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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 23:28 Uhr

„Die Frauen sind der Chef“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Mammobil zur Brustkrebsfrüherkennung untersucht Frauen zwischen 50 und 70 Jahre in Eutin / 6184 Frauen wurden eingeladen

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2016 | 04:30 Uhr

Es sind nur wenige Minuten, in denen jeweils zwei Bilder der Brust gemacht werden. Wenige Minuten, die ein Leben verändern können – und retten. Doch nicht einmal die Hälfte der eingeladenen Frauen nutzte vor zwei Jahren die Chance zur Früherkennung von Brustkrebs im Mammobil, wie die Programmverantwortliche Susanne Wulff aus Lübeck gestern sagte.

Noch bis Anfang Februar steht das Mammobil für das Früherkennungsscreening vor der onkologischen Tagesklinik in der Eutiner Hospitalstraße. 6184 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren wurden bis dahin eingeladen. „Wir hoffen, in diesem Jahr mehr Frauen begrüßen zu können“, so Wulff. Bundesweit liege der Schnitt bei
55 Prozent, „so viel hat sonst kein Früherkennungsscreening“, sagt Wulff. Wer vorbelastet ist oder altersbedingt aus dem Raster fällt, wird weiterhin bei den Frauenärzten untersucht und kann auch zwischen dem Zwei-Jahres-Rhythmus gescreent werden. Wulff: „Unser Ziel ist es, die Frauen frühzeitig behandeln zu können. Mit zunehmendem Alter kommen gesundheitlich oft mehrere Baustellen hinzu. Manche Frauen sind über 70 so schwer erkrankt, dass es gar keine weitere Therapie geben könnte. Dann auch noch von einem Krebsbefund zu wissen, wäre eine zusätzliche Belastung, keine Hilfe. Das muss individuell entschieden werden.“

Innerhalb von sieben Werktagen erhalten die Frauen nach der Untersuchung die Post. Von 1000 untersuchten Frauen werden im Schnitt 30 zur weitergehenden Untersuchung nach Lübeck einbestellt. Bei zwölf der 30 Frauen muss eine Gewebeprobe genommen werden, bei der Hälfte dieser Proben steht am Ende die Diagnose Brustkrebs. „Aber“, sagt Wulff, „80 Prozent aller Frauen haben Knoten, die kleiner als zwei Zentimeter sind, also im Frühstadium liegen.“

Je kleiner der Knoten, desto größer sei die Chance, dass dieser Knoten noch nicht gestreut habe. Bei Knoten unter zwei Zentimetern sei in rund 80 Prozent der Fälle kein Hinweis auf eine Streuung bekannt. „Vor der Einführung des Früherkennungsscreenings waren lediglich 49 Prozent aller Knoten unter zwei Zentimeter, das Risiko der Streuung enorm erhöht“, betont Wulff den Erfolg des Mammobils, mit dem sie zusammen seit 2007 im östlichen Teil Schleswig-Holsteins unterwegs ist. Uta Fenske, leitende Ärztin des Brustzentrums, nickt zustimmend: „Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto größer ist die Chance aus der Behandlung geheilt herauszugehen.“ Dies sei vor zehn oder 20 Jahren noch deutlich anders gewesen. Und Mammobil-Mitarbeiterin Beatrix Philip nimmt jeder die Angst vor dem Schmerz: „Wir sagen, bei uns ist die Frau der Chef, sie bestimmt, wieviel sie aushält. Aber das Bild muss gut sein, darauf kommt es an.“


Wem der angegebene Termin in der Einladung nicht passt, kann diesen telefonisch verändern unter Tel. 0451/ 7024-777. Mehr Infos im Internet unter www.mamma-screening-lubeck.de

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