EUTIN : „Die Aufklärung ist sehr wichtig“

Wollen Bürger informieren und zum Mitmachen auffordern: (v.re.) Karen Genn, Sylvia Zanella, Pastor em. Lutz Tamchina, Dr. Peter Bethke vom Friedenskreis und Holger Krause von Verdi.
Wollen Bürger informieren und zum Mitmachen auffordern: (v.re.) Karen Genn, Sylvia Zanella, Pastor em. Lutz Tamchina, Dr. Peter Bethke vom Friedenskreis und Holger Krause von Verdi.

Friedenskreis und Verdi in Eutin kooperieren und veranstalten am Sonnabend einen Infostand auf dem Markt mit Unterschriftenaktion gegen Aufrüstung.

shz.de von
27. August 2018, 10:46 Uhr

Sie wollen wachrütteln, aufmerksam machen: Den Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 und damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs wollen der Friedenskreis und Verdi in Eutin erstmals gemeinsam nutzen, um für den Frieden ein Zeichen zu setzen. Gleichzeitig soll die Unterschriftenaktion der Initiative „Abrüsten statt Aufrüsten“ unterstützt werden.

Am Sonnabend, 1. September, sollen Eutiner und ihre Gäste von 10 bis 12 Uhr Gelegenheit haben, am Infostand des Friedenskreises auf dem Markt (Ecke Königstraße/Einmündung zum Marktplatz) ins Gespräch mit den Aktivisten zu kommen. Eine (Protest-)Aktion vor der Rettberg-Kaserne sei anlässlich des Antikriegstags jedoch nicht geplant, sagte Karen Genn, Vorsitzende des Friedenskreises, gestern bei der Vorstellung der neuen Kooperation. „Nicht die Soldaten stehen im Vordergrund, sondern die deutsche Politik.“ Pastor em. Lutz Tamchina ergänzte: „Die Soldaten sind nur die Befehlsempfänger. Uns interessieren die Befehlsgeber.“

An der großen Politik müsse sich etwas ändern. Darüber sind sich die Mitglieder des Friedenskreises einig. „Wir sehen uns als Aufklärer“, sagte Genn. Dem pflichtete auch Holger Krause, Vorsitzender des Verdi-Bezirks Lübeck/Ostholstein, bei: „Die Aufklärung ist sehr wichtig“, sagte der Gewerkschafter. Gemeinsam fordern Friedenskreis und Verdi eine neue Entspannungspolitik. Vorbild sollte die von Willy Brandt und Egon Bahr sein. „Mehr Waffen zu produzieren, ist keine Lösung“, sagte Genn. Im Gegenteil: Geht es nach dem neuen Bündnis zwischen Friedenskreis und Verdi, dann würde die Rüstungsindustrie auf Friedensproduktion umgestellt. Und der Fokus der Politik würde wieder mehr in Richtung soziale Gerechtigkeit gerückt. „Dazu braucht es Frieden im Innern. Und die kann es nur geben mit Frieden nach außen“, sagte Krause.

Deshalb warnen die Aktivisten vor einer Ausweitung der Kriegsgefahr. „Es ist nicht mehr von Verteidigung die Rede, sondern vom Recht des freien Zugangs zu Ressourcen, das mit militärischen Mitteln durchgesetzt wird“, so Genn. Der Friedenskreis mache sich „große Sorgen, wenn Militär Handlungsvollmachten an Parlamenten vorbei“ erhalte.

Zudem müsse insbesondere zu Russland eine bessere Beziehung aufgebaut werden. Krause: „Deutsche Soldaten an der russischen Grenze: unerträglich.“

Und Soldaten sollten sich friedlicheren Aufgaben zuwenden – getreu dem Motto: „Schwerter zu Pflugscharen“, dem in den 1980er-Jahren aufgekommenen Motto der damaligen Friedensbewegung. In dem Teilzitat aus der Bibel kommt die Forderung nach Abrüstung zum Ausdruck. „Das geht nicht von heute auf morgen, aber die Zielrichtung ist wichtig“, sagte Genn.

Dafür müssten – geht es nach den Aktivisten – mehr Menschen auf die Straße gehen. „Es fehlt bisher noch die Überzeugung, dass sich etwas ändern muss“, sagte Genn und hofft auf den Aktionstag und dass sie die Menschen in der Region wachrütteln und informieren können.

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