zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 09:16 Uhr

Kleingärten : Die Blütezeit ist im Herbst

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Eutiner Obst- und Gartenverein ist derzeit dabei, seine Nachwuchsprobleme zu lösen und hat sieben Grundstücke neu verpachtet

An dem Baum hängen nur noch wenige Blätter, der Wind hat sie heruntergeweht. Überhaupt ist das Wetter wenig einladend: Der Himmel ist bedrohlich grau. Jeden Augenblick könnte es zu regnen beginnen an diesem tristen Oktobertag. Doch Kurt Foth stört das nicht. Seelenruhig kramt er ein Messer aus seiner Jackentasche, hebt einen heruntergefallenen Apfel auf und schält ihn. „Der schmeckt noch richtig natürlich, solch ein Exemplar bekommt man in keinem Supermarkt zu kaufen“, sagt der 69-jährige Rentner. Der Eutiner Obst- und Gartenbauverein, bei dem Foth Mitglied ist und auf dessen Anlage er steht, legt großen Wert auf einen ökologischen Anbau. „Fungizide, Pestizide und all die anderen Schädlingsbekämpfer sind bei uns verboten.“

 

Mit „uns“ meint Foth die 107 Pächter der Gartenanlage auf dem 60 Hektar großen Gelände am Dosenredder. Foth ist einer davon. Der Eutiner hat kurz nach dem Renteneintritt vor gut drei Jahren einen Kleingarten gepachtet. Dort verbringt er täglich zwischen drei und acht Stunden – unabhängig von Jahreszeit und Wetter. „Solch ein Garten ist ein wunderbarer Rückzugsort und es gibt immer etwas zu tun.“ Einen Kleingarten zu unterhalten bedeute auch viel Arbeit. Daher hält Foth es für wenig überraschend, dass vor allem Ältere einen Garten gepachtet haben. „Die Jüngeren beschäftigen sich lieber mit den elektronischen Unterhaltungsmedien und sind für körperliche Arbeit einfach zu bequem geworden.“ Für ihn sei es wenig überraschend, dass der Großteil der Pächter zwischen 50 und 70 Jahre alt sei. „Jüngere sind hier Exoten.“

Diese Einschätzung geht Manfred Papendorf etwas zu weit. Den Angaben des Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins zufolge habe die Zahl der Pächter, die jünger als 50 Jahre sind, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. „Mittlerweile liegt ihr Anteil bei etwa einem Drittel, fast alle davon sind Familien mit kleinen Kindern.“

Fakt sei aber auch, dass dieses Hobby derzeit nicht mehr so angenommen werde wie früher. Noch Mitte des Jahres seien 20 der 120 Gärten mit Grundstücksflächen zwischen 460 und 610 Quadratmetern frei gewesen. Ein öffentlicher Aufruf und eine Initiative Klaus Foths, wonach Interessierte einen Kleingarten drei Monate lang gratis Probe nutzen können, brachten dem Verein im Sommer und Herbst sieben neue Pächter. Zu diesen gehören auch Marcel und Daniela Dörrie aus Eutin. Die beiden 35-Jährigen haben vor anderthalb Monaten einen Garten angemietet. „Das machen wir in erster Linie für unseren dreijährigen Sohn, weil wir zu Hause keinen Garten haben“, erklärt Daniela Dörrie. „Uns ist wichtig, dass er weiß, dass Karotten und Kartoffeln nicht immer aus dem Supermarkt stammen müssen.“ Dafür nimmt das Ehepaar, das Hartz IV bezieht, auch finanzielle Einbußen in Kauf. „So ein Kleingarten kostet aber auch nicht die Welt“, sagt Marcel Dörrie. „Wir zahlen 120 Euro an Pachtgebühr im Jahr, das ist es uns absolut wert.“

Darüber freut sich auch Kurt Foth. Denn er ist davon überzeugt, dass Kleingartenanlagen kein aussterbendes Hobby sind. „In unserer Konsumgesellschaft gibt es ein solches Überangebot an Freizeitbeschäftigungen, dass es früher oder später wieder – wie hier – zu einer Rückbesinnung auf die Natur kommt.“ Davon gibt es in der Holsteinischen Schweiz zwar genug, doch das lässt Foth nicht gelten: „Wer etwa am Eutiner See gemütlich ein Buch lesen will, der ist nie ganz allein, weil ständig Spaziergänger oder Leute mit Hunden vorbeikommen.“ Ein Kleingarten dagegen biete eine wahrhaftige Rückzugsmöglichkeit. „Gerade in der immer schnelleren Arbeitswelt ist ein richtiger Ruhepunkt enorm wichtig“, findet der Rentner. Dann blickt er prüfend Richtung Himmel. Es beginnt zu regnen. Klaus Foth stört das nicht. Er nimmt ein Buch und zieht sich in seine Gartenlaube zurück.

 

> Weitere Informationen zu den Kleingärten am Dosenredder gibt es bei Manfred Papendorf unter Telefon 04521/71160.

 

zur Startseite

von
erstellt am 30.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen