zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 23:41 Uhr

Die Faszination langbeiniger Watvögel

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gefiederte Sumpfbewohner in beeindruckender Artenvielfalt / Teil I der Vogelkunde über Limikolen

Viele Hobbyornithologen haben aufgrund ihrer oft jahrzehntelangen Vogelbeobachtungen eine gewisse Vorliebe für Watvögel (Limikolen) entwickelt. Was macht diese Vogelgruppe so reizvoll ?

Es ist schon ein ästhetischer Genuss, einer Limikolen-Art draußen im Gelände zu begegnen, sei es ein Kiebitz im Balzflug, einem Schwarm von Alpenstrandläufern, der wie auf ein geheimes Zeichen hin über dem Nordseewatt exakte Schwenkungen ausführt. Oder einem der Langbeinigen zuzusehen, wenn er den sandigen Wattwurm vor dem Verschlingen in einer nahen Pfütze wäscht.

Hinzu kommt, dass dieser Vogelgruppe ein Hauch des Geheimnisvollen umgibt. Viele dieser Arten führen weltweite Wanderungen aus und ziehen dabei zum Beispiel von Nordamerika über den Stillen Ozean bis zu den Hawaii-Inseln oder von Grönland über die Kontinente bis nach Australien.

Graziös und anmutig, bunt gefiedert oder im schlichten Jugend- oder Ruhekleid, laut flötend oder verhalten trillernd, in geringer Körpergröße einem Singvogel gleich oder von erhabener Größe, mit kurzen und geraden oder großen und gebogenen Schnäbeln, weitgehend zutraulich bei der Begegnung mit uns Menschen oder scheu und flüchtig – das sind die Regenpfeifer, Strand- und Wasserläufer, Brachvögel und Austernfischer.

Limikolen heißt – wörtlich übersetzt – Sumpfbewohner, wobei längst nicht alle Limikolen das Sumpfige lieben. Wir finden viele dieser Vögel an Stränden, Ufern der Flüsse und Seen, auf Mooren und nassen Wiesen, sogar in Steppen und in der Wüste sowie im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze.

In schon oftmals verwirrender Fülle treten zur Brutzeit besonders im Norden Europas oder zu den herbstlichen Zugzeiten die verschiedenen Vogelformen auf. Bei den meisten Arten besteht zwischen Männchen und Weibchen keine unterschiedliche Gefiederfärbung und fast kein Größenunterschied.

Besonders deutlich wird jedoch die Ausnahme beim Kampfläufer, dessen größerer Hahn zur Balzzeit – von Individuum zu Individuum in großer Farbvariabilität – einen bunten Kragen sowie eine ebenso bunte Halskrause trägt.

Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Limikolen Bodenbrüter; nur der seltene Waldwasserläufer und wenige seiner weltweiten Verwandten legen ihre Eier in verlassene Nester von Drosseln und gelegentlich auch in die Kobel von Eichhörnchen. Mit dem Nestbau geben sich auch die anderen Limikolen keine große Mühe; ein paar Gräser, Pflanzenstängel, Flechten und trockenes Laub dienen der Auskleidung einer flachen Nestmulde.

Austernfischer und Sandregenpfeifer bedienen sich dabei für die Nestunterlage neben Steinchen kleiner Muschelschalen und den Gehäusen von Schnecken. Das Gelege des Seeregenpfeifers ist im Falle eines weichen Untergrundes besonders gut der Umgebung angepasst, sogar scheinbar ein wenig in die Vegetation „eingegraben“, so dass die Eier nur mit dem stumpfen Pol nach oben aus dem Material der Nistmulde herausschauen.

Der ostdeutsche Ornithologe Dr. Wolfgang Makatsch zählt eine besondere, noch immer mit vielen Geheimnissen umgebene Vogelart, die am Persischen Golf als auch an der ostafrikanischen Küste brütet, zu den Limikolen. Den schwarz-weißen, etwa Austernfischer-großen Vogel haben wir in den Vereinigten Emiraten beobachtet, wo der Koloniebrüter – offenbar wegen der zur Brutzeit „unerträglichen“ Hitze – sein einziges Ei in einen ein Meter schräg in den Sand gegrabenen und einen halben Meter tiefen Gang ablegt.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 12:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen