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Ostholsteiner Anzeiger

14. Dezember 2017 | 20:14 Uhr

„Die Gewinner sind die Festspiele“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Beiratsvorsitzender Hagen spricht von einem „schwierigen, langen Verhandlungsprozess“ zum Friedensschluss hinter den Operkulissen

von
erstellt am 13.Aug.2015 | 14:23 Uhr

Sabine Kuhnert hat ihre Eutiner Lektion gelernt. Am Morgen nach dem nächtlichen Ringen um einen Friedensschluss in der Opernscheune will die Geschäftsführerin, deren Wunsch nach einer Verlängerung ihrer Arbeit dort nun doch erfüllt werden soll, auf keinen Fall über Sieger und Verlierer reden. Schon gar nicht will sie etwas von einer Machtprobe zwischen Altherrenriege und und Frauenpower hören. Die Managerin aus der Werbebranche, der intern einige vorgeworfen hatten, sich bei der Oper zu ruppig in den Vordergrund zu drängen, prägt lieber eine versöhnliche Formel: „Die Gewinner sind die Festspiele.“

Das ist ihre Überschrift für das, was alle Beteiligten als gemeinsames Aufgaben- und Beschlusspaket vereinbart haben. Dazu gehören nach OHA-Informationen eine Bestandsaufnahme der Organisationsstruktur und kaufmännischen Prozesse bei der Festspiele GmbH, eine Beratung in Sachen Betriebsklima und Mitarbeiterführung sowie das Ausloten von Modellen zur Einbindung weiterer Kapitalgeber.

Kuhnert nennt das Ganze „sehr vernünftig“, die Basis für einen „strukturierten Entwicklungsprozess“ zur Sicherung der Festspiele. Denn: „Entweder es gibt die Festspiele nicht mehr, oder es gibt Lösungswege.“

So dramatisch sah auch der Beiratsvorsitzende Hans-Wilhelm Hagen die Lage vor der Aussprache. Er redet danach offen von einer „roten Linie“, an die sich jetzt alle halten müssten, um die Existenz der Eutiner Oper nicht weiter zu gefährden. Der Weg zur Einigung sei „ein schwieriger, langer Verhandlungsprozess“ gewesen. Hagen: „Trotz unterschiedlicher Auffassung in Bezug auf die Geschäftsführung habe ich die Verantwortung gesehen, für die Festspiele einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Auch im Interesse der Mitarbeiter, für die eine Gewissheit für ihre Zukunft wichtig ist.“ Der Beirat, in dem neben Hagen im Auftrag der WVE weiterhin Helge Tesnau, Dr. Joachim Scheele, Volker Clausen und Arend Knoop das Geschehen in der Opernscheune begleiten, sehe sich nun „in der Verpflichtung, die jetzt getroffenen Vereinbarungen voranzubringen und einzuhalten“.

Mäzen Arend Knoop trägt als Technischer Direktor eine zusätzliche Verantwortung für die Festspiele. Er hatte sich im Vorfeld deutlich für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Sabine Kuhnert stark gemacht, zuletzt auch sein persönliches Mitwirken davon abhängig gemacht.

Entsprechend gelöst reagierte er gestern: „Ich bin vollkommen zufrieden. Alle haben begriffen: Wenn wir die Festspiele retten wollen, dann nur so.“ Er werde jetzt alles dafür tun, dass die Spielzeit 2016 gut über die Bühne gehen könne.

Auch Intendantin Dominique Caron atmete auf: „Meine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Frau Kuhnert und Herrn Knoop kann nun weitergehen. Das ist wichtig, weil wir ja schon vieles für 2016 besprochen und vorbereitet haben.“ Ihr wäre es allerdings lieber gewesen, die Dinge wären intern geklärt worden, ohne draußen Unruhe zu erregen.

„Die Menschen müssen doch ihr Vertrauen in die Festspiele behalten, das wieder herzustellen war doch hart erkämpft in den vergangenen Jahren. Und auch die öffentlichen Zuschussgeber wollen doch die Festspiele in guten Händen wissen.“ Damit keine weiteren Zweifel daran entstehen, plädiert Caron für Selbstdisziplin bei allen Verantwortlichen in der Opernscheune: „Alle müssen daran arbeiten, dass die Kommunikation untereinander transparent ist. Alle tragen dafür Verantwortung, die Festspiele nicht in Frage zu stellen.“

Caron selbst ist noch vertraglich für die 66. Spielzeit gebunden. Offen signalisiert sie, dass sie gerne noch länger in Eutin arbeiten würde: „Das ist ein schöner Auftrag.“ Aus der Festspiel-Führungsetage ist zu hören, dass man die Intendantenfrage für 2017 und länger rechtzeitig lösen wolle. Und das klang sehr danach, dass Kontinuität gewünscht sei. Der WVE-Vorsitzende Klaus Hoth jedenfalls hofft jetzt vor allem eines: „Dass wieder Ruhe einkehrt bei den Festspielen.“

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