Weihnachten in aller Welt : Die Finnen sind versessen auf Weihnachten

Lucia kommt mit ihrem Gefolge die Dom-Treppen herunter.
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Lucia kommt mit ihrem Gefolge die Dom-Treppen herunter.

Wie feiern andere Völker Weihnachten? Das haben wir die drei jungen Frauen gefragt, die regelmäßig von ihren Auslandsaufenthalten berichten. Es beginnt Jana Klausberger aus Finnland, es folgen Neuseeland und Togo.

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27. Dezember 2014, 14:00 Uhr

Spätestens seit Anfang November freuen sich alles Finnen, die ich getroffen habe, auf Weihnachten. Mit Lichterglanz und Pfefferkuchen sei die Dunkelheit einfach viel besser auszuhalten. Und wenn es um 9 Uhr noch dunkel ist und es um 15 Uhr schon wieder dunkel wird, hilft es wirklich, sich Strategien gegen Winter-Depressionen auszudenken.

Außerdem kommt der Weihnachtsmann bekanntermaßen ja aus Finnland. Da ist es natürlich Ehrensache, das Fest mit der nötigen Begeisterung zu feiern. So richtig fing die Weihnachtszeit aber erst nach dem 6. Dezember an. An diesem feiern die Finnen nämlich noch ihren Unabhängigkeitstag (für Freunde von Zungenbrechern: Itsenäisyyspäivä).

Viele Traditionen aus der Vorweihnachtszeit sind in Finnland ähnlich wie in Deutschland. Es werden Kekse gebacken und Glühwein getrunken, Häuser dekoriert und Briefe an den Weihnachtsmann geschrieben. Allerdings gibt es natürlich auch kleine Unterschiede. In Finnland heißt Glühwein Glögi und wird mit Rosinen und geschälten Mandeln genossen. In Helsinki gibt es außerdem die Tradition, die Weihnachtsschaufenster von Stockmann zu besuchen. Stockmann ist ein großes Kaufhaus im Zentrum der Stadt, dort werden jedes Jahr die Schaufenster aufwändig und liebevoll dekoriert. Wenn man dort vorbei kommt, steht eigentlich immer eine Traube von Menschen davor und die Kinder drücken sich die Nasen platt.

Eine weitere Möglichkeit zur Stimmungsaufhellung ist natürlich in die Sauna zu gehen. Und dann gibt es auch noch St. Lucia, das Lichterfest. Dabei handelt es sich um eine Tradition aus Schweden, die auch in Finnland hauptsächlich von der schwedischsprachigen Minderheit am 13. Dezember gefeiert wird.

Lucia ist eine Mischung aus einem heidnischen und christlichen Fest. Es geht aber weniger um die Hintergründe als die Tatsache, dass es einfach ein schöner Brauch ist, der Licht in die dunkle Jahreszeit bringt.

Traditionell verkleidet sich die älteste Tochter einer Familie als Lucia, aber inzwischen gibt es in jeder Schule und jeder Stadt gewählte Lucia-Darstellerinnen. Der Legende nach brachte Lucia bedürftigen in ihrer Stadt Lebensmittel und hatte die Hände so voll, dass sie sich, um in der Dunkelheit etwas sehen zu können, einen Kranz mit Kerzen auf den Kopf setzte.

Inzwischen werden elektronische Kerzen verwendet, aber hübsch anzusehen ist es trotzdem. Nach ihrer „Krönung“ wandert Lucia dann mit ihrem Gefolge durch die Städte und besucht Krankenhäuser und Altenheime.

Vor dem eigentlichen Weihnachtsfest besuchen die Finnen viele Pikkujoulu (dt. kleine Weihnachten). Das sind Weihnachtsfeiern, die von der Arbeit, dem Sportverein, dem Freundeskreis oder der Schule ausgerichtet werden. Manche Finnen, die ich kenne, sind in einen regelrechten Pikkujoulu-Stress geraten.

Damit man auch wirklich in weihnachtliche Stimmung gerät, gibt es extra ein Jouluradio mit mehreren Untersendern: Kinderweihnachtsradio, klassisches Weihnachtsradio, Weihnachtsradio mit schwedischen oder mit estnischen Lieder und natürlich auch ein Rock-Weihnachtsradio. So vergeht dann die Vorweihnachtszeit wie im Flug, und Heiligabend steht vor der Tür,

Die meisten Finnen nehmen Weihnachten sehr ernst und deswegen wird bereits am 24. Dezember die Arbeit niedergelegt. Heiligabend läuft dann traditionell folgendermaßen ab. Der Tag beginnt mit Joulupuuro zum Frühstück. Das ist Milchreis, der mit einer Suppe aus getrockneten Früchten gegessen wird. Wer eine eigene Sauna hat, stattet dieser am Vormittag einen Besuch ab, um sich für Weihnachten zu reinigen und fein zu machen. Mittags um 12 Uhr wird in der Stadt Turku, der ehemaligen Hauptstadt von Finnland, der Weihnachtsfrieden ausgerufen. Damit beginnt offiziell das Weihnachtsfest.

Viele Finnen verfolgen die Zeremonie vorm Fernseher oder Radio. Spätestens jetzt sollten alle in ihren Familien sein und es sich gemütlich machen.

Genauso wie in Deutschland besuchen viele Finnen eine Weihnachtsmesse an Heiligabend. Zum Essen gibt es abends traditionell einen Schinken und dazu Aufläufe aus Wurzelgemüse. Unter den Finnlandschweden ist es Tradition, um den Weihnachtsbaum zu tanzen, wenn man dafür genug Platz hat. Und dann kommt hoffentlich auch schon der Weihnachtsmann, der auf Finnisch Joulupukki heißt, und bringt die Geschenke.

Joulupukki heißt eigentlich Weihnachtsbock, denn dieser hat früher zum Julfest, also zur Wintersonnenwende, Geschenke gebracht. Wie jedes finnische Kind weiß, kommt der Weihnachtsmann aus Lappland. Genauer gesagt von einem Berg, der Korvatunturi (auf Deutsch: Ohr-Berg) heißt. Weil der Berg ein bisschen wie ein Ohr aussieht, kann der Weihnachtsmann von dort die Wünsche der Kinder aus der ganzen Welt hören.

Wer noch nicht wusste, dass der Weihnachtsmann dort oben wohnt, dem lege ich die Lektüre von Mauri Kunnas’ Kinderbuch „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ dringend ans Herz. Weil aber Korvatunturi ganz weit im Norden in einem Nationalpark an der Grenze zu Russland liegt und folglich schwer zu erreichen ist, wurde aus touristischen Gründen im den 1980er Jahren beschlossen, dass der Weihnachtsmann einen Zweitwohnsitz am Polarkreis hat. Dort habe ich Anfang Dezember den Weihnachtsmann in seinem Dorf besucht. Dorthin wird auch die Post, die an den Weihnachtsmann adressiert ist, zugestellt und von fleißigen Weihnachtselfen sortiert und gelesen.

Irgendwie hatte ich aber das Gefühl, dass der Bart von Weihnachtsmann doch nur angeklebt war und bin zu dem Schluss gekommen, das der wirklich echte Weihnachtsmann immer noch in Korvatunturi wohnt. Er wird sich das schon gut überlegt haben, an einen schwer erreichbaren Ort zu ziehen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern des Ostholsteiner Anzeigers Hyvää joulua ja onnellista uutta vuotta (Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr).

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