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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 07:35 Uhr

Die Bedeutung roter Listen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Von „ausgestorben“ über „extrem selten“ bis zu „stark gefährdet“: Ein Katalog der Bestandsgrößen

Sie sind ein bewährtes Instrument, um die Situation und Gefährdung von Tier- und Planzenarten zu beschreiben. Die erste Rote Liste über gefährdete und seltene Vogelarten sowie deren Lebensräume erschien für Schleswig-Holstein bereits 1976. Seitdem haben sich die Roten Listen zu einer wesentlichen Bewertungsgrundlage für die Naturschutzarbeit im Lande entwickelt.

Rote Listen enthalten mengenmäßige Angaben über die aktuellen Bestandsgrößen aller in Schleswig-Holstein nachgewiesenen Brutvogelarten. Sie führen direkt zur Einstufung ihrer Gefährdung, damit zum Beispiel für die Politik und die spezielle Gesetzgebung nachvollziehbare Unterlagen bestehen. Dazu werden Einstufungen der 221 schleswig-holsteinischen Brutvögel in Gefährdungskategorien vorgenommen, und zwar in „ausgestorben oder verschollen“ (10 Prozent), „vom Aussterben bedroht“ (10 Prozent), „stark gefährdet“ (5 Prozent), „gefährdet“ (5 Prozent ) sowie in „extrem selten“ (4 Prozent). In einer sogenannten Vorwarnliste (7 Prozent) findet man Vogelarten, die merklich zurückgegangen sind. Letztlich werden Arten, deren Bestände derzeit nicht als gefährdet angesehen werden (59 Prozent), jedoch auf Verschlechterung beobachtet.

In Folge der Zunahme milder Winter oder einer natürlichen Ausbreitung können auch Vogelarten aus der Roten Liste wieder entlassen werden. Dies kann dann auch als Ergebnis der langjährigen, ehrenamtlichen sowie amtlichen Naturschutzarbeit gelten. Die Schutzbemühungen waren zum Beispiel für die Großvogelarten Uhu, Seeadler, Kranich und Wanderfalke so erfolgreich, dass derzeit von einer Gefährdung nicht mehr gesprochen werden kann.

„Sorgenkinder“ sind Vogelarten, die die Agrarlandschaft als Lebensraum benötigen. Das gilt besonders für die Wiesenvögel Weißstorch, Kiebitz und Uferschnepfe, und auf dem Acker fehlen vielerorts Rebhuhn, Feldlerche und Grauammer. Diese Arten können auf Dauer nur erhalten werden, wenn es gelingt, eine nachhaltig und vielfältig genutzte Kulturlandschaft in einem ausreichenden Umfang zu erhalten oder wiederherzustellen – mit der Landwirtschaft und nicht gegen sie.

Noch ein paar Zahlen: In der letzten Fassung der Roten Liste für unser Bundesland im Jahre 2005 wird ein gesamtdeutscher Brutvogelbestand mit 86 Millionen Paaren angegeben. Das entspricht einer mittleren Dichte von 230 Brutpaaren pro Quadratkilometer (qkm); wegen des geringen Waldanteils (10 Prozent) und des hohen Anteils landwirtschaftlich genutzter Fläche (ca. 70 Prozent) kommt Schleswig-Holstein nur auf 140 Brutpaare (60 Prozent des Bundesschnitts). Der Brutvogelatlas für Deutschland nennt 2015 nur noch 80 Millionen Brutpaare – für jeden Bundesbürger ein Vogelpaar  ...

Das Jahr 2016 wird sicherlich an dieser Situation nichts geändert haben, waren doch witterungsbedingt die Brutergebnisse zur Aufzucht einer neuen Vogelgeneration nicht optimal. Seit 1950 haben in Schleswig-Holstein von den 221 regelmäßigen Brutpaaren 66 ab- und 99 zugenommen. Von 39 Vogelarten hat sich der Bestand nicht wesentlich verändert, und von 17 bereits vor 1950 ausgestorbenen Arten konnte die Entwicklung verständlicherweise nicht bewertet werden. Kurzfristig haben 39 Arten abgenommen und 97 zugenommen. Von 64 Arten ist der Bestand mehr oder weniger unverändert geblieben - laut Roter Liste 2005.

Weitere Infos unter www.vogelschutzeutin-badmalente.de.

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erstellt am 19.Dez.2016 | 14:06 Uhr

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