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Ostholsteiner Anzeiger

14. Dezember 2017 | 16:51 Uhr

Die Haare sind ihr geblieben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Monika Gödecke trägt bei jeder Chemotherapie-Sitzung eine Kühlhaube und „rettet“ so ihre Haare / Ärzte: Es funktioniert nicht bei allen

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2015 | 17:50 Uhr

Schöne Haare zu haben ist neben der Brust für viele Frauen eine Frage der weiblichen Identität. Es gibt Krankheiten und Therapien, die für sich genommen tragisch genug sind, fallen dann – wie beispielsweise bei der Behandlung von Krebserkrankungen – auch noch die Haare aus, wird den Frauen nicht nur ein wichtiges Identitätsmerkmal genommen. Die Krankheit ist dann auch für alle sichtbar.

Monika Gödecke (58) ist bereits zum dritten Mal an Krebs erkrankt, durchlebt derzeit ihre zweite Chemotherapie und hat schon einmal ihre Haare verloren. „Es war das Schlimmste für mich. Dieses Stigma, diese Blicke. Jeder wusste sofort: ‚Diese arme Frau hat Krebs‘.“

Per Zufall hörte sie von Kühlhauben im Radio und Fernsehen, die bei Krebspatienten trotz Chemotherapie schon für Erfolg gesorgt haben. Sie recherchiert und bestellt sich selbst drei Stück. „Und Sie werden es nicht glauben, ich habe meine Haare noch“, sagt Monika Gödecke glücklich. Die Hauben sind mit einem Granulat gefüllt, das sie vor dem Kühlen im Frostfach in Wasser aufquellen lässt. 45 Minuten vor der Chemo-Behandlung setzt sie die kalte Haube auf den Kopf. Neben ihr steht die Kühltasche, sie wechselt die Hauben regelmäßig und lässt sie auch noch nach der Behandlung auf. Gödecke: „Es ist wichtig, dass man sie ab der ersten Behandlung auf hat, sonst ist es zu spät. Die Kälte mindert die Durchblutung, die Haarwurzeln ziehen sich zusammen, nehmen das Gift nicht so sehr auf.“

Auch einige Ärzte wissen um die Wirkung der Kühlhaube. „Früher haben wir auch Kühlhauben gehabt“, sagt Uta Fenske von der Onkologischen Tagesklinik. Doch die Wirkung sei wissenschaftlich nicht belegt, nicht jeder habe das Glück, seine Haare trotz Kühlhaube zu behalten. Fenske: „Ich bin weit davon entfernt, das ein Patentrezept für den Haarerhalt zu nennen, sonst hätte sich das schon deutschlandweit etabliert.“ Sie könne nur jedem raten, es auszuprobieren.

Monika Gödecke freut sich indes über etwas Glück bei ihrer Krankheitsgeschichte. „Ich wusste bei meiner ersten Chemo nichts über diese Möglichkeit und möchte anderen Mut machen, es zu versuchen“, sagt sie. Haare bedeuten so viel mehr Lebensqualität für sie.

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