der Islam wirklich?“ zu richten.

Plöns Bürgermeister ist Schirmherr für diesen Ausstellungs- und Vortragsabend der muslimischen Jugendorganisation Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) und hatte damit schon im Vorfeld in einigen politischen Gremien der Stadt für Kopfschütteln gesorgt (der OHA berichtete). Gekommen ist er trotzdem, auch in offizieller Funktion als Vertreter der Stadt, um ein persönliches Zeichen in dieser interreligiösen Debatte zu setzen, wie Paustian in seiner Rede ausführt. Keineswegs gehe es ihm dabei um eine Bekehrung oder ähnliches, sondern um einen offenen Dialog. „Wir müssen verstehen, wollen aber natürlich auch verstanden werden. Und das geht eben nur, wenn man aufeinander zugeht und miteinander spricht, so wie das hier heute geschehen soll.“

Tatsächlich findet das Anliegen des Bürgermeisters und Schirmherren in Personalunion an diesem Abend dann auch Gehör. Mehr als die Hälfte der knapp zweieinhalbstündigen Veranstaltung widmet die AMJ-Gemeinde der Beantwortung von Fragen aus dem Zuschauerbereich und nimmt dabei zu den verschiedensten Themenfeldern Stellung: Wie steht der Islam zur Gleichberechtigung von Mann und Frau? Wie reagiert ein Muslim auf die Beleidigung seines Glaubens? Oder: Warum kann sich eine Terrororganisation wie der „Islamische Staat“ scheinbar auf Grundsätze des Islam berufen? Daud Ata, Bundesvorsitzender der Abteilung interreligiöser Dialog und Hauptredner des Abends, macht für die vielen Gräueltaten im Namen des Islam in heutiger Zeit vor allem die mangelnde Bildung in Teilen Afrikas oder Syriens verantwortlich und mahnt eine intensivere Beschäftigung mit den Geboten des Korans. „Nirgends steht dort geschrieben, dass Frauen unterdrückt oder Ungläubige gefoltert und getötet werden dürfen.“ Und Adeel Ahman Shad, Imam und Theologe der AMJ in Kiel, ergänzt: „Unser Glaube erlaubt die Anwendung von Gewalt allerhöchstens im Verteidigungsfall, und auch dann nur in Maßen.“ Muslimen mit einer gewissen Sympathie für die ultrakonservative Strömung des Salafismus müsse man daher vor allem mit Inhalten bekehren, „frei nach dem Motto: Das, was du da glaubst, wird durch keine Zeile des Koran gerechtfertigt und ganz im Gegenteil sogar bestraft.“
Für Jens Paustian sind es diese Art von Erkenntnissen, welche ihn am Ende des Abends zufrieden Bilanz ziehen lassen. „Ich habe einfach aufmerksam zugehört und schon so einiges erfahren, was meine Sicht auf den Islam positiv beeinflussen wird.“ Ob er die Skepsis vieler Plöner gegenüber der Religion und seiner Schirmherrschaft für diese Veranstaltung dennoch etwas nachvollziehen könne? „Kritik ist immer gut. Trotzdem würde ich immer wieder hierherkommen, weil ich einfach glaube, dass es nur mit-, und nicht gegeneinander geht.“  

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