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Die Bedeutung der Wandermuschel für Tauchenten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Es ist ja erstaunlich,
in welch hoher Zahl Tauchentenarten im Winter unsere eisfreien Seen im Ostholsteiner und Plöner Raum bevölkern. Während einer vogelkundlichen Exkursion der Vogelschutzgruppe Eutin- Bad Malente wurde immer wieder nach dem Grund dafür gefragt. Im Folgenden dazu einige Überlegungen.

Sehr viele dieser Reiher- und Tafelenten sind sicher Wintergäste aus dem Nordosten Europas – bis tief
nach Russland hinein – oder Durchzügler aus dem gleichen Raum auf ihrem Wege in die Benelux-Staaten, die bei uns rasten. Auf dem Vierersee bei Plön liegen im Januar zum Beispiel mehrere Tausend zum Tauchgang befähigte Entenarten; diese vielen Tiere haben aber auch einen erheblichen Nahrungsbedarf, der befriedigt werden muss.

Die genannten Entenarten suchen in einer Tiefe von bis zu dreißig Metern den Seegrund ab und treffen hier auf eine willkommene Beute, nämlich auf die Wander- oder Zebramuschel, die hier in unglaublichen Zahlen zu finden ist. Die Wasservögel nehmen diese Tiere als Ganzes auf und „knacken“ mit ihrem Muskel- oder Kaumagen die relativ dickwandigen Schalen; der Inhalt wird mit den Verdauungssäften und mit Hilfe von Magensteinen, dem sogenannten „Grit“, als Nahrung aufbereitet.

Wandermuscheln hat es wohl schon seit Urzeiten bei uns gegeben. Sie sind dann durch unbekannte Umstände sehr selten geworden, bis in der Neuzeit der zunehmende Schiffsverkehr aus dem Bereich des Schwarzen und Kaspischen Meeres diese Süßwassermuschel flussaufwärts nach Europa und anschließend in die Neue Welt brachte. Ihr Transport geschah durch Anhaften der Muschel an den Schiffsrümpfen oder über ihre schwimmfähigen Entwicklungsvorstufen im Bilgewasser aus Holz gebauter Schiffe. Ob nicht auch Vorzeitrelikte auf dem Grund unserer Seen für das Vorkommen der Wandermuschel verantwortlich sind, wird man heute wohl nicht mehr nachweisen können.

Die Wandermuschel ist nicht größer als zweieinhalb bis vier Zentimeter in der Länge und zwei Zentimeter breit. Ihre Schale hat eine braun-schwarze Farbe und weist helle Streifen auf, anhand derer man das Alter der Tiere bestimmen kann – ähnlich wie anhand der jährlichen Wachstumsringe an den Bäumen.

Der Lebenszyklus der sehr robusten und anpassungsfähigen, getrenntgeschlechtlichen Muschel beginnt wie bei den Fischen mit einer externen Befruchtung, sobald die Wassertemperatur über zehn Grad Celsius angestiegen ist. Man liest, dass ein Muschel-Weibchen eine Million Eier in das Wasser entlassen kann, die sich sehr schnell zu Zygoten – das sind aus der Befruchtung hervorgegangene Zellen – und sich danach zu freischwimmenden Larven entwickeln, die sich dann nach drei bis fünf Wochen endlich festsetzen. Das Wachstum des geschlechtsreifen Weichtieres ist besonders auf die Wintertage beschränkt, und es wird drei bis fünf Jahre, im Extrem zehn Jahre, alt.

Wandermuscheln ernähren sich von im Wasser schwimmenden Bakterien und Kleinstlebewesen wie von pflanzlichen oder tierischen Plankton, das sie mit Hilfe ihrer Kiemen aus der Umgebung filtern. Dadurch tragen sie auch zur Reinhaltung der Gewässer bei. Große Winteransammlungen unserer Tauchenten lassen also auf das zahlreiche Vorkommen der Wander- oder Zebramuschel schließen, die sie in den Wintermonaten durch ihre Tauchgänge erbeuten. Man erfährt durch eine Forschungsarbeit, dass im Bodensee fast der ganze Bestand an Wandermuscheln
in einer Wintersaison in die Mägen der geflügelten Wintergäste wandert. Und
auch so mancher Karpfen erhielt seine weihnachtliche Schlachtreife dank der Larven der Wandermuschel.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 11:29 Uhr

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