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Ostholsteiner Anzeiger

18. Dezember 2017 | 17:47 Uhr

Die Jagd auf Wurfscheiben

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Auf der neuen Schießsportanlage der Jägerschaft bei Sibbersdorf sind Trainingseinheiten im Skeet- und Trapschießen möglich

Die 17-jährige Jill-Bastienne Flor aus Zarnekau hat der Ehrgeiz gepackt. Sie will bei den deutschen Meisterschaften im Wurfscheibenschießen für den SSV Kassau starten. Im Training holte sie 32 von 50 gelben Flugobjekten auf der neuen Schießsportanlage der Jägerschaft bei Sibbersdorf im Wettbewerb Trap aus der Luft.

„Ostholsteiner sind in den letzten Jahren nicht bei Landesmeisterschaften anzutreffen, meine Tochter ist deshalb mit Herm Tolles von der Schwartauer Schützengilde für den SSC Schale aus Westfalen gestartet“, stellt ihre Mutter Gaby Flor fest, die im Norddeutschen Schützenbund Ligaleiterin ist. Jill-Bastienne Flor ist eine gute Schützin mit Luft- und Sportpistole. „Mich stört, dass diese Disziplinen statisch sind, das Schrotschießen auf die fliegenden Objekte ist dagegen sehr dynamisch“, begründet sie ihren Schritt zum jagdlichen Schießen.

Als sie mit den Kassauern auf dem Trap- und Skeet-Schießstand trainierte, war es kalt. „Dagegen gibt es wärmende Funktionsbekleidung, eine Regen- oder Thermohose habe ich auch schon getragen. Gegen warme Stiefel und einen Taschenofen kann man auch nichts sagen“, sagt die Schülerin der Beruflichen Schulen Ostholstein. „In Westfalen habe ich Vereinsmeisterschaften habe ich Vereinsmeisterschaften bei Minusgraden und Schneesturm geschossen. Da hatte ich fast einen Eiszapfen an der Nase.“

Interessenten an dieser Schießsportart müssen allerdings über die Kosten nachdenken. Der Nachwuchs schießt auf 75 Tonscheiben, die einen Durchmesser von elf Zentimetern haben. Zwei Schüsse dürfen aus der Flinte abgegeben werden. Häufig braucht man die zweite Schrotpatrone auch. Jill-Bastienne Flor: „Bei Wettkämpfen mit Finalteilnahme können das 130 Patronen sein, bei den Männern mit 125 Scheiben gut 200. Und hundert Schuss kosten 18 Euro. Hinzu kommt etwa hier bei Sibbersdorf die Anlagengebühr von 18 Euro.“ Unterschiedlich sind die Preise für eine Waffe, Vereinswaffen gibt es landesweit nur selten. „Der Schaft eines solchen Gerätes sollte vom Büchsenmacher für den Schützen angepasst werden, sonst zielt man nicht richtig. Ich hatte Glück und konnte eine gebrauchte Flinte erwerben. Das ist eine Beretta Gold Edition Modell 682“, sagt Jill-Bastienne Flor stolz. Neu hätte diese Waffe über 3000 Euro gekostet.

Jill-Bastienne Flor hat bei der deutschen Meisterschaft in 2013 mit 49 Treffern das Finale der Junioren A erreicht, packte noch 14 dazu und schloss mit 63 Ringen als Fünfte unter sieben Juniorinnen ab. Die Goldmedaille ging für 77 zerschossene Wurfscheiben weg. Altersmäßig zählt Jill-Bastienne Flor im kommenden Jahr noch zu den Juniorinnen B, für die der Deutsche Schützenbund einen Extra-Altersklassenwettkampf einführt.

Die Kassauer trainieren unter fachlicher Anleitung von Herm Tolles und dem Neustädter „Charly“ Hauch, der die Wurfmaschinen in Gang setzt. Den Wettbewerb Trap, bei dem die Flugobjekte 15 Meter vor den Schützen aus der tiefen Deckung noch vorn fliegen, gewann bei den Männern im 50-Schuss-Programm mit 26 Treffern Wolfgang Lieventhals. Ole Fricke (21), Levent Lorenz und Axel Schwarzburger schlossen sich mit je 20 Treffern an. Reinhardt Weidemann als Fünfter (15) ließ sich von dem erfahrenen Herm Tolles bei dessen Leistungen außer Konkurrenz (42) zeigen, worauf er achten muss. Der Frauenklasse gehört die 31-jährige Insha Janshen (16) an, sie kam über das jagdliche Schießen zum Vereinssport.

Alle Teilnehmer stellten sich anschließend dem Wettbewerb Skeet, auf jeweils 31 Treffer kamen als Beste Ole Fricke und Axel Schwarzburger. Der Kassauer Schütze Stephan Dohm erläutert: „Die Scheiben fliegen beim Skeet nicht aus einer tiefen Deckung, sondern links aus einem Holzturm in drei Metern Höhe vom Schützen weg, zur selben Zeit kommt aber die zweite Scheibe aus dem kleinen Turm in ein Meter Höhe von rechts entgegen. Das erfordert ein gutes Auge und Reaktionsschnelligkeit, sonst kann der Schütze auch mit dem zweiten Schuss nichts mehr ausrichten.“

Stephan Dohm und Herm Tolles werben in den Vereinen des Kreisschützenverbandes für Mitstreiter, die sich für die Landesmeisterschaft qualifizieren wollen. Jill-Bastienne Flor will sich dort für die deutschen Titelkämpfe qualifizieren, die vom 21. bis 19. August 2014 in München ausgeschossen werden. „In Schleswig-Holstein gibt es eine Reihe von Vorbildern. Claudia Gräfin von Kanitz hat für des JSC Ratzeburg Maßstäbe gesetzt“, blickt Herm Tolles auf Erfolge zurück.

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