Die Kinderinsel setzt Zeichen gegen Bewegungsarmut

Bei der Übergabe des Zertifikats: Uta Steinkamp, Juliane Scheele, Steffi Schwarz und Klaus Rienecker (hinten, von links) mit Kindern der Kinderinsel.
Bei der Übergabe des Zertifikats: Uta Steinkamp, Juliane Scheele, Steffi Schwarz und Klaus Rienecker (hinten, von links) mit Kindern der Kinderinsel.

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08. Juli 2015, 10:10 Uhr

Die Warnungen werden immer lauter: Viele Kinder bewegen sich nicht mehr genug. Jedes fünfte Kind zeigt beim Einschulungstest motorische Probleme.

Die Eutiner Kindertagesstätte Kinderinsel des Kinderschutzbundes Eutin will dieser Mahnung konkret begegnen – durch viel Bewegung. Nach drei Jahren Vorbereitung ist die Kinderinsel – wie gestern kurz berichtet – als erste Kita im Kreis mit dem Siegel „Anerkannter Bewegungskindergarten“ des Landessportverbandes ausgezeichnet worden. Für drei Jahre bescheinigt das Zertifikat der Einrichtung, dass sie sich besonders um die sensorisch-motorischen Fähigkeiten der Kleinen bemüht.

Seit Herbst 2013 arbeitet das von Uta Steinkamp geführt Team der Kita an der Anerkennung: Sicherheitstechnischen Überprüfungen und Fortbildungen gehörten dazu, drei Erzieherinnen erwarben eine C-Lizenz-Ausbildung, eine vierte eine psychomotorische Zusatzqualifikation. Größe und Gestaltung der Bewegungsräume sowie der Außenanlagen waren weitere Voraussetzungen. Mit der Urkunde, die Steffi Schwarz von der Sportjugend Schleswig-Holstein und Fachreferent Klaus Rienecker an Uta Steinkamp und Juliane Scheele vom Kinderschutzbund überreichten, fängt die Arbeit eigentlich erst richtig an – vor allem bei der Zusammenarbeit mit Eutiner Sportvereinen. Die war von Steffi Schwarz als beispielhaft bezeichnet worden.

In der Kita geschaffen worden sind vielfältige Bewegungsangebote im Außenbereich mit Kletterturm, Schaukel, Roll- und Fahrgeräten, die ganztätig zugänglich sind, ferner eine „bewegungsfreundliche“ Raumgestaltung, aber auch Entspannungs- und Rückzugsorte für die Kinder.

Bewegungskindergarten heißt aber auch psychomotorische Förderung für alle Kinder in Kleingruppen, Rhythmikangebote, Projekttage oder Bewegungsfeste. In Planung ist in Zusammenarbeit mit Sportvereinen die Einrichtung einer regelmäßigen psychomotorischen Stunde in verschiedenen Turnhallen.

Uta Steinkamp erzählte, dass die Kinder bei den Vorbereitungen eng eingebunden worden seien: Sie durften abstimmen, welche Spiel- und Klettergeräte sie besonders mögen. Sie malten, wie nach ihrer Ansicht eine tolle Spiellandschaft aussieht. Und sie erhoben die Forderung, dass die Spielgeräte im Garten immer zugänglich sein müssten.

Der Diplom-Sportlehrer Torsten Heuer, der den Kindergarten berät, erläuterte, wie wichtig Bewegung für die Entwicklung von Körper und Geist ist: Kinder, die sich und ihre Umwelt entdeckten, hätten auch den Mut, in die Welt zu gehen. Je häufiger die Erfahrung der Unsicherheit, um so größer werde die Selbstsicherheit.

Im Grunde seien es ganz viele kleine „Unfälle“, die Kinder erleben müssten. Diese Phase des „praktischen“ Lernens reiche bis ins achte Lebensjahr. Und genau diese Erfahrungen seien die Basis, die später über das Maß der Fähigkeit zum theoretischen Lernen bestimme.

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