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Ostholsteiner Anzeiger

22. September 2017 | 13:44 Uhr

„Die beste Lösung für die Stadt“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mit Karl-Heinz Schulenburg hat die Fasaneninsel einen neuen Eigentümer, der sich dem Naturschutz und Bürgern verpflichtet fühlt

von
erstellt am 14.Apr.2014 | 12:56 Uhr

Eine Zwangsversteigerung, die sich über Jahre hingezogen hat, fand gestern ein Ende: Mit 485 000 Euro gab Karl-Heinz Schulenburg das höchste Gebot für die zwei Hektar große Fasaneninsel im Großen Eutiner See ab (siehe auch Seite 1). Doch richtig zu Ende ist das Verfahren trotzdem noch nicht: Die bisherige Besitzerin hatte bis zur letzten Minute mit Anträgen versucht, die Versteigerung zu verhindern, und sie reagierte prompt mit einer Beschwerde auf die Entscheidung, diese Anträge abzulehnen. „Deshalb sind gegen die Versteigerung noch Rechtsmittel möglich und ich kann heute noch keinen Zuschlag erteilen“, sagte Rechtspflegerin Marianne Schnepel. Als Termin für die „Zuschlagserteilung“ wurde der 15. Mai angekündigt – wenn bis dahin nicht weitere juristische Schritt unternommen werden.

Es wäre bei weitem nicht die einzige unerwartete Verzögerung in dem 2009 eingeleiteten Verfahren der Zwangsversteigerung. Der erste „geplatzte“ Versteigerungstermin war 11. März 2012, der nächste scheiterte exakt ein Jahr später.

Wird Karl-Heinz Schulenburg in absehbarer Zeit der Zuschlag erteilt, dann soll die Insel für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, sagte der 88-jährige Eigentümer des Trakehner-Gestütes „Griebeler Höhe“ gestern. Er bereite seit einem Jahr die Gründung einer Stiftung mit seinem Namen vor. Deren Ziel werde es sein, naturnahe Flächen zu schaffen. Dabei lasse er sich auch von der landeseigenen Stiftung Naturschutz beraten.

Insgesamt 60 Hektar sollen in das Stiftungsvermögen gehen – darunter nun auch die Fasaneninsel. Bei allen Projekten lässt sich Schulenburg durch den Architekten Joachim Schrader (Bujendorf) beraten, der auch gestern beim Termin im Amtsgericht anwesend war.

Schulenburg schildert, dass er bei der Beschäftigung mit der Fasaneninsel erfahren habe, wie historisch wertvoll dieses Stück Land für die Stadt Eutin sei. Er könne nicht begreifen, warum die Stadt den Bahnhof gekauft habe, nicht aber die Insel als Wiege der Stadt.

Der sehr erfolgreiche Trakehner-Züchter sagte weiter, dass er die Insel nicht abschotten, sondern ihre Nutzung für die Landesgartenschau ermöglichen wolle. Dabei sei man für alle Konzepte offen. Der Eutiner Bauamtsleiter Bernd Rubelt habe ihm persönlich gesagt, dass der Stadt nichts besseres passieren könne als ein Besitzer wie Schulenburg.

Denn denkbar wäre auch gewesen, dass sich „ein Caruso“ die Insel kaufe und sie allein nutze. Doch Kaufinteressenten mit reinen Privatinteressen seien offensichtlich durch die ganzen Auflagen und absehbaren Kosten abgeschreckt worden.

Diese Einschränkungen waren vor der Eröffnung der Bietstunde im Amtsgericht eingehend erörtert worden. So steht die Insel unter Denkmalschutz, außerdem liegt sie baurechtlich im Außenbereich. Die Stadt hat eine Veränderungssperre erlassen und jüngst im Grundbuch – wie bei allen Immobilien in der Innenstadt – einen Sanierungsvorbehalt eintragen lassen.

Im Grundbuch der Insel waren Lasten von gut einer Millionen Euro eingetragen, vor allem Forderungen über über 440 000 und 430 000 Euro von zwei Banken. Der vergangenes Jahr noch korrigierte Verkehrswert der Insel betrug allerdings nur 302 000 Euro. Dazu errechnete der Gutachter, ein Hamburger Rechtsanwalt, noch einen Sanierungsbedarf an den Bauwerken in Höhe von 280 000 Euro.

Und: Alle Baumaßnahmen stünden unter dem Genehmigungsvorbehalt des sensiblen Paragrafen 35 Baugesetzbuch („Bauen im Außenbereich“), hieß es. Ein Erhalt von Gebäuden sei sicher kein Problem, bei Um- oder Neubauten könnte es sehr schwierig werden. Bewohnbar sei eigentlich nur das Haupthaus, sagte der Gutachter weiter, ein Umbau des Verwalterhauses und der Scheune zu Wohnungen werde vermutlich nicht genehmigt werden.

Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz bekannte gestern im Gespräch mit dem OHA Freude über die Option, die der neue Eigentümer angedeutet hat. Die Stadt werde schnell in Gespräche einsteigen.

Die optimale Lösung wäre natürlich gewesen, wenn die Stadt Eigentümerin der Insel geworden wäre. Aber für den Erwerb hätte sie – im Gegensatz zum Kauf des Bahnhofs – keinen Cent Zuschuss bekommen. Mit Karl-Heinz Schulenburg deute sich eine sehr gute Lösung an – die sich vielleicht im Nachhinein doch bestmögliche erweise.

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