zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 06:51 Uhr

„Die Ereignisse haben sich überholt“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wobau will drei Häuser in der Seestraße für Neubauprojekt abreißen / Einige Mieter beschweren sich / Flüchtlinge ziehen in leere Wohnung

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Das Gründerviertel, wie die Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein (Wobau) die Seestraße in Neudorf selbst bezeichnet, steht vor einem Umbruch. Die drei Mehrfamilienhäuser aus dem Wobau-Gründungsjahr 1938 entsprechen heute nicht mehr dem Energie- und Wohnstandard. Stattdessen sollen hier drei neue Häuser mit insgesamt 30 Mietswohnungen – doppelt so viele wie heute – teilweise mit Seeblick entstehen. Den Weg dafür machten die städtischen Gremien frei (wir berichteten) – und das erfuhren die Mieter der drei betroffenen Gebäude aus der Zeitung.

„Das kam sehr überraschend für uns, dass alles so schnell ging“, sagt ein ehemaliger Mieter der Seestraße, der nach 50 Jahren wenige Meter weiter in eine neue Wohnung gezogen ist. An der Hilfe und dem Service beim Umziehen und der Wohnungssuche könne er gar nichts aussetzen, lediglich die Information hätte er sich etwas eher gewünscht. „Sie haben uns dann kurz nach dem Bericht zum Kaffee eingeladen und alles erklärt. Das war ja auch abzusehen, so lange, wie nichts an den Häusern gemacht wurde“, sagt der über 70-Jährige. Er habe sich gleich auf die Liste für die neuen noch zu bauenden Wohnungen setzen lassen – „ob ich das noch erlebe, steht auf einem anderen Blatt“.

Andere langjährige Mieter machten ihrem Unmut stärker Luft – gegenüber der Wobau und auf der jüngsten Dorfschaftsversammlung: „Uns wollten sie da so schnell raus haben, weil abgerissen werden sollte und nu’ wohnen da die Flüchtlinge.“ Seit mehr als 60 Jahren lebe der betagte Mann in einem der Häuser, er wolle nicht ausziehen, bevor der Bagger vor der Tür stehe. Und das soll voraussichtlich erst Ende 2017, Anfang 2018 der Fall sein. Deshalb verstehe der Mieter – einer der wenigen, die jetzt noch in einem der drei Häuser leben – die Eile nicht, mit der andere ausgezogen sind.

Wobau-Geschäftsführer Fabian Weist erklärt: „Dass wir dort etwas Neues bauen wollen, wird seit mehr als eineinhalb Jahren beraten. Aus der Erfahrung mit anderen Neubauprojekten wissen wir, dass die Suche nach geeignetem Wohnraum lange dauert.“ Ursprünglich sei geplant gewesen, die drei Gebäude (Seestraße 1, 3 und 5) schon in diesem Herbst abzureißen. Aber: „Wir haben auch immer gesagt, dass wir erst unser Bauvorhaben in Scharbeutz fertig haben wollen, bevor wir in Eutin beginnen.“ Die Nebengebäude in der Seestraße wurden bereits abgerissen. Weist: „Wir waren gut im Zeitplan. Doch dann überholten sich die Ereignisse, die Flüchtlingszahlen wurden beinahe täglich mehr und dann konnten wir keine leeren Häuser abreißen, wenn Menschen ein Dach über dem Kopf brauchen.“ Gespräche mit Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz und Landrat Reinhard Sager, der gleichzeitig Vorsitzender des Wobau-Aufsichtsrates ist, hätten unterstrichen, wie groß der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge sei.

Mittlerweile wohnen die ersten in der Seestraße. Platz sei laut Weist für maximal 20 Bewohner pro Haus. Aber Weist betont: „Beides hat sich unabhängig voneinander entwickelt. Für unsere langjährigen Mieter suchen wir Wohnungen im nahen Umfeld.“

Wie schwer gerade älteren Menschen ein Umzug fällt, weiß auch Franziska Dose, Mitarbeiterin der Genossenschaft, die für die Betroffenen nach anderen Wohnungen sucht: „Aber bisher haben sich alle, die umgezogen sind, verbessert. Wann immer etwas Passendes frei wird, haben wir unsere Mieter im Blick.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen