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Die „dienstälteste“ Marktbeschickerin sagt Ade

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hannelore Janzen aus Kasseedorf hat 39 Jahre lang Blumen und Pflanzen verkauft / Die 70-Jährige will kürzer treten

von
erstellt am 23.Dez.2016 | 12:43 Uhr

Der Abschied falle ihr wirklich nicht leicht, versichert Hannelore Janzen, „ich werde manche Träne vergießen“: Die 70-Jährige aus Kasseedorf wird nur noch drei Mal mit einem Blumen- und Pflanzenstand auf dem Eutiner Wochenmarkt stehen, heute, am Mittwoch und zum letzten Mal am nächsten Sonnabend. Damit verlässt die „dienstälteste“ Händlerin den Eutiner Markt.

Seit 39 Jahren hat Hannelore Janzen fast jeden Mittwoch und Sonnabend auf dem Markt gestanden, bei beißender Kälte im Winter, bei drückender Hitze im Sommer. „Im Sommer sind wir um 5.30 Uhr hier gewesen, im Winter um 6“, sagt sie. Bevor die ersten Kunden kommen, muss der Stand aufgebaut und müssen die Pflanzen arrangiert sein. „Rund eineinhalb Stunden dauert das“, verrät Hannelore Janzen. Der Abbau mittags gehe zwar schneller, sei aber auch nicht angenehmer: „Irgendwie ist dann die Luft raus.“ Marktstände seien schon mit viel „Buckelei“ verbunden.

Die wollen Hannelore Janzen und ihr 75-jähriger Mann Gisbert nun „langsam reduzieren“, denn der Eutiner Markt ist nicht der einzige, den die Gärtnerei Janzen beschickt: „Wir sind noch in Schönwalde, Neustadt, Burg und Heiligenhafen“, erzählt Hannelore Janzen, die Wochentage Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend sind damit „ausgebucht.“ Andrea Thormann, Hannelore Jansens Tochter, ist ebenfalls auf Märkten. Donnerstag nutzt Gisbert Janzen für den Einkauf auf den Hamburger Großmarkt, um 2 Uhr beginnt die Fahrt.

Der größte Teil der Ware stammt aber nicht aus dem Großhandel, sondern ist in der Gärtnerei in Kasseedorf selbst gezogen. Deren Geburtsstunde schlug 1948, als sich Gisbert Janzens Vater mit gebundenen Kränzen ein Einkommen schuf. „Er fuhr mit dem Bus nach Kiel, um Kränze zu verkaufen.“ Schnell gehörte auch Obst und Gemüse zum Repertoire der Firma Janzen, die 1962 in die Riege der Eutiner Markthändler kam. Von 1977 an war es Hannelore Janzens Aufgabe, den Eutiner Markt zu beschicken, und in die Anfangszeit fiel auch ein Erlebnis, das ihr bis heute nachhaltige in Erinnerung geblieben ist: „Beim Beginn der Schneekatastrophe 1978 hatten wir Mühe, überhaupt noch von Eutin nach Hause zu kommen.“ Eine Woche lang sei der Betrieb von der Umwelt abgeschnitten gewesen – mit 120  000 Tulpen im Gewächshaus.

Ein Trost für treue Kunden: Die Gärtnerei Janzen gibt es weiter, Björn Janzen hat den Betrieb vor zehn Jahren übernommen. Vielleicht sieht Hannelore Janzen den ein oder anderen lieb gewordenen Kunden dort wieder. „Das werde ich am meisten vermissen: Die vielen Leute, die man hier trifft.“

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